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Gefahren und Chancen des Denkens

Sicherlich kann der Mensch logisch denken. Er kann auch dialektisch denken. Eigentlich aber denkt er assoziativ. Wir wollen uns in diesem Kapitel mit dem Denken auseinandersetzen, soweit es für die Mediation relevant ist. Wir beginnen mit typischen Denkfehlern, um uns dann mit den Arten des Denkens und ihrer Relevanz für die Mediation auseinanderzusetzen.




Wer weiß was?
Klares Denken vermeidet Konflikte


Ein wichtiger Grundsatz in der Mediation zeigt, wortauf es ankommt. Die Parteien sollen die Lösung finden. Also müssen Sie denken. Die Mediation und mit ihr der Mediator müssen ihnen lediglich das Denken ermöglichen, das zur Lösung führt. Der Mediator muss also wissen was und wie zu denken ist, damit sich das Ziel der Mediation herstellt.

Was wie zu denken ist

Das Denken beschreibt die menschliche Fähigkeit des Erkennens und Urteilens. Dabei spielt der Verstand eine wichtige Rolle. Grundsätzlich geht das der Mediation zugrunde liegende Menschenbild davon aus, dass der Mensch selbst in der Lage ist, Lösungen zu erdenken und Probleme zu lösen. Im Konflikt allerdings, ist diese Fähigkeit eingeschränkt. Denken erfordert Ruhe. Es kostet viel Energie. Die Gedankenn dürfen nicht eingeengt sein, wenn sie über ein Problem und nicht im Problem denken. Kurz gesagt: Stress verhindert das Denken (oder erschwert es zumindest). Die Einschränkung ist durchaus zum Schutz des Menschen angelegt. Der Schutz verfehlt in einer komplexen Gesellschaft und in der modernen Welt allerdings seine Wirkung.

Beispiel 11584 - Stellen Sie sich vor, Sie sind in einer gefährlichen Situation. Sie gehen durch eine dunke Straße. Plötzlich gibt es einen Knall. Es könnte ein Schuss oder eine Explosion sein oder sonst etwas. Wenn Sie statt wegzulaufen jetzt lange nachdenken, was das für ein Geräusch war, könnte es für einne Flucht zu spät sein. Ein reflektives, analytisches Denken könnte Sie in Gefahr bringen. Deshalb ist es wichtiger (ggfalls inntuitiv) zu handeln, als lange darüber nachzudenken, was zu tun ist.


Das Beispiel zeigt, dass ein reflektives Denken nur in bestimmten Situationen möglich und sinnvoll ist. Denken erfordert nicht nur Ruhe, sondern auch eine gedankliche Freiheit. Diese Freiheit findet sich selten auf der von Zwängen bestimmten operativen Ebene. Sie wird jedoch auf einer davon abgelösten Metaebene zur Verfügung gestellt. Leider führt der Konflikt in ein Denken hinein, dass diese Ebene verkürzt, wenn sie (problembezogen) überhaupt zur Verfügung steht. Es ist demnach die Aufgabe der Mediation und mit ihr des Mediators, den Weg der Gedanken für die Parteien zu öffnen. Um diese Aufgabe zu erfüllen, muss der Mediator mit den Denkprozessen vertraut sein. Er muss wiessen, wie die Mediation das Denken beflügelt und was die Parteien davon abhält, die Gedanken an sich heranzulassen und den gedanklichen Weg der Mediation zu vollziehen.

Denkfehler

Denkfehler werden in der Psychologie auch unter dem Sammelbegriff kognitive Verzerrung (cognitive bias oder cognitive illusions) zusammengefasst. Gemeint sind systematische, fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Sie bleiben meist unbewusst und basieren auf kognitiven Schlussfolgerungen unseres Gehirns.1 Solche Denkfehler passieren ständig. Der Mensch ist eben kein rational denkendes Wesen.2 Leider verzichten wir darauf, jeden unserer Schritte rational nach seinem Nutzen abzuwägen.3 Wenn die Mediation ein Verstehensprozess ist, spielen Denkfehler eine wichtige Rolle, weil sie vom Verständnis der Realität ablenken.

