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page id: 508 Über die Ausgestaltung der Mediation und die dazu beitragenden Mediationsformate Abteilung »  Wissen Inhalt »  Mediation »  Ausprägung »  Mediationsformat

Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen und Ausführungen, die alle mit dem Mediationsverständnis einhergehen müssen. Die hier zugrunde gelegte Mediationssystematik ermöglicht eine vollständige Verortung aller Erscheinungsformender Mediation. Sie wird in folgende Klassen eingeteilt:

Mediation (Systematik) Verständnis Konzepte Modelle Formen Felder Stile

Mediationsformen

Mediationsformen beschreiben das Format, in dem die Mediation ausgeführt wird. Mediationsformate sind von den Mediationsmodellen, den Fachmediationen und den Mediationsstilen zu unterscheiden. Mediationsformate betreffen die äußere Gestalt der Mediation.


Formgebung

Fitting the Form to the Fuss

Die Mediationsformate fügen sich als eine eigenständige Klasse in die Mediationssystematik ein. Sie lassen sich mit den anderen Klassen, wie z.B. die Mediationsmodelle oder die Anwendungsfelder kombinieren. Grundsätzlich sind die Formen auf jedes Modell und in jedem Anwendungsfeld frei zu bestimmen. Die nebenstehende Skizze verdeutlicht ihren Standort.

Einordnung in die Mediationssystematik 

Definition

Mediationsformen beschreiben die äußere Erscheinungsform der Mediation. Die Mediationsform bildet einen Oberbegriff, unter dem sich Mediationszuschnitte (Mediationsformate) erfassen lassen. Es geht um die Frage, wie die Mediation gestaltet wird.

Vorgaben

Der Mediator und die Parteien sind grundsätzlich frei in der Wahl des Mediationsformates. Es gibt allerdings äußere Anforderungen, die ein bestimmtes Format nicht nur nahelegen, sondern auch erzwingen. Eine Co-Mediation beispielsweise ist ab einer bestimmten Zahl von Teilnehmern vorgeschrieben. Welche Vorgaben im einzelnen zu beachten sind, ergibt sich aus der Beschreibung der einzelnen Formate, die sie über die nachfolgenden Links erreichen. Eine Zusammenstellung aller Erscheinungsformen der Mediation finden Sie im Meditationsverzeichnis.

Mediationsverzeichnis 

Grundsatz

Wie immer gilt der Grundsatz, die Form den Bedürfnissen anzupassen (Fitting the Form to the Fuss) und nicht umgekehrt. In der Praxis entscheiden allerdings oft Vorgaben und Situationen über die zu wählende Form, sodass der Mediator daran gehindert wird, das optimale Format einzusetzen.

Beispiel 11781 - Eine Co-Mediation ist zwar angezeigt. Sie wird von den Parteien aber nicht gewollt und auch nicht bezahlt.


In einem solchen Fall muss der Mediator entscheiden, ob und inwieweit es dennoch Sinn macht, die Mediation durchzuführen. Ein falsches (ungünstiges) Format führt grundsätzlich nicht zum Scheitern der Mediation.

Beispiel 11782 - Eine transformative Mediation in einer Familienangelegenheit sollte zwar im direkten, persönlichen Kontakt ausgeführt werden. Wegen der Entfernung und anderen Gründen bestehen die Pasrteien jedoch auf einer Online-Mediation.


Auch hier muss der Mediator prüfen, ob eine Online-Mediation ein mögliches Format darstellt und ob er in der Lage ist die Mediation in diesem Format durchzuführen. Er muss die Parteien auf die möglichen Schwierigkeiten und Anforderungen hinweisen, um mit ihnen zusammen zu entscheiden, wie vorzugehen ist. Unterlässt der Mediator die Hinweise, die zur korrekten Wahl des gebotenen Formates führen, kann es sich um einen Mediationsfehler handeln.

Zusammenstellung der Formate

Nachfolgend eine nicht enumerative Zusammenstellung mit dem Versuch, die Formate in Gruppen einzuteilen:

