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WATNA-BATNA

Genau betrachtet sucht die Mediation nicht nach irgendeiner Lösung. Sie sucht nach der optimalen Lösung. Um zu erkennen, ob die gefundene Lösung die beste ist, muss sie mit anderen möglicherweise besseren oder schlechteren Lösungen verglichen werden.


Um den Lösungsabgleich zu ermöglichen, werden in der Mediation also mehrere Lösungsoptionen erarbeitet, denn nur die beste Lösung zählt!

 Merke:
Leitsatz 5146 - Die gefundene Lösung ist stets an einer möglicherweise besseren oder schlechteren Lösung zu messen!

Instanz

Die Erarbeitung von Lösungsalternativen hat einen festen Standort in der Mediation. Sie findet in der 4.Phase statt und wird als WATNA-BATNA-Instanz bezeichnet.

Das Akronym steht für: Worst Alternate to Negotiated Agreement bzw. Best Alternate to Negotiated Agreement. Die Vorgehensweise wird im Harvard-Konzept beschrieben. Es geht darum, den Parteien eine Entscheidung unter mehreren Lösungsoptionen zu ermöglichen, um die beste Lösung herauszufiltern.

Der Lösungsabgleich geht auf ein Prinzip des Harvard-Konzepts ein. Das Prinzip besagt, dass die Parteien zwischen mehreren Lösungsoptionen wählen sollten, bevor sie sich für die eine oder andere Lösung entscheiden. Hier kommt die im Entscheidungsprozess typische Erforschung von Alternativen ins Spiel. Mit den Lösungsalternativen sind nicht nur die alternativen Lösungsvorschläge gemeint, die sich sicherlich bei der Sammlung der Optionen ergeben haben. Diese Optionen werden als die in der Mediation erarbeitete Lösung zusammengeführt. Der Abgleich bezieht sich deshalb auf Lösungen, die jenseits der Mediation erzielt werden können und sich nur aus einer parteilichen Beratung ergeben, zu der ein Mediator nicht berechtigt ist.

Juristische Lösung

In der Mediation wird ein Lösungsmodell entwickelt. Im Idealfall ist es nicht die jurstische Lösung, weil sie für eine normierte und nicht für eine individuelle Lösung steht. Die juristische Lösung wird über eine Subsumtion ermittelt, die sich am Sachverhalt orientiert und die Interessen der Parteien außer acht lässt. Der Unterschied der Herangehensweisen im juristischen und mediativen Denken wird im Beitrag zur Lösungsweg beschrieben.

Der Weg zur Lösung 

Lösungsalternativen

Lösungsalternativen können auch verschiedene Lösungszenarien sein. Um herauszufinden, ob es eine bessere Lösung gibt bietet sich fast regelmäßig ein Vergleich mit der rechtlichen Lösung an. Dafür ist eine parteiliche Rechtsberatung erforderlich. Spätestens jetzt ist also Gelegenheit, die möglichen (juristischen) Alternativen zu prüfen. Würden die Parteien die mediative Lösung nach juristischen Gundsätzen (also durch Subsumtion am Gesetz ausgerichtet) bewegen sie sich in einem selbstreferenzierten System. Kann die juristische Lösung daneben gestellt werden, wird ein Diskurs möglich, der unterschiedliche Lösungsmodelle miteinander vergleicht.

Die juristische Herleitung sollte durch einen Rechtsanwalt erfolgen, der zur parteilichen Beratung berechtigt ist. Diese Art der Beratung ist auch einem Anwaltsmediator verwehrt. §2 Abs. 6 Mediationsgesetz verpflichtet den Mediator die Parteien darauf hinzuweisen.

Das Ergebnis der juristichen Beratung (das juristiche Ergebnis) wird in die Mediation eingebracht und der mediativen Lösung gegenübergestellt. Jetzt haben die Parteien eine Entscheidungsoption.

Ausstiegsszenario

Wenn die Parteien ungeachtet der juristischen Methode selbst eine Lösung gefunden haben, kommt es darauf an, diese Lösung an anderen Optionen zu messen. Die Parteien suchen mit dem Mediator und gegebenenfalls nach einer parteilichen Beratung nach besten und schlechtesten Alternativen. Gibt es eine bessere wird sie gewählt und der mediativen Lösung vorgezogen.

Bedeutung für die Mediation

Die Erarbeitung von alternativen Lösungen ist ein Leistungsmerkmal, das die Mediation von allen anderen Verfahren abgrenzt1 . Es stellt deshalb einen Mediationsfehler dar, wenn diese Instanz übergangen wird. Zumindest muss der Mediator ein Bewusstsein bei den Parteien wecken, dass Alternativen denkbar sind.

Die Bedeutung der WATNA-BATNA-Instanz ist den Beratern nicht immer bewusst. Mache nutzen die Gelegenheit deshalb, um die Medianden abzuwerben und zur Beednigung der Medfiationb zu bewegen. Um dies zu verhindern, wird empfohlen, den Parteien ein Merkblatt auszuhändigen, das sie dem Berater übergeben.

Merkblatt für WATNA/B ATNA-Berater

Wenn der Mediator weiß, wie alternative Lösungen aussehen, ist jetzt die Gelegenheit das Wissen einzubringen. Voraussetzung ist, dass es ohne eine parteiliche Beratung (sondern nur mit einer neutralen Beratung) aufgedeckt werden kann und dass das Rechstdienstleistungsgesetz Beachtung findet, das lediglich Anwälten eine Rechtsberatung gestattet. Rechtsinformationen sind stets möglich. Die Parteien können also aufgefordert werden, sich selbst beispielsweise über juristische Berechnungen zu informieren. Auf der Seite Berechnungen finden Sie die dafür erforderlichen Tools (z.B. für familienrechtliche Berechnungen). Auch die Themenseiten bei Wiki to Yes stellen grundlegende Informationen zur Verfügung, die als Link ausgehändigt werden können.

Berechnungshilfen Hin weise für Medianden 

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2022-04-14 15:34 / Version 30.

Alias: Lösungswegsalternativen, Lösungsabgleich, Lösungsvergleich, WATNA/BATNA, Ausstiegsszenario
Siehe auch: Berechnungen
Die Aufgabe wird im Aufgabenverzeichnis erfasst als Lösungsalternativen suchen (Relevanz: Pflicht).
Prüfvermerk:

1 Siehe Vorteile

Last edited by Arthur Trossen , based on work by Bernard Sfez and ArthurTrossen .
Page last modified on Thursday April 14, 2022 15:34:31 CEST.
Durchschnittliche Lesedauer: 3 Minuten