Typische Denkfehler

Die nachfolgende Auflistung einiger Denkfehler soll nur einen Eindruck hinterlassen. Sie ergänzen das Verzeichnis der speziell in der Mediation zu beachtenden, die Lösungsfindung verhindernden Denkfehler:4

Alles oder Nichts-Denken

Das Denken erfolgt vornehmlich in nur zwei entscheidungsrelevanten Kategorien: ja oder nein, richtig oder falsch, Gewinner oder Verlierer. Grautöne werden unterdrückt, Zwischenlösungen werden ausgeblendet.
Auflösung: Widerspruch akzeptieren und Grauzonen (andere Lösungen) ausloten

Assoziationenfalle

Das menschliche Gehirn verknüpft auch unzusammenhängende Informationen miteinander (eben mit Assoziationen)
Auflösung: Kriterien für eine Beurteilung hinterfragen und zusammenstellen

Barnum-Effekt
Menschen neigen dazu, In formationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigene Vorstelklungswelt bestätigen.
Confirmation Bias
Menschen neigen dazu, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu empfinden.
Dunning-Kruger-Effekt

Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt, wie inkompetente Menschen gerade wegen ihrer Inkompetenz nicht in der Lage sind, ihre Inkompetenz zu begreifen.1
Auflösung: Vorsichtiges Feedback, Coping-Fragen, Mäeutik

Es wird immer erst schlimmer

Der Mensch neigt zu negativen Prognosen (dass etwas ganz Schlimmes passieren wird), auch wenn es dafür keinen Anhaltspunkt gibt. Man will ja Schaden verhindern, also wird die Gefahr fokussiert und manchmal auch herbeigedacht.
Auflösung: Vorsicht mit Prognosen (Woher wissen Sie das?)

fundamentaler Attributionsfehler

Der fundamentale Attributionsfehler beschreibt das Phänomen, dass der Beobachtende das was er beobachtet der Person oder dem Objekt stets als Eigenschaft zuschreibt.

{EXAMPLE()}Attributionsfehler: Ein Passagier beobachtet wie ein Punker im Bus eine alte Dame anrempelt. So ein Flegel wird er denken. Flegel ist eine vermutete Eigenschaft der beobachteten Person. Die Umstände, warum, es zum Anrempeln gekommen ist, verschließen sich der Wahrnehmung{EXAMPLE}

Gedankenlesen

Viele Menschen neigen dazu, in den Köpfen anderer zu Denken. Sie agieren in der Erwartung einer Reaktion, die sie anderen zutrauen, ohne wirklich zu wissen, was den anderen Menschen bewegt, der möglicherweise auch nur auf das Verhalten seines Gegenübers reagiert.
Auflösung: Im eigenen Kopf denken

Gefühlsdenken

Der Mensch neigt dazu, Gefühle als Beweis und Meinungen als Fakten anzunehmen
Auflösung: Unterscheidung Fakten, Meinungen, Emotionen

Halo Effekt

Der Halo-Effekt (von englisch halo, Heiligenschein) bewirkt eine kognitive Verzerrung, indem von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften geschlossen wird. Bei dem Halo Effekt verzerrt eine einzelne Qualität das Gesamtbild optional positiv oder negativ. Der Halo-Effekt korresponidert mit dem fundamentale Attributionsfehler, wenn der Handelnde seine Wahrnehmung nicht auf seine Eigenschaft, aber auf die Situation zuschreibt, die ihn stets entlastet.

{EXAMPLE()}Halo-Effekt: Der Punker in dem vorangegangenen Beispiel wird sagen: §Als ich in den Bus einstieg, bin ich gestolpert und habe eine alte Frau angerempelt, die im Weg rumstand"{EXAMPLE}

Bei dem Halo Effekt verzerrt eine einzelne Qualität das Gesamtbild optional positiv oder negativ.
Auflösung: Bewertungen einzeln prüfen

Hochstapler-Syndrom

Das Hochstapler-Syndrom beschreibt das Phänomen, dass besonders kompetente Menschen ihre Fähigkeiten ständig unterschätzen. Sie glauben nicht an den eigenen Erfolg. Ein Symptom könnte sein, dass sie den Erfolg ständig nach vorne stellen. Mehr um sich, als andere zu überzeugen.