Unterscheidung nach dem Formalisierungsgrad
Beispiele sind Reine Mediation, Integrierte Mediation, Faktische Mediation, Gesetzliche Mediation (Mediation iSd Mediationsgesetzes), institutionalisierte Mediation
Unterscheidung nach Personen
Beispiele sind Einzelmediation, Co-Mediation, Team-Mediation, Großmediation, Parteimediation
Unterscheidung nach dem Berufsstatus
Beispiele sind Peer-Mediation, Anwaltsmediation, Güterichterverhandlung
Unterscheidung nach dem Verfahrensbezug
Beispiele sind Gerichtsmediation, verfahrensintegrierte Mediation, außergerichtliche Mediation, Täter-Opfer-Ausgleich, Restorative Justice, Kooperative Praxis
Unterscheidung nach dem Zugang
Beispiele sind Donatormediation, mandatory Mediation, Ad-Hoc Mediation, institutionalisierte Mediation
Unterscheidung nach der Durchführung
Beispiele sind Shuttle-Mediation, telefonische Shuttle-Mediation, Telefonmediation, Online-Mediation, Mobile-Mediation, Hybrid-Mediation
Unterscheidung nach der Vorgehensweise
Beispiele sind Kurzmediation, Narrative Mediation, Perspektiven-Reflexive Mediation, Scrivener-Mediation, integrierte Mediation
Unterscheidung nach dem Gegenstand
Diese Fälle sind zu unterscheiden von den Fachmediationen. Beispiele sind forensiche Mediation, Vertragsmediation
Unterscheidung nach dem Hintergrund
Beispiele sind interkulturelle Mediation, internationale Mediation

Systematische Erfassung

Wiki to Yes versucht, alle Mediationsvarianten und -erscheinungsformen zu erfassen und der Mediationssystematik zuzuordnen. Um auch den Mediationsformaten auf den Grund gehen zu können, enthält die Datenbank folgende Einträge, die unter der Kategorie "Mediationsformat" erfasst werden:

BezeichnungBeschreibung Mediationssystematik
Ad-Hoc MediationDie Ad-Hoc Mediation grenzt sich zur institutionalisierten Mediation ab. Analog der Ad hoc Arbitration sind darunter Mediationen zu verstehen, die nicht über Organisationen oder Institutionen verwaltet werden. Meist wird der Mediator in diesen Fällen von den Medianden direkt beauftragt und nicht von einer Institution vermittelt.Mediationsformat
AuftragsmediationenMediationen, die auf einem Auftrag i.S.d. BGB und nicht auf einem Dienstvertrag beruhen.Mediationsformat
AusbildungsmediationenMediationen, die noch im Rahmen der Ausbildung durchgeführt werden.Mediationsformat
Binding MediationMediation mit verpflichtendem Ausgang. Es ist zu prüfen, ob die Bindungen mit dem Grundsatz der Freiwilligkeit einhergehen und ob es sich überhaupt noch um eine Mediation handelt.Mediationsformat
Co-Integrative MediationDer Begriff wurde von Neuert eingeführt und meint wohl eine Interpretation der Integrierten Mediation bzw. der gerichtsintegrierten MediationMediationsformat
Co-MediationDie Mediation wird von zwei Mediatoren durchgeführt. Der Co-Mediator soll das Gesichtsfeld des Mediators oder den Wissenshintergrund erweitern. Sinnvoll sind Kombinationen männlicher und weiblicher Mediator, Jurist und Psychologe, Laie und Experte usw. Die Co-Mediation wird auch als Trainingsmodell verwendet, wenn ein Anfänger mit einem erfahrenen Mediator zusammenarbeitet. Welche Rolle der Cop-Mediator einnimmt, bedarf der Vereinbarung. Das gleiche gilt für deren Rechtsbeziehung.Mediationsformat
computergestützte MediationSiehe digitale MediationMediationsformat
Court annexed MediationSiehe gerichtsnahe Mediation. Die Mediation findet parallel neben einem Gerichtsverfahren statt. Das Gericht verweist in eine Mediation.Mediationsformat
digitale MediationDie Onlinemediation ist nur ein Beispiel, wie die Technik die Durchführung von Mediationen unterstützen kann. Schon das Versenden von e-Mails, die Verwendung von Berechnungshilfen und Datenbanken, das Führen elektronischer Akten deuten an, dass die digitale Technik auch in der Mediation genutzt wird. Mit dem Begriff der digitalen Mediation ist eigentlich die computergestützte Mediation gemeint. Sie bezeichnet Mediationen, bei denen die digitale Technik aktiv dem Zugriff der Parteien zur Verfügung gestellt und zur Fallbearbeitung genutzt wird.Mediationsformat
DistanzmediationMediation bei der Entfernungen zu überwinden sind oder mit der Distanz herzustellen ist, um die Kommunikation zu ermöglichen.Mediationsformat
DonatormediationDie Donatormediation ist der Sammelbegriff für gestiftete Mediationen. Das markante Kriterium ist das Auseinanderfallen von Vertrags- und Prozessparteien. Die Kosten der Mediation werden von einem Auftraggeber übernommen, der nicht als Mediand in Erscheinung tritt. Für den Mediator kommt es darauf an, dass er auch dem Donator gegenüber seine Unabhängigkeit und die Vertraulichkeit der Mediation bewahrt .Mediationsformat
e-MediationDer Begriff bezeichnet die Anwendung jeglicher Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) auf den Mediationsprozess online oder über eine andere Technologie.Mediationsformat
Ethno-MediationEine Mediation, die kulturell geprägte Formen und Herangehensweisen der Konfliktbeilegung anderer Ethnien in sich aufnimmt. Die Ethno-Mediation wird als ein Unterfall der interkulturellen Mediation verstanden.Mediationsformat, Mediationsfeld
formelle Mediation Der Begriff der formellen oder förmlichen Mediation wird synonym mit der reinen Mediation verwendet und meint alle Mediationen, die in einem eigenständigen Verfahren mit einem nicht entscheidungsbefugten Dritten durchgeführt werden. Die genaue Abgrenzung ergibt sich aus dem Mediationsradius. Sie auch Mediationssystematik.Mediationsformat
förmliche MediationSiehe formelle MediationMediationsformat
gerichtsintegrierte MediationDas ist der Ursprung der integrierten Mediation. Techniken und Methoden der Mediation werden innerhalb eines Gerichtsverfahrens verwendet. Die gerichtsintegrierte Mediation ist wie die verfahrensintegrierte Mediation ein Anwendungsformat der integrierten Mediation.Mediationsformat
gerichtsnahe MediationDie Mediation findet außerhalb des Gerichts aber mit Unterstützung des Richters (auf dessen Empfehlung) statt.Mediationsformat
gesetzliche Mediation

