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Der Berufsmediator

Beruf


Um die Mediation professionell anbieten zu können, bedarf es gewisser Übereinstimmungen, was den Beruf ausmacht, damit alle dasselbe meinen, wenn von dem Beruf des Mediators die Rede ist. Wieder geht es um die Frage: Was ist ein Mediator? Handelt es sich um eine Berufsbezeichnung, sodass jeder Mediator stets auch ein Berufsmediator ist oder gibt es zwischen dem Mediator und dem Berufsmediator noch mal einen Unterschied?




Von der Berufung zum Beruf
Über die Professionalität von Mediatorinnen und Mediatoren


Der Gesetzgeber wollte zwar eine Diversifikation der Mediation, also eine Aufsplitterung, vermeiden. Genau das triftt aber ein. So genannte Anwaltsmediatoren beispielsweise leiten für sich Beratungsprivilegien aus dem Rechtsdienstleistungsgesetz her. Auch für Notare gelten abweichende Vorschriften. Der Markt erfordert immer wieder neue Erfindungen, um mit der Mediation ein Einkommen zu erzielen. Das Mediationsverzeichnis mag dafür ein Beleg sein. Die Mediation wird fälschlicherweise als ein Nebenberuf angesehen. Es gibt keine begriffliche Unterscheidung zwischen dem Mediator als Funktion und dem Mediator als Beruf. Fest steht jedoch:

 Merke:

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Wenn von der Mediation als ausgeübter Beruf gesprochen wird, werden die Handwerker angesprochen. Das sind Mediatoren, die das Handwerk professionell ausüben und als Berufsmediatoren auftreten. Eine Übersicht über die beruflichen Aspekte der Mediation enthält der Beitrag Beruf.

Mediator als Beruf

Berufsbezeichnung

Auch wenn eine Neigung zu beobachten ist, den Berufsmediator schlicht als Mediator zu bezeichnen, ist der Begriff nicht hinreichgend klar, um die Berufstätigkeit des Mediators oder der Mewdiatorin korrekt zu umschreiben. Die Mediation ist eine hinkende Dienstleistung. Die Berufstätigkeit geht deshalb meist über die Durchführung der Mediation hinaus. Auch die Nachfragesituation erfordert ein kreatives Angebot,1 das über die Durchführung einer reinen Mediation hinausgeht. Auch die Evaluierung zum Mediationsgesetz führt aus, dass 91% der Mediatoren situationsbezogen von der „formellen“ oder „schulmäßigen“ Mediation absweichen.2 Ein Mediator wird deshalb auch eine Schlichtung anbieten und Unterstützung bei Verhandlungen oder sonstige Hilfen bei der Konfliktbewältigung. Es gibt eine Vielzahl von ADR-Verfahren, die alle eine außergerichtliche Streitbeilegung ermöglichen. Für den Kunden ist es jedenfalls verwirrend, wenn der Beruf an ein Verfahren geknüpft wird, die Berufstätigkeit aber mehr umfasst als nur die Duchführung dieses einen Verfahrens.

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Erwartet der Kunde nicht, dass ein Mediator eine Mediation durchführt, ein Schlichter eine Schlichtung, der Anwalt eine Rechtsdienstleistung, der Therapeut eine Therapie, usw.? Wenn der Berufsinhaber mehrere Verfahren durchführt, müsste er sich allein im Interesse einer begrifflichen Klarheit mit den zum Verfahren passenden Berufsbezeichnungen benennen. Ein Anwalt ist also Anwalt und Mediator und gegebenenfalls auch Schlichter. Ein Therapeut ist Therapeut und Mediator und gegebenenfalls Coach usw. Wenn er mehrere Verfahren anbietet, erklärt sich seine Einsetzbarkeit besser, wenn er sich mit dem passenden Oberbegriff, also etwa Streitvermittler bezeichnet und die Verfahren als Dienstleistungsangebote aufführt.

§5 Mediationsgesetz verknüpft die Verwendung des Begriffs Mediator mit einer fachlichen Qualifikation und führt den Begriff zertifizierter Mediator ein. Ein Berufsmediator kann also Mediator oder zertifizierter Mediator sein. Wie sich die Qualifikationsmerkmale abgrenzen, ergibt der Beitrag Mediator.