Auflösung: Vorsichtiges Feedback, Coping-Fragen, Mäeutik

Overconfidence-Effekt

Menschen überschätzen ihre Fähigkeit exakte Prognosen zu geben um ein Vielfaches
Auflösung: Prognosen vermeiden oder zumindest deren Grundlagen hinterfragen

Personalisieren

Der Mensch neigt dazu, äußere Ereignisse auf sich selbst zu beziehen. Er höht den Appell, nicht die Ich-Botschaft.
Auflösung: Auf die Ich-Botschaften achten!

Plentitudo-Effekt
Der Mensch neigt dazu, das Wahrgenommene als vollständig anzunehmen. Vielen Menschen ist deshalb nicht bewusst, dass das was sie wahrnehmen nur ein perspektivischer Teil der Wahrnehmbarkeit ist. Den Effekt beschreibt Trossen aus der Erfahrung mit Medianden, die immer wieder verblüfft sind, wenn ihnen bewusst wird, dass ihre Wahrnehmung nur einen kleinen Teil der Realität erfassen kann.
Primäreffekt
Der Primär- oder primacy effect bezeichnet den Eindruck, den man von einer Person gewinnt, wenn man sie zum ersten Mal sieht. Es handelt sich um ein psychologisches Gedächtnisphänomen. Der Primäreffekt besagt, dass man sich an früher eingehende Information besser erinnert wird als später eingehende Information.Wenn die Erstinformation nocht nicht mit anderen gespeicherten Informationen abgeglichen werden kann, geht sie besser ins Langzeitgedächtnis über und kann später nicht mehr so leicht überschrieben werden.1
Projektion

Darunter versteht man die Tendenz, Personen, die einem ähnlich sind, positiver einzuschätzen als andere Personen.1 In der Psychoanalyse wird darunter ein Abwehrmechanismus verstanden. Innerpsychische Inhalte oder ein innerpsychischer Konflikt wird durch die Abbildung eigener Emotionen, Affekte, Wünsche, Impulse und Eigenschaften aufg eine andere Person übertragen. Die Projektion vermeidet die Auseinandersetzung mit sich selbst.2 Der Primäreffekt ist vom Priming-Effekt zu unterscheiden.3
Auflösung: Der Gedanke "Was ich bei anderen nicht mag, kann ich selbst viel besser" hilft Projektionen zu erkennen.

Rezenzeffekt
Darunter versteht man die Tendenz, kürzlich stattgefunden Ereignissen ein stärkeres Gewicht zu verleihen, als weiter zurückliegende Ereignisse{FOOTNOTE}Zitat aus https://beodok.fandom.com/de/wiki/Wahrnehmungsfehler {FOOTNOTE}.
Rollenzuschreibung
Der Mensch wird an den Merkmalen gemessen, die seiner sozialen Rolle zugeschrieben werden.
Selbstwertdienliche Verzerrung

Auch self-serving bias genannt, beschreibt die Wahrnehmungsverzerrung, mit der Erfolge stets einem inneren Tatbestand oder einer eigenen Kompetenz zugeschrieben werden. Negative Ergebnisse werden hingegen einem äußeren Tatbestand oder Ereignis zugeschrieben.
Auflösung: Faktenrelativierung und Coping-Fragen

Simplifizieren

Die Simplifizierung Ist phänomenologisch mit der selektiven Wahrnehmung zu vergleichen. Beide Phänomene bewirken ein relatives Denken. Der Mensch neigt dazu, nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme zu suchen, um den Alltag besser bewältigen zu können. Er orientiert seine Entscheidung an dem, was er als Konstante ausmacht. Die Entscheidung bezieht sich auf das, was man im Blick hat. Gleiches lässt sich besser mit Gleichem vergleichen, weshalb Ungleiches gerne ausgeblendet wird. Die Komplexität wird reduziert.
Auflösung: Sich der Komplexität stellen

Social Loafing

Das "soziale Faulenzen" erlaubt es Einzelnen in einer Gruppe nicht ihre beste Leistung zu bringen weil das nicht auffallen würde. Je größer die Gruppe ist desto mehr nimmt die Leistung des Einzelnen ab.
Auflösung: Arbeitsteilung mit spezifizierter Verantwortung (so dass es auffällt, wenn einer nicht die gewünschte Leistung erbringt)

