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Der nachfolgende Beitrag beschreibt eine Mediationstechnik. Die Techniken werden als Werkzeuge erfasst. Sie müssen einer Methode zugeordnet werden. Bitte informieren Sie sich über die Werkzeugsystematik. Details zum konkreten Werkzeug finden Sie im Datenbankeintrag. Werkzeuge helfen bei der Verwirklichung der Mediation. Es ist also wichtig, sie im Einzelnen zu kennen und korrekt anzuwenden.

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Die Vorstellungsrunde in der Mediation

Es macht Sinn, sich zu begrüßen, wenn man sich begegnet. In der Mediation fällt die Begrüßung meist in die Phase eins und ist Teil der Initialisierung. Schon mit der Art und Weise, wie die Vorstellung von statten geht, werden Weichen gestellt, die den weiteren Verlauf der Mediation beeinflussen.

Wer stellt sich vor?

Bei Meditationen mit nur zwei Parteien ist meist von vornherein klar, wer wer ist. Es genügt eine Begrüßung. Anders sieht es aus wenn mehrere Personen an der Mediation teilnehmen. Dann dient die Vorstellung dazu sich zu identifizieren, die Rolle in der Mediation abzuklären und gegebenenfalls schon die ersten Schritte auf den Konflikt zuzugehen. Von einer Vorstellungsrunde ist also die Rede wenn es sich um eine mehr Parteien Mediation oder um eine Gruppenmediation handelt.

Wie erfolgt die Vorstellung?

Die Vorstellungsrunde wird von der Begrüßung unterschieden. Der Mediator oder die Mediatorin fordert die Parteien auf sich vorzustellen, damit klar wird wer mit wem was zu tun hat. Das Vorstellungsprocedere kann wie folgt gestaltet werden:

  1. freie Vorstellungsrunde:Der Mediator fordert die Parteien auf sich vorzustellen. Er gibt keine weitere Hinweise wie das zu erfolgen hat und sagt doch nicht in welcher Reihenfolge die Vorstellung abzuwickeln ist. Diese Vorstellungsvariante lässt zwar Schlüsse zu (wer anfängt zeigt seine Dominanz oder Betroffenheit). Sie riskiert jedoch, dass die Vorstellung entweder sehr kurz oder sehr lang ausfällt und nicht die Informationen einbringt, die für das weitere Procedere sinnvoll sind.
  2. Partnerinerview: beim Partnerinterview werden die Parteien aufgefordert den Raum wieder zu verlassen und sich in Zweiergruppen wechselseitig vorzustellen. Auch hier gibt. eskeine weiteren Anleitungen. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Parteien bei dieser Vorstellungsvariante eher persönliche Informationen austauschen. Jede Partei erhält Gelegenheit sich 5 Minuten den Gesprächspartner gegenüber zu erklären. Dann wechseln die Gesprächspartner ihre Rollen, sodass der der zunächst zugehört hat danach an der Reihe ist sich selber vorzustellen. Nach etwa 10 Minuten werden die Parteien wieder in den Raum gerufen. Jetzt wird der Gesprächspartner dazu gehört hat aufgefordert, den Gesprächspartner der sich vorgestellt hat vorzustellen. Diese Vorstellungsvariante ist deshalb spannend und witzig, weil viel Persönliches offenbart wird und weil die Diskrepanz zwischen dem was der Zuhörer verstanden hat und der Person die sich vorgestellt hat sichtbar wird. In einer Mediation, wo die Parteien sich untereinander bereits kennen und Teil einer konfliktbelasteten Gruppe sind, ist diese Variante nicht unbedingt zielführend.
  3. geführte Vorstellungsrunde: bei der geführten Vorstellung werden den Parteien Vorgaben gemacht. Die Vorgaben betreffen die Reihenfolge der Vorstellungen und Fragen, die bei der Vorstellung zu beantworten sind. Ob eine Reihenfolge vorgegeben wird (etwa von links nach rechts) hängt von den Begebenheiten ab. In keinem Fall sollte der Mediator punktuell Teilnehmer auffordern, sich vorzustellen. Wenn es den Parteien überlässt sollte er fragen, wer sich als erster vorstellen möchte. Die vorgegebenen Fragen sind wohlüberlegt und führen indirekt bereits in das Konfliktgeschehen ein. Es sollte sich nicht um mehr als fünf Fragen handeln. Die erste Frage betrifft den Namen. Die zweite hinterfragt die Position oder die Rolle in der Mediation. Die dritte Frage erkundigt sich gegebenenfalls nach der Funktion (wenn es sich z.B. um eine Unternehmensmediation handelt), die vierte interessiert sich für die Erwartungen an die Mediation. Die fünfte Frage soll auflockern.

Anmerkungen und Hinweise

Es empfiehlt sich, dass der Mediator oder die Mediatorin sich als letzter vorstellt und die gleichen Fragen beantwortet. Damit wird verhindert, dass der Mediator die Art und Weise der Vorstellung beeinflusst, sodass sich die Teilnehmer daran orientieren. Auch wird zum Ausdruck gebracht, dass der Mediator sich auf gleicher Augenhöhe mit den Teilnehmern an der Mediation sieht und sich den gleichen Regeln unterwirft.

Die Frage nach den Erwartungen an die Mediation oder das Gespräch wird der nachfolgenden Zielvereinbarung zugrunde gelegt. Die Positionierung der Vorstellungsrunde innerhalb der Mediation ergibt sich aus der Ablaufbeschreibung bzw. den Hinweisen zur Phase eins.

Bitte beachten Sie, dass die Vorstellung keine Selbstdarstellung ist. Der Mediator wird sich für die Identifikation der Partei nur insoweit interessieren, als sie mit dem Konfliktgeschehen oder der Mediation in Verbindung steht. Er wird also gegebenenfalls und soweit das in diesem Moment schon möglich ist, die Rolle abklären, die die Partei oder der Teilnehmer in der Mediation wahrzunehmen hat.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2022-06-11 05:16 / Version 9.

Siehe auch: Werkzeuge, Zusammenstellung, Technikenverzeichnis
Prüfvermerk: -


Based on work by Arthur Trossen
Seite zuletzt geändert am Donnerstag Februar 22, 2024 03:13:34 CET.

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