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Kompetenz: Alles über das mediative Wissen und Können finden Sie auf folgenden Seiten:

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Die Mediatorenkompetenz

Die Mediatorenkompetenz wird als ein Unterfall der Mediationskompetenz gesehen. Sie sollte sich im Profil des Mediators abbilden. Definitionsgemäß ist ein Profil nicht nur die Seitenansicht eines Kopfes. Vielmehr beschreibt es das charakteristische Erscheinungsbild und das aufgrund bedeutender Fähigkeiten ausgeprägtes Persönlichkeitsbild.1 Im Idealfall erkennen Sie einen Mediator an seinem Denken und Handeln. Aber woran lässt sich das festmachen?

Woran erkennen Sie einen Mediator?

Die folgenden Überlegungen verdeutlichen das Problem: Wie schätzen Sie jemanden ein, der andere verurteilt, ohne sie angehört zu haben? Wie schätzen Sie jemanden ein, der bewertet, ohne die Fakten zu kennen? Wie schätzen Sie jemanden ein, der bewertet ohne die Perspektiven differenziert zu haben? Wie schätzen Sie jemanden ein, der eine Mehrheit dem Konsens vorzieht? Wie schätzen Sie jemanden ein, der irreführende Werbung betreibt und Versprechungen macht, die bei genauem Hinsehen nicht möglich sind? Würden Sie einer Person, mit diesen Handlungsweisen eine Mediation anvertrauen? Hoffentlich nicht, denn dieses Verhalten passt nicht zur Mediation. Es leugnet die Kompetenz des Mediators.

Eigenschaften

Die Aufgabe eines männlichen oder weiblichen Mediators besteht einzig und allein darin, die Mediation zu verwirklichen. Das dürfte unstreitig sein. Die Mediation wiederum, darauf wurde mehrfach hingewiesen, verwirklicht sich in ihrem Wesen. Das Wesen ergibt den Charakter. Der Charakter macht sich an den Eigenschaften fest. Wenn der Mediator also die Mediation verwirklichen soll, muss er ihren Charakter abbilden. Das gelingt, wenn seine Eigenschaften und Fähigkeiten, zumindest während der Durchführung einer Mediation dem Charakter der Mediation entsprechen. Es kommt nicht darauf an, dass der Mediator ein Gutmensch ist. Ganz abgesehen davon, dass der Begriff Gutmensch zum Unwort des Jahres 2015 erklärt wurde,2 passt er weder zur Mediation, noch ist er in der Lage, die Eigenschaften des Mediators zu definieren. Wenn die Mediation die Metabene abbildet, muss sie ein wertfreies, empathisches Verstehen der Parteien ermöglichen. Die Eigenschaften des Mediators und die der Mediation entsprechen also eher denen der Metaebene, die ein umfassendes Verstehen aller Konfliktsituationen ermöglicht, als denen der Moral, die ein Verstehen verwerflicher Positionen eher verhindert, weil sie missionieren will.

 Merke:
Leitsatz 4220 - Wenn die Mediation ein Metaverfahren ist, ist der Mediator die personifizierte Metaebene. Dass die Mediation ein Metaverfahren ist, ergibt sich aus der kognitiven Mediationstheorie. Die Mediation selbst kann nicht handeln. Also muss der Mediator sie handlungsfähig machen. Seine Eigenschaften und Fähigkeiten müssen sich daran, inwieweit er die Metaebene abbilden kann.

Kompetenzmerkmale

Das Anforderungsprofil der Stiftung Warentest führte aus, dass eine Mediationsausbildung sowohl ein mediationsbezogenes Fachwissen als auch persönliche und kommunikative Kompetenzen als sogenannte Soft Skills vermitteln sollte. Die Unterrichtszeit sollte sich zu 55 Prozent dem fachlichen Know-how widmen und zu 45 Prozent für die Soft Skills verwendet werden.3 Den Soft Skills wird also ein dem Fachwissen in etwa ebenbürtiger Raum eingerichtet. Der aus dem Englischen stammende Begriff spricht die "weichen Fähigkeiten" an. Damit werden die auf die Person, nicht auf das Fachwissen zurückzuführenden Fähigkeiten beschrieben. Das Mediationsgesetz erwartet eine Sachkunde, die sich aus Wissen und Erfahrung zusammensetzt. Genügt die nicht näher beschriebene persönliche und kommunikative Kompetenz, um eine Mediationskompetenz zu erlangen?