Social Proof

Das Denken sucht nach Orientierung. Es unterscheidet dabei nicht welcher Qualität die Orientierung ist. Ein Vorurteil genügt oder die Vorstellung, dass Millionen Menschen sich nicht irren können. Machen wir uns klar, dass bereits diese Annahme ein Irrtum ist? Wenn Viele etwas tun, wird es deshalb nicht richtiger.
Auflösung:

Überaktivität

Menschen tun die bei irgendwas als nicht selbst wenn sie gar keine Ahnung haben.
Auflösung: Zurückhaltung bis die (ganze) Lage erkannt ist

Verlustaversion

Emotional verstanden wirkt ein Verlust 2 mal stärker als ein Gewinn.
Auflösung: Verluste akzeptieren, indem die Chancen gesehen werden

Verantwortungsdiffusion

Weil die Verantwortung in einer Gruppe geteilt wird, kann der Einzelne Verantwortung zurücknehmen. Andererseits wirkt das Risk Shift. Er wird in seinen Entscheidungen riskanter, weil er die Konsequenzen nicht alleine tragen muss.
Auflösung: Verantwortlichkeit festlegen

Zufriedenheitshamsterrad

Das Hamsterrad beschreibt, dass man immer wieder einen neuen Impuls an Glück oder Unglück braucht, sonst verpufft jede Zufriedenheit oder Unzufriedenheit.
Auflösung: Routine vermeiden


Erforscht sind etwa 120 Denkfehler. Es gibt aber sicherlich noch mehr und es gibt auch eine Überschneidung zu den Wahrnehmungsphänomenen, die das Denken in die Irre leiten.

Dieses Video zeigt den Beitrag von Rolf Dobelli über Denkfehler und die Grenzen des Wissens.

Dobelli stellt in dem Interview heraus, dass ein Denkfehler eine systematische Abweichung vom rationalen Denken sei. Das Wort systematisch sei wichtig. Die Denkfehler zeigen, in welcher Hinsicht falsch gedacht wird. Das falsche Denken geschieht nicht zufällig. Dahinter verbirgt sich eine gewisse Gesetzmäßigkeit. Menschen tendieren beispielsweise dazu, das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen aber niemals zu unterschätzen. Also ist bekannt, in welche Richtung falsch gedacht wird. Mit diesem Wissen über den Denkfehler ist es möglich, steuernd eingreifen.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Eintrag im Videoverzeichnis erfasst unter Denkfehler und die Grenzen des Wissens

Erkennbarkeit

Alle zuvor vorgestellten Denkfehler haben grundsätzlich ihr Gutes. Sie erlauben ein schnelles, intuitives Handeln. Was wäre, wenn wir alles in Frage stellen und pausenlos über alles nachdenken müssten? Die Handluingsfähigkeit wäre eingeschränkt. Allerdings führen die Denk- und Wahrnehmungsfehler regelmäßig auch zu Fehleinschätzungen. Daraus ergeben sich Standpunkte, die im Streit daran hindern, Übereinstimmungen zu finden. Der Mediator sollte ein Bewusstsein für Denkfehler haben, sodass die Parteien eine realistische Basis für ihre Entscheidungen finden können.

Mediation erwartet Klarheit. Dazu gehört ein präziser Umgang mit Informationen, eine kalibrierte Terminologie und deren Qualifikation durch Metainformationen. Die Mediation stellt nicht nur Techniken zur Verfügung, mit denen sich Denkfehler eliminieren lassen.5 Sie organisiert den Prozess vielmehr in einer Art und Weise, dass gedankliche Hindernisse, die der Lösung im Wege stehen, eliminiert werden.