Ungeachtet dessen ist der Begriff Mediator inzwischen längst ale eine eigenständige Berufsbezeichnung eingeführt. Die Agentur für Arbeit listet den Beruf mit der Bezeichnung Mediator/in offiziell unter der Berufs-ID: 8263 und der Systematiknummer: 81634-100.3 §5 Mediationsgesetz erwähnt die Begriffe Mediator und zertifizierter Mediator. Ohne dass dies ausdrücklich erwähnt ist, sind damit wohl auch Berufsbezeichnungen gemeint. Eine Berufsqualifikation i.S.v. Artikel 3 der Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen ist jedoch nicht vorausgesetzt. So wie die meisten Berufe in Deutschland nicht reglementiert sind4 ist auch der Mediator als ein nicht reglementierter Beruf anzusehen5 . Wie jeder Dienstleister ist der Mediator jedoch zu Mindestangaben hinsichtlich seiner Dienstleistungserbringung verpflichtet6 .

Informationspflicht

Berufsmediatoren

Wie die Evaluierung belegt, ist der Umfang der Tätigkeit von Mediatoren nur selten so angelegt, dass die Durchführung von Mediationen einer Vollbeschäftigung entspricht. Manche Mediatorinnen und Mediatoren drücken den nebenberuflichen Charakter ihrer Tätigkeit durch die Kombination der Bezeichnung Mediator mit ihrem Ursprungsberuf aus. Ein Anwaltsmediator kann sich nur so bezeichnen, wenn er eine Anwaltszulassung hat. Das gleiche gilt für den Notarmediator. Auf den ersrten Blick scheint es so, als würde das Oxymoron einen Mehrwert herauszustellen. Der Mehrwert ist jedoch trügeri8sch. Er kann auch als eine Einschränkung verstanden werden.

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Wie wäre es, wenn dem Begriff Anwaltsmediator der Begriff Vollmediator gegenüber gestellt wird? Fände sich in dieser Begrifflichkeit nicht erst der Beweis, dass sich der Anwalt von seinem juristischen Denken befreit hat und die Andersartigkeit der Mediation zur Geltung bringen kann? Zeigt sich in diesem Begriff nicht erst die berufliche Etablierung der Mediation? Im Idealfall und bei voller Kompetenzauslastung beschreibt die Mediation ein Verfahren, das sich unabhängig vom Ursprungsberuf definiert und alle erforderlichen Kompetenzen in sich vereinigt. Demzufolge sollte auch der Begriff Mediator für sich selbst stehen, sodass der Nur-Mediator zwangsläufig auch ein Vollmediator ist. Anders formuliert: Bei einem vollständig ausgebildeten Mediator kommt es auf den Ursprungsberuf nicht (mehr) an. Bei einem vollberuflich tätigen Mediator kann seine Professionalität unterstellt werden. Das berufliche Engagement drückt sich am besten aus, wenn sich der hauptberuflich tätige Mediator als Berufsmediator bezeichnet.

Berufsrecht

Ein eigenständiges Berufsrecht gibt es nicht für Mediatoren. Trotzdem haben einige Berufsgruppen Voraussetzungen für die Ausübung der Tätigkeit als Mediator und die Berufsbezeichnung festgelegt. Zu nennen sind die Rechtsanwälte, die Notare und die Steuerberater. Grundsätzlich verdrängt das Mediationsgesetz als Lex specialis andere rechtliche Regelungen. So orientiert sich beispielsweise die Verschwiegenheit der Rechtsanwälte, die als Mediator tätig werden, an dem Mediationsgesetz und nicht an dem weitergehenden, anwaltlichen Schweigerecht. Das Rechtsdienstleistungsgesetz besagt, dass Mediatoren keine Rechtsberatung durchführen dürfen, wenn sie keine Rechtsanwälte sind.7

Berufsnachweis

Viele Berufe benötigen eine Zulassung. Die Ausbildung ist dafür nicht genug.