Es bedarf sicherlich keiner Diskussion, dass die Fähigkeit, ein nettes Setting zu bereiten und empathisch zuhören zu können, nicht genügen, um die Kompetenz des Mediators zu beschreiben. Eine Verhandlung wird nicht dadurch zur Mediation, dass sich jemand neutral verhält und "mediativ" zuhört. Das wird oft verwechselt. Die Mindestanforderung an eine Mediationskompetenz besteht sicher darin, eine Mediation durchführen zu können. Also orientiert sich die auszubildende Kompetenz an dem, was dazu nötig ist. Die Mediation ist ein Verfahren der Verstehensvermittlung. Mithin ist das Verstehenkönnen die wichtigste Kompetenz des Mediators.

 Merke:
Leitsatz 4183 - Je mehr der Mediator versteht, umso mehr kann er vermitteln!

Kompetenzmerkmale der Verstehensvermittlung:

Verstehen ⇒ Verstehenskompetenz
Wenn die Mediation eine Vermittlung ist, bildet das Verstehen ihr zentrales Leistungsmerkmal. Das Verstehen erstreckt sich auf alle Intelligenzzentren. Es genügt also nicht, das Gesagte logisch nachzuvollziehen. Intelligenz hat eine rationale, eine emotionale und eine Wertedimension.1 Der Mediator muss auf allen Ebenen kommunizieren können. Der Grundsatz lautet: Je mehr der Mediator versteht, umso mehr kann er das Verstehen vermitteln. Der Verstehensbedarf konzentriert sich nicht nur auf die Parteien und den Fall. Damit der Mediator die Mediation zur Wirkung bringen kann muss er auch deren Mechanismen verstehen.
Vermitteln ⇒ Vermittlungskompetenz
Es genügt nicht, nur EINE Partei zu verstehen. Der Mediator muss ALLE Parteien verstehen. Nur so kann er die Wahrnehmung und das Gesagte in eine Sprache übersetzen, die auch der Gegner versteht. Die Verstehensvermittlung knüpft an Gemeinsamkeiten an, nicht an den Streit.


Die isolierte Fähigkeit alles und jeden zu verstehen, macht die Kompetenz des Mediators noch nicht zu einer mediativen Kompetenz. Die mediative Verstehensvermittlung setzt voraus, dass die Verstehensprozess im Format des mediativen Kognitionsprozesses eingebunden wird. Um den Erkenntnisprozess zu realisieren, muss der Mediator nicht nur die Elemente der Mediation, die Grundsätze und ihren Ablauf kennen. Er muss auch wissen, wie die Elemente zusammenspielen, sodass sie den hinter der Mediation verborgenen Erkenntnisprozess ermöglichen.

 Merke:
Leitsatz 4184 - Je mehr Erkenntnisse gewonnen werden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, ein passendes Ergebnis zu finden!

Kompetenzmerkmale der Erkenntnisgewinnung:

Verifizieren ⇒ Verifikationskompetenz
Die Mediation ist ein Prozess der Informationsverarbeitung und der Erkenntnisgewinnung. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, dass der Mediator die Informationen korrekt einschätzt und einordnet. Zu dem Zweck hat er den Gedankenaustausch zu qualifizieren, damit die Parteien den Informationsbedarf erkennen können. Das gelingt, indem er die Qualität der Information wertfrei erfasst und ihre Stimmigkeit hinterfragt. Sein Denken ist kleinschrittig. Die Metaebene macht diese Auseinandersetzung möglich. Sie wird durch den Mediator abgebildet. Sie ist allen Gedanken und Wahrnehmungen zugänglich. Ihre Wertefreiheit erlaubt es, die Gedanken zu justieren.
Ordnen ⇒ Dimensionierungskompetenz
Die Mediation kann mit der Komplexität umgehen. Die Dimensionierungskompetenz ist dafür eine wichtige Fähigkeit. Die Dimensionierung ist ihr Werkzeug. Gemeint ist das gedankliche Ordnen, das aus dem Chaos des Konfliktes herausführen soll. Nun sind es die Parteien, die eine Lösung finden sollen, also müssen SIE denken, nicht der Mediator. Was der Mediator allerdings zu tun hat ist, die Gedanken der Parteien zu verdeutlichen und Ihnen zu ermöglichen, die Gedanken in eine Ordnung zu bringen. Er kennt den hinter der Mediation laufenden Kognitionsprozess und weiß, wie er umzusetzen ist. Methodisch bewältigt er das Informationsmanagement mit dem Dimensionieren.
Vervollständigen ⇒ Komplexitätsbewältigungskompetenz
Die Mediation geht von voll informierten "Spielern" aus. Die Informiertheit bezieht sich auf alles, was mit den betroffenen Menschen, dem Problem und dem zu lösenden Konflikt zu tun hat. Deshalb kann der Mediator nur dann mit der Mediation und dem zu lösenden Problem adäquat verfahren, wenn er sowohl die Komplexität des Verfahrens (der Mediation) wie die des Falles bewältigen und miteinander in Übereinstimmung bringen kann.
Reflektieren ⇒ Metakompetenz
Die Mediation lebt von der Refelxion dessen was zu bedenken ist, um eine Lösung zu finden. Die Reflexion erfordert eine Metabene. Die Metaebene erstreckt sich auf die Parteien, den fall und das Verfahren, mithin auf den Mediator selbst. Er ist - wenn man so will - die personifizierte Metaebene. Um sich auf der Metaebene bewegen zu können bedarf es einer hohen Abstraktionsfähigkeit und der Wertefreiheit.


Der Mediator ist nicht untätig. Er hat verschiedene Aufgaben zu erfüllen, um den Erkenntnisprozess zu ermöglichen.

 Merke:
Leitsatz 4185 - Mediator und Parteien sitzen alle in einem Boot. Jeder hat eine Aufgabe und muss darauf achten, dass das Boot nicht kentert

Kompetenzmerkmale der Prozessgestaltung:

Navigieren ⇒ Steuerungskompetenz
Der Mediator führt mit den Parteien die Mediation durch1 . Er muss sich mit der Mediation gut auskennen, damit das gelingt. Er muss die Interaktionen der Parteien einschätzen und der Mediation zuordnen können, um durch den Prozess zu navigieren. Mehr noch muss er in der Lage sein, die unterschiedlichsten Prozesse zusammenzuführen.
Organisieren ⇒ Gestaltungskompetenz

Beziehung aufbauen, Rollen zuweisen, das Verfahren so einrichten, dass es die Komplexität bewältigt
...

Strukturieren ⇒ Systematisierungskompetenz

Der Mediator muss nicht nur den Weg durch die Mediation kennen. Er muss ihn auch herstellen können. Dazu zählt auch, die Bedingungen herzustellen, unter denen die Mediation gelingen kann. Wichtig ist die Einrichtung und Aufrechterhaltung der Meta-Ebene

Es genügt auch nicht, eine Mediation mechanisch durchführen zu können. Er muss verschiedene Varianten kennen, um das für die Ausgangsbedingungen passende Verfahren und die effizienteste Vorgehensweise festzulegen. Er muss sein Verhalten und das der Parteien an Benchmarks messen und bewerten können.