Wie die Mediation Lösungshindernisse aus dem Weg räumt

Komplexität

Wir denken im Gehirn und dort meistens in der Großhirnrinde.6 Tatsächlich sind an einem einzelnen Denkvorgang Milliarden von Nervenzellen, die sogenannten Neuronen, beteiligt. Ein Gedanke verstreut sich immer gleichzeitig auf das ganze Gehirn. Um einen Gedanken entstehen zu lassen, ist der Austausch zwischen den Neuronen entscheidend. Die Verbindung wird durch die Synapsen hergestellt. Die Denkleistung hängt schließlich von der neuronalen Vernetzung ab. Dabei hinterlässt jeder einzelne Gedanke ein eigenes, unverwechselbares Muster und eine Art Fingerabdruck im Gehirn.7 Das Gehirn organsiert sich selbst. Es gibt kein übergeordnetes Kontrollsystem. Die im Leben gemachten Erfahrungen neuronal integriert.8 Dieses Konzept ermöglicht nicht nur die Lernfähigkeit. Es bildet auch Muster heraus, die als gelernt nicht mehr in Frage gestellt werden. In der Mediation kommt es dashalb darauf an, neue gedankliche Erfahrungen zu vermitteln, damit sich die Synapsen anpassen können und die festgefahrenen Muster korrigieren lassen.

Wie die Mediation ein Verstehen ermöglicht

Kontext

Das Denken versucht die Komplexität zu bewältigen.9 Schon deshalb kann es kein isolierter Vorgang sein. Es stellt immer einen Bezug zur Umwelt her. Deshalb nimmt der Kontext, in dem das Denken stattfindet, stets eine wichtige Rolle ein. Er beeinflusst die Art und Weise wie wir denken. Das geschieht oft ganz unbewusst. Wenn wir uns beispielsweise in einer Konfrontation befinden, wird alles, was wir wahrnehmen, auf die konfrontative Situation bezogen und unter diesem Aspekt interpretiert. Deshalb ist es nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich, dass ein Kooperationsangebot innerhalb einer Konfrontation Misstrauen auslöst, wenn es einem überhaupt in den Sinn kommt. Das Denken wird durch die Konfrontation geprägt. Dieser Kontext legt es nahe, in dem Kooperationsangebot eine List zu erkennen. Das Angebot wird ignoriert.

Beispiel 11961 - Stellen Sie sich ein außerordentlich kämpferisches Schachspiel vor. Es geht ums Ganze. Plötzlich macht der Gegner den wohlgemeinten Vorschlag: "Setz doch die Dame mal auf C7". Was wird der Gegenspieler tun? Wird er das Kooperationsangebot annehmen? Wird er den Vorschlag als solches überhaupt erkennen können?


Wenn es der freundliche Schachspieler erreichen will, dass der Gegner kooperiert, muss er das Spiel ändern. Anders ausgedrückt, er muss den Kontext wechseln, aus dem heraus seine Handlung bewertet wird.

Einfluss der Strategien

Der Kontext wird auch biologisch und psychologisch vorgegeben. Das ist der unausweichlich natürliche Kontext, in dem unser Denken stattfindet. Unser Gehirn hat die Aufgabe, uns am Leben zu halten. Deshalb ist es für negative Nachrichten besonders empfänglich. Sie sind wichtiger als positive Nachrichten, weil sie eine Gefahr bedeuten können, vor der wir uns schützen müssen. Positive Nachrichten werden überhört. Beim Doomscrolling10 beispielsweise kann der exzessive Konsum negativer Nachrichten sogar zu einer Sucht werden. Der Fokus auf schlechte Nachrichten geht so weit, dass daraus ein grundlegend pessimistisches Weltbild herausbildet wird. Im schlimmsten Fall entsteht daraus eine Krankheit.11 Das pessimistische Weltbild wird zur Grundlage des weiteren Denkens.

Umgang mit personenbedingten Hindernissen

Der Fokus lenkt die Gedanken. Darüber sollten sich alle Beteiligten im Klaren sein. Wenn es der Kontext erwartet, an eine Lösung zu denken, geht der Nutzen aus dem Blick verloren. Wer daran denkt, wie der den Gegner überzeugen kann, konzentriert sich mehr auf die Gegenargumente als auf das Zuhören. Man sollte sich also stets bewusst darüber sein, in welchem Kontext das Denken stattfindet und auf welchen Fokus es gerichtet wird, um Grenzen zu erkennen und eine Orientierung zu finden. Die Mediation lenkt das Denken auf eine Metaebene, wo diese Kontrolle möglich ist. Man könnte sagen, dass der Mediator die personifizierte Metaebene ist, woraus sich die Anforderungen an seine Art des Denkens ableiten lassen.12