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Für die Mediation ist eine solche Zulassung bisher nicht vorgesehen. Sie wäre mit einem Makler oder Unternehmensberater zu vergleichen, der seinen Beruf ebenfalls nur nach Deklaration ausüben kann. Soweit bekannt, bietet lediglich der Verband integrierte Mediation ein Berufszertifikat an.

Berufszertifikat

Berufsanmeldung

Der Mediator übt einen freien Beruf aus. Es bedarf also keiner Gewerbeanmeldung, wenn er seine Berufstätigkeit aufnimmt. Allerdings muss er beim Finanzamt anmelden, dass er freiberuflich Einkünfte erzielt. Wenn der Mediator vor der Aufnahme der freiberuflichen Tätigkeit einen formlosen Antrag beim Finanzamt zur steuerlichen Erfassung stellt, teilt das Finanzamt mit, wie es die Art der Tätigkeit bewertet bzw. ob der Status Freiberufler gewährt wird.8

Die Frage, ob der Mediator einen freien Beruf ausübt oder nicht ist im Gesetz nicht eindeutig geregelt. Es bedarf der Auslegung, besonders hinsichtlich der gewerberechtlichen Vorschriften. Hinweise zur Auslegung und die Begründung, warum der Mediator sowol steuer- als auch gewerberechtlich ein freier Beruf ist, ergeben sich aus dem Beitrag Mediator, ein freier Beruf?.

Rechtsform

Mediationsdienstleistungen könnnen, obwohl kein Gewerbe, in der Rechtsform einer GmbH oder einer anderen Gesellschaft angeboten werden. Dann gilt das für die gewählte Gesellschftsform geltende Recht. Es ist darauf zu achten, dass der handelnde Mediator einen unabhängigen Status hat. Grundsätzlich kann er als Freiberufler Sozietäten und Partnergesellschaften bilden. Zwar war ihm die Bildung einer Sozietät mit einem Rechtsanwalt untersagt.9 Ein neues Gesetz scheint die Lücke jedoch zu schließen.10

Berufstätigkeit

Es genügt nicht, ein Schild an die Tür zu hängen. Ganz abgesehen davon, dass dieser Plan eine Tür benötigt, an der man ein Schild anhängen kann, bedarf es eines weiteren Equipments und einer Organisation, die ein professionelles Auftreten und Arbeiten möglich macht. Die Anforderungen sind nicht hoch, weshalb ein Berufseinstieg leicht möglich ist. Trotzdem gibt es einiges zu bedenken. Genug, um sich damit in einem Beitrag auseinanderzusetzen, der sich mit der Realisation der Berufstätigkeit auseinandersetzt.

Verwirklichung

Die Agentur für Arbeit beschreibt die Aufgaben und Tätigkeiten des Mediators im Einzelnen wie folgt:11

  • Beratungs- und Vermittlungsgespräche führen
  • Mediationskonzepte erarbeiten und anwenden (Konfliktsachverhalte studieren, Informationen über Interessen der Konfliktparteien einholen, Ziele und Rahmenbedingungen festlegen, Konflikte analysieren)
  • Sitzungen mit Konfliktparteien durchführen (Verhandlungen führen, Kommunikationsstrukturen analysieren, Kommunikationstechniken wie aktives Zuhören, Fragetechniken oder Reframing anwenden Konfliktlösungsstrategien entwickeln, Lösungsvorschläge zusammen mit den Konfliktparteien erarbeiten, sammeln und bewerten, rechtsverbindliche Abschlussvereinbarungen entwerfen und zum Abschluss bringen)
  • Mediationsverfahren vor- und nachbereiten, Gespräche und Verhandlungen dokumentieren

Schon diese Beschreibung deutet den Umfang der Tätigkeit des Mediators an. Sie ist, gemessen an dem Aufgabenverzeichnis, sicher noch unvollständig. Sie verschweigt auch, dass dem Mediator eine parteiliche Beratung verwehrt ist und dass die Parteien gegebenenfalls auf andere Hilfen angewiesen sind, um rechtsverbindliche Vereinbarungen zum Abschluss zu bringen. Es sollte also noch erwähnt werden, dass der Mediator die Aufgabe hat, die angrenzenden Dienstleistungen zu koordinieren.12

Konsolidierung der Dienstleistung des Mediators

Berufsaufsicht

Wer überwacht die korrekte Ausübung der Mediation und die Einhaltung berufsrechtlicher Vorschriften?
Mangels berufsrechtlicher Regelungen ist diese Frage weder eindeutig noch einheitlich zu beantworten. Entnehmen Sie Einzelheiten dazu bitte dem Kapitel Berufsaufsicht.