Mediation i.S.d. Mediationsgesetzes.
Der Begriff weist auf die unterschiedlichen Mediationsradien hin. Ein Güterichterverfahren zB ist keine Mediation in diesem Sinne

Mediationsformat
GroßgruppenmediationMediation in großen Gruppen.Mediationsformat
GroßmediationMediation bei großen Beteiligungsgruppen. Siehe Umweltmediation, politische MediationMediationsformat
GruppenmediationMediation in und mit Gruppen.Mediationsformat
Ho’oponoponoDas Ziel der hawaiianischen Mediation ist die Wiederherstellung der Beziehungen in der Familie und der Gemeinschaft. Im Grunde geht es um ein Versöhnungsritiual. In Amerika wird es als Hawaiian Mediation bezeichnet.Mediationsformat
Hybrid-MediationDer Begriff wird verwendet wenn eine Mediation als Präsenzmediation kombiniert mit virtuellen Begegnungen, also einer online Mediation, ausgeführt wird.Mediationsformat
Institutionalisierte MediationDer Begriff grenzt sich von der Ad-Hoc Mediation ab. Gemeint sind diejenigen Fälle, bei denen die Medianden die Dienste einer Mediatorenorganisation etwa zur Vermittlung eines Mediators in Anspruch nehmen. Der Vorteil institutionali-sierter Mediationen mag in der vorherigen Berechenbarkeit und Transparenz gesehen werden. Ihr Nachteil indes ist die damit einhergehende Generalisierung und die institutionelle Ausrichtung eines individuellen Verfahrens. Verfahrensbezogene Vorgaben sind bei hoheitlich ausge-richteten Verfahren ohne weiteres möglich. Sie lassen sich nicht ohne weiteres auf die Mediation als ein privat-rechtlich zu organisierendes Verfahren übertragen. Wel-che Gefahren mit einer Institutionalisierung der Mediation verbunden sind, zeigen die Ausführungen zur Media-tionsordnung.Mediationsformat
interkulturelle MediationMediation bei Beteiligung von Medianden aus unterschiedlichen KulturenMediationsformat, Mediationsfeld
internationale MediationEine Mediation, in der ein Element einen Auslandsbezug hat. Die internationale Mediation ist von der CBM-alt zu unterscheiden.Mediationsformat, Mediationsfeld
klassische MediationDer Begriff der klassischen Mediation wurde mit der Begründung zum Mediationsgesetz eingeführt und synonym mit der reinen oder der förmlichen Mediation verwendet. Die genaue Abgrenzung ergibt sich aus dem MediationsradiusMediationsformat
KurzmediationDie Kurzmediation ist eine reine Mediation unter zeitlichem Limit. Hier werden die Phasen proportional auf den zuvor vereinbarten Zeitrahmen verteilt. Der Mediator erinnert die Medianden an die Einhaltung der Zeitvorgaben.Mediationsformat
mandatory MediationMandatory Mediation ist eine verpflichtete Mediation. Eine Verpflichtung kann sich auch aus einer Mediationsklausel ergeben.Mediationsformat
Mediation im öffentlichen BereichMediation bei Fragen der Raumordnung oder sonstiger Fragen mit politischem Bezug im öff. BereichMediationsformat, Mediationsfeld
Mediation mit StellvertretungSiehe Stellvertretermediation und ParteienMediationsformat
MediationsformatMediationsformate sind von den Mediationsmodellen, den Fachmeditationen und den Mediationsstilen zu unterscheiden. Die Mediationsformen beschreiben die äußere Erscheinungsform der Mediation. Die Mediationsform bildet einen Oberbegriff, unter dem sich Mediationszuschnitte (Mediationsformate) erfassen lassen. Es geht um die Frage, wie die Mediation gestaltet wird.Mediationsformat