Über die Systemik der Mediation

Arten des Denkens

Die Mediation will eine sachliche Auseinandersetzung über Problemstellungen ermöglichen. Sachlich heißt nicht, dass Emotionen geleugnet werden. Durch die Technik des Verbalisierens werden sie auf die Sachebene gehoben und dadurch verhandelbar. Mithin spielt das Denken, auch das emotionale und intuitive Denken in der Mediation eine entscheidende Rolle. Der Mediator sollte wissen, wo welches Denken zum Tragen kommt und wie er das Denken zur Verwirklichung des Kognitionsprozesses einsetzen kann.

Das lineare Denken

Woran denken Sie, wenn Sie gefragt werden: "Wohin gehen Sie heute Mittag?". Sie denken an Mittag und was Sie vorhaben, richtig? Sie denken also linear nach vorne. Die meisten Menschen benutzen diese Art des Denkens. Das lineare Denken ist ein gradliniges Denken. Das Ziel (die Lösung) wird auf direktem Weg ohne Umscheife angestrebt. Das ineare Denken wird gegen das divergente Denken abgegrenzt. Das divergente Denken verführt zum Abschweifen. Es wird als Defizit wahrgenommen und von der Psychologie als ADD (Attention Deficit Disorder) bezeichnet, wenn es unkontrolliert erfolgt. Das Ziel wird gedanklich weiträumig umkreist. Alle Möglichkeiten der Annäherung werden geprüft, um den interessantesten Weg auszuwählen, der dann aber spontan zugunsten eines vermeintlich besseren geändert werden kann.13

Das assoziative Denken

Denken Sie jetzt nicht an einen roten Elefanten! Woran haben sie gedacht? War es ein Tier, eine Farbe oder hat sie das Wort Denken inspiriert?
Zugleich mit der Aufforderung stellt sich eine Assoziation her. Welche Assoziationen das ist entscheidet ihr Unterbewusstsein. Sein Filter wird geprägt durch die situative Anforderung aber auch durch Ihre Erfahrung, Ihre Erziehung und nicht zuletzt durch ihre Persönlichkeit.Das assoziative Denken erlaubt einen Zugriff auf die Bedürfnisse und Interessen. Es drückt aus, was dem Menschen wichtig ist. Nehmen wir die Aufforderung an einen roten Elefanten zu denken als Beispiel. Ihre Assoziation wird sich daran ausrichten was ihnen wichtig ist. Sind Sie von Farben beeindruckt werden Sie sich vielleicht etwas blaues vorstellen. Sind Sie vom Tier beeindruckt, werden sie sich möglicherweise ein ganz anderes Tier vorstellen. Setzen Sie sich gerade mit dem Denken auseinander wird in möglicher Weise in den Sinn kommen: "Wieso denken?". Assoziationen spielen in der Phase drei eine wichtige Rolle. Sie zu verhindern in dem man die Gesprächszeit der Parteien verkürzt oder sie zwingt nur über bestimmte Dinge zu sprechen, bedeutet das die Assoziationen nicht aufgedeckt werden.

Das logische Denken

Logisches Denken ist folgerichtiges Denken. Der Mensch kann logisch denken. Das ist keine Frage. Wie die Aufzählung der Denkfehler belegt, ist das logische Denken aber nicht unbedingt das naheliegende. Die Mathematik nutzt das logische Denken, um eine Aussage treffen zu können, ob die Behauptung 0=1 richtig oder falsch ist. Die Juristerei bedient sich ebenfalls des logischen Denkens, sodass auch sie zu dem Ergebnis kommt, ob eine Aussage richtig oder falsch ist. Sie führt die Entscheidung in eine Entweder-oder Logik, die andere Optionen ausschließt. Es gibt nur ein richtig oder falsch, wobei ausschließlich Fakten die Bewertungsgrundlage bilden. Der Widerspruch muss entschieden werden, damit er aufgelöst werden kann!