Berufsaufsicht

Haftung

Haftungsfragen unterliegen nicht dem Berufsrecht, sondern dem Recht der Mediationsausführung, also dem Mediationsrecht. Das Mediationsrecht gestaltet die Ausführung der Mediation und ist vom Berufsrecht zu unterscheiden. Antworten auf Fragen zu den Pflichten des Mediators bei der Verfahrensdurchführung, den Regeln der Kunst und zur Haftung finden Sie also nicht im Berufs- sondern im Mediationsrecht.

Mediationsrecht

Versicherung

Sicherheit gefällig? In Österreich besteht für Mediatoren (wenn sie in Zivilrechtssachen tätig werden) eine Haftpflichtversicherungspflicht. In Deutschland ist das noch nicht der Fall. Eine Versicherung ist jedoch möglich. Die Rede ist von einer Vermögensschadensversicherung. Rechtsanwälte, Steuerberater sind versicherungspflichtig. Deren Vermögensschadenshaftpflichtversicherung umfasst auch die Mediation. Ein eigenständiger, freiberuflicher Mediator unterliegt keiner Versicherungspflicht. Die Frage, ob ein Mediator versichert sein sollte oder muss wird kontrovers diskutiert. Wenn er sich an die “Kunstregeln” der Mediation hält braucht er sicher keine. Aber das gilt für jeden Dienstlsieter und Werkunternehmer. Die Ansicht, der Mediator sei für das Verfahren zuständig und die Parteien für das Ergebnis ist erstens so nicht korrekt und zweitens kein Freibrief.

Bedeutung für die Mediation

Die Mediation hat ein Interesse daran, dass die Begriffe Mediation und Mediator korrekt verwendet werden. Ungenauigkeiten irritieren nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Anforderungen an die Ausübung der Mediation. Wo die Tätigkeit des Mediators keiner Aufsicht unterliegt, erfolgt die Kontrolle über das Wettbewerbsrecht. Der Mediator, der sich also mit falschen Bezeichnungen tituliert, riskiert eine Abmahnung.

Die Mediation ist an einer beruflichen Verortung interessiert. Eine eigenständige Berufsausbildung ist schon deshalb wichtig, damit sich die Mediatoren von ihrem Ursprungsberuf lösen und vom Urspungsberuf gelöst gesehen werden können. Noch immer kursiert die fehlerhafte Vorstellung, dass beispielsweise nur ein Anwalt in der Lage sei, eine rechtslastige Scheidung zu mediieren.13 Bei einem gut ausgebildeten Mediator sollte der Ursprungsberuf keine Rolle mehr spielen. Damit dieser Schritt gelingt, müsste die Mediationspolitik darauf achten, dass es keine professionellen Privilegierungen oder Sondervorschriften gibt (wie beispielsweise bei den Anwälten und Notaren) und dass eine berufliche Verkquickung mit anderen Berufsrechten (wie z.B. §18 BORA) unterbleibt.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2021-11-11 17:35 / Version 129.

Aliase: Mediator (Beruf), Berufsausübung, Berufstätigkeit, reglementierter Beruf
Siehe auch: Beruf, Mediator, Berufsausübung, Mediator als freier Beruf, Der Einfluss des Ursprungsberufs
Diskussion: Ist Mediator ein Beruf?

2 Siehe Mediationsgesetz-Evaluierung unter "Praxis der Mediation"
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5 Arg.: der Beruf ist nicht in der regulativ Professions - Datenbank und in der Datenbbank der Arbeitsagentur gelistet. Beide Quellen abgelesen am 17.7.2017
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12 Die Aufgabe wird im Aufgabenverzeichnis erfasst als Koordinierung angrenzender Dienstleistungen

Contributors to this page: Arthur Trossen and Administrator .
Page last modified on Thursday November 11, 2021 17:35:43 CET by Arthur Trossen.