MediationsverfahrenGemeint ist eine Mediation i.S.d. Mediationsgesetzes. Obwohl der Begriff ein Pleonasmus ist, hat er sich in der Fachwelt etabliert und wird wie ein Fachbegriff verwendet.Mediationsformat
Online-MediationDie Online-Mediation etabliert sich mehr und mehr unter dem Begriff der ODR. Die EU hat die ODR inzwischen in den Verbraucherstreitigkeiten etabliert. Die dementsprechende Richtlinie liegt bereits vor. Bei der ODR wird die Mediation mit technischen und elektronischen Hilfsmitteln durchgeführt. Zu unterscheiden sind die asynchrone und die synchrone Online-Mediation. Die asynchrone Online-Mediation verwendet E-Mails als wesentliches Werkzeug, während die synchrone Online Me-diation Chats und Videokonferenzen einsetzt . Die Online-Mediation ist eine Anwendungsform der CBM (Cross Border Mediation)Mediationsformat
ParteimediationDie Streitparteien sind mit den Medianden identisch.Mediationsformat
PendelmediationSiehe Shuttle-MediationMediationsformat
Perspektiven-Reflexive MediationDas perspektiven-reflexive Modell interkultureller Mediation beschreibt, wie der Mediator die Eindrücke unterschiedlicher kultureller Prägungen von Arbeits- und Kommunikationsstilen thematisieren und reflektieren kann. Kriegel-Schmidt weist 5 Perspektiven aus, die bei der interkulturellen Mediation zu beachten sind : sprachliche Besonderheiten, Handlungsorientierungen, kulturalisierende Zuschreibungen, Auswirkungen von angenommener Unter- bzw. Überlegenheit.Mediationsformat
Pre-MediationKonfliktvermeidende MediationMediationsformat
Shuttle-MediationDie Shuttle-Mediation wird auch Pendelmediation genannt. Die Medianden halten sich in verschiedenen Räumen auf. Der Mediator führt getrennte (Einzel-)Gespräche 800 mit jedem Medianden und wechselt dabei von Raum zu Raum. Im angelsächsischen Raum sind Caucus und Shuttle-Mediationen nicht unüblich. In Deutschland gelten sie eher als unprofessionell. Keinesfalls eignet sich das Format einer Shuttle-Mediation für eine transformative Mediation.Mediationsformat
ShuttlemediationSiehe Shuttle-MediationMediationsformat
Team-MediationDie Mediation wird von mehreren Mediatoren durchgeführt. Wie bei der Co-Mediation wird es als ein Mediationsfehler anzusehen sein, wenn der Mediator keine Teammediatoren einsetzt.Mediationsformat
TelefonmediationMediation wird ganz oder teilweise per Telefon durchgeführtMediationsformat
UmweltmediationMediation im Bereich der öffentlichen VerwaltungMediationsformat, Mediationsfeld
verfahrensintegrierte MediationVerwendung der Methode der Mediation innerhalb anderer Verfahren. Die verfahrensintegrierte Mediation ist ein Anwendungsformat der integrierten Mediation.Mediationsformat

Es ist nicht immer leicht, die zu erfassende Mediationsvariante korrekt in die Systematik einzuordnen, zumal es gerade in Bezug auf die Mediationsformate begriffliche Überschneidungen und synonyme Verwendungen gibt. Eine vollständige Übersicht finden Sie im Mediationsverzeichnis.

Mediationsverzeichnis

Bedeutung für die Mediation

Die Wahl des optimalen Formates ist ein Qualitätsmerkmal. Ähnlich wie beim Setting werden Rahmenbedingungen gesetzt, die es dem Mediator und den Parteien leichter machen, den Gedankengang der Mediation zu vollziehen und die zur Lösung führenden Erkenntnisse zu gewinnen.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.

Bearbeitungsstand: 2022-07-25 17:01 / Version 52.

Alias: Mediationsformate, Mediationsformat , Mediationsform


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