Das dialektische Denken

Die Dialektik geht anders mit Widersprüchen u,. Sie akzeptiert den Widerspruch. Ihre Denkweise kommt deshalb dem meditativen Denken nahe. Das Denken wird aus einem Entweder-oder in ein Sowohl-als-auch überführt. Der Widerspruch wird in These und Antithese übersetzt und in einer Synthese zusammengeführt. Das markante Konzept des dialektischen Denkens ist das These und Antithese der Synthese vorkommen. Der Widerspruch wird einbezogen, nicht entschieden.

Das kreative Denken

Das kreative Denken wird sogar in der PISA-Studie erwähnt. Dort wird es als die Kompetenz definiert, vielfältige, eigenständige, schöpferische und gestalterische Ideen zu produzieren, zu evaluieren und zu verbessern. In dieser Definition bezieht sich das kreative Denken auf effektive Lösungen realer Probleme, Fortschritte im Wissen und wirkungsvolle Ausdrucksformen der Vorstellungskraft sein.14

Das mediative Denken

Das mediative Denken ist in der Lage, alle zuvor genannten Denkweisen zusammenzuführen. Diese Behauptung mag erstaunen, weil viele Denkweisen doch gar nicht kompatibel sind. Ich denke beispielsweise entweder logisch oder dialektisch. Die Mediation überwindet die Inkompatibilität, indem sie die Denkweisen sequenziell einsetzt. Es ist kein Problem wenn die Denkabschnitte zu verschiedenen Einsichten und Ergebnissen führt. Am Ende wird alles zu einem Bild zusammengeführt.

Der Puzzle-Effekt

Wenn überhaupt von einem mediativen Denken gesprochen werden kann, ist es ein Denken, das auf einem umfänglichen Verstehen basiert und sich am Nutzen ausrichtet. Das mediative Denken bezieht verscxhiedene Denkweisen in sich ein, weshalb es so effizient ist. Sein Ziel ist das Verstehen. Verstehen bedeutet Klarheit und vollständige Information. Dementsprechend sorgfältig gestaltet sich das Denken. Es qualifiziert die Informationen, um sie dem Prozess oder Fall (Problem) korrekt zuordnen zu können. Die über die Dimensionierung zu erzielende Strukturiertheit erlaubt es, die gesamte Komplexität der Fragestellung im Blick zu haben und Widersprüche im parallelen Denken aufzulösen, das auf Konsens nicht auf Macht (Mehrheiten) aufsetzt. Das meditative Denken will jeden unserer Schritte rational nach seinem Nutzen abwägen. Es ist ein suchendes Denken auf der Metaebene, das nicht lösungs- sondern ein nutzenorientiert ausgerichtet ist. Der Nutzen ergibt die Kriterien für die zu findende Lösung.

Das mediative Denken 

Ausrichtung des Denkens

Im Streit neigen die Parteien zum konträren Denken. Die Mediation ermöglicht ein paralleles Denken. Sie denkt weder für noch gegen die Medianden. Trotzdem gibt sie eine Denkrichtung vor.

Denken für die Partei

Natürlich könnte ein Berater sagen: „Das musst Du so machen!“. Was aber wenn das „so“ auf heftigsten Widerstand stößt und im Zweifel eher bewirkt, dass die Partei den Berater wechselt? Geht er vor wie ein Berater, kommt er wahrscheinlich schnell zu dem gleichen Ergebnis wie die Partei. Er weiß es nur besser umzusetzen. Die Partei schüttet ihr Herz aus und sagt wie viel Unrecht ihr widerfahren sei. Der Berater versteht das (indem er Bewertungen übernimmt) und erwidert: „Das dürfen Sie sich auch nicht gefallen lassen. Da müssen wir etwas gegen unternehmen!“. Er denkt jetzt für die Partei.

 Merke:
Leitsatz 3231 - Dem Mediator ist es verwehrt, für die Partei zu denken. Denn für die Partei denken heißt, ihre Position zu übernehmen und von ihrem Standpunkt aus zu denken. Es ist das Denken im Widerspruch und in Gegnerschaft, wenn der Gegner den Widerspruch abbildet.