Umsetzen ⇒ Umsetzungskompetenz
Damit der Mediator die Mediation zur Entfaltung bringen kann, muss er auch die technischen Anforderungen erfüllen. Diese Anforderung wird deutlich, wenn die Ausbildungsverordnung um das Merkmal der digitalen Kompetenz erweitert wird. Auf dem Workshop des BMJV am 16.11.2021 waren alle Protagonisten mit der Erweiterung der Ausbildungsverordnung um diesen Punkt einverstanden.1 Auch wenn die digitale Kompetenz besonders herausgestellt wird, kommt zum Ausdruck, dass der Mediator die Kompetenz besitzen muss, die zur Umsetzung der Mediation erforderlichen Werkzeuge zu beherrschen. Welche Werkzeuge das sind, ist nicht explizit festgelegt. Sie ergeben sich aus dem Verwendungsbedarf. Die Durchführung einer Online-Mediation gehört zum Standardrepertoire und zu den Mindestanforderungen. Was sonst noch dazugehört, bleibt dem Angebot überlassen.


Die Herausbildung der Kompetenz des Mediators

Persönlichkeit und Haltung

Die Mediation kann nur aus einem freien Denken heraus gelingen, das der Mediator ermöglichen und vorhalten muss. Die Art des Denkens ist Teil der Persönlichkeit. Oft ist von der Haltung des Mediators die Rede. Gemeint ist seine innere Einstellung. Bitte beachten Sie, dass es dabei nicht um Moral und auch nicht um ein Gutmenschsein geht. Das wäre kontraproduktiv zum wertefreien Denken der Metaebene.
Aus den Anforderungen, die das Verfahren an die Haltung des Vermittlers stellt, lässt sich ein Mediatorenprofil ableiten, in dem sich alle Haltungsmerkmale wiederfinden lassen, die für eine erfolgreiche Mediation zu fordern sind. Diese Merkmale sind:

  1. Der Mediator beherrscht die Meta-Kognition => ist wertefrei und reflexiv
  2. Er strebt Über- und Durchblick an => ist unbefangen neugierig
  3. Er interpretiert nicht => ist faktenorientiert und neutral
  4. Er versteht sich auf allen Ebenen der Kommunikation => ist verständig
  5. Er scheut sich nicht vor der Komplexität => ist strukturiert
  6. Er scheut sich nicht vor dem Konflikt => ist konfliktfähig
  7. Er denkt prozessorientiert => ist evolutiv
  8. Der Konsens ist seine Lebensgrundlage => ist kooperativ und verbindlich
  9. Er ist immer Mediator, nicht nur bei der Arbeit => ist authentisch

Bitte beachten Sie:

 Merke:
Leitsatz 4221 - Die Persönlichkeit des Mediators definiert sich nicht über die Ausbildung. Sie ist allenfalls ein Indikator dafür. Die Persönlichkeit zeigt sich an der Art des Denkens und wie der Mediator mit sich und seinen Mitmenschen umgeht

Wer das Denken der Mediation inhaliert hat, begrenzt es nicht nur auf die Zeit in der er eine Mediation durchführt. Wer diesen Aspekt im Blick hat achtet auch darauf, wie er nach der Ausbildung noch gefördert werden kann. Wiki to Yes bietet hier eine ergänzende Untsrstützung an, die die Ausbilder ebenso wie die Studenten natürlich gerne in Anspruch nehmen können.

Mediatorencheck

Als Entscheidungshilfe und erste Orientierung mag der Mediatorencheck dabei helfen, die Kriterien für die Auswahl des passenden Mediators zu finden.

Formular: Mediatorencheck

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.

Bearbeitungsstand: 2022-11-06 02:48 / Version 103.

Alias: Eigenschaften des Mediators, Mediatorenkompetenz
Siehe auch: Haltung, Woran erkenne ich einen Mediator?, Das Wesen der Mediation, Berufsmediator, Engagierte Mediatoren, Die Bedeutung der Metaebene, Mediationsausbildung


Last edited by Arthur Trossen , based on work by Bernard Sfez and ArthurTrossen .
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