Denken mit der Partei

Ein Mediator wird der Partei nicht sagen, was sie wie zu tun hat. Ganz im Sinne der Mediation und in ihrer Zielsetzung wird er überlegen, wo und wie die Partei selbst dahinter kommen könnte. Er wird in Gesprächen darauf achten, dass sie die dazu führenden Anhaltspunkte nicht übersieht. Die Besonderheit ist dabei, dass er nicht im Kopf der Partei denkt. Er denkt nicht für sie und auch nicht gegen sie oder den Gegner. Er denkt mit ihr und mit dem Gegner.

 Merke:
Leitsatz 3232 - Der Mediator denkt MIT den Parteien, NICHT für oder gegen sie und keinesfalls in deren Köpfen.

Das ist eine wichtige Herausforderung, die von dem Mediator verlangt, dass er die feinen Grenzen des „Denkens im eigenen Kopf“ verinnerlicht hat und es den Parteien zugesteht, einen „eigenen Kopf“ zu haben. Mit der Partei zu denken setzt ein Verstehen voraus und ein in die Partei einfühlen. Es übernimmt keine Standpunkte sondern hinterfragt sie, damit sie nachvollzogen werden können. Um diesen Effekt zu erreichen, stellt der Mediator sich als Metaebene zur Verfügung.

Die Bedeutung der Metaebene

Denken mit allen Parteien

Damit der Mediator mit beiden (allen) Parteien denken kann, darf sich nicht auf den Widerspruch einlassen, sondern muss ihn von außen betrachten. Die Metaebene macht dies möglich, weil sie wertfrei ist und dem Mediator eine Position außerhalb des Streitsystems zubilligt. Aus dieser Position heraus wird der Mediator gehindert, im Widerspruch zur Gegenseite zu denken. Weil er mit beiden (allen) Parteien denken muss, basiert sein Denken nicht auf den Widersprüchen, sondern auf den Gemeinsamkeiten.

 Merke:
Leitsatz 3233 - Mediatives Denken basiert nicht auf dem Widerspruch sondern auf der Gemeinsamkeit

Kollektives Denken

Einen methodischen Zugang liefern die Erkenntnisse der Schwarmintelligenz (kollektives Denken). Schwarmintelligenz ist vernetzte Intelligenz. Sie entwickelt sich eher aus einer bottom up als aus einer top down Logik.

Beispiel 11585 - Die Aufgabenstellung lautet dann nicht: Um das Ziel zu erreichen muss ich A, B und C durchführen, sondern: Welches Ziel erreiche ich, wenn A, B und C zusammenkommen? Die unterschiedliche Fragestellung hat Auswirkungen auf das Denken. In der Terminologie der Logik wird sie nach deduktivem und induktivem Denken unterschieden.

Herleitungen im Denken

Mit den Begriffen bottom up und top down werden Ausrichtungen des Denkens beschrieben, die zu Schlussfolgerungen führen sollen. In der Philosophie und der Logik werden die Deduktion, die Induktion und die Abduktion unterschieden.

Deduktion

Deduktion bedeutet Ableitung oder Herleitung. Sie wird auch als logisches Schließen bezeichnet. Die Schlussfolgerung ist die logische Konsequenz (Wirkung) aus einer logischen Regel und einer gegebenen Bedingung. Aus mindestens 2 Aussagen wird eine neue Aussage abgeleitet. Es können wahre (oder auch zwingende) Schlüsse gezogen werden. Neue Erkenntnisse lassen sich aber nicht gewinnen.

Beispiel 11587 - Logische Regel = Mediator sind Menschen. Gegebene Bedingung = Ich bin Mediator. Schlussfolgerung (Konsequenz) = Also bin ich ein Mensch. Anderes Beispiel: Logische Regel = Aspirin hilft gegen Kopfschmerzen. Gegebene Bedingung = Ich nehme Aspirin. Schlussfolgerung (Konsequenz) = Also habe ich Kopfscherzen.

Induktion

Induktion bedeutet Herbeiführung oder Veranlassung. Sie wird auch als verallgemeinerndes Denken bezeichnet. Unter ihr versteht man die Ableitung einer allgemeinen Regel durch eine oder mehrere Bedingungen. Da aus Einzelfällen abgeleitet wird ist die Schlussfolgerung möglicherweise nicht wahr, allerdings können neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Beispiel 11586 - Konsequenz Ich bin ein Mediator. Ich bin ein Mensch ist die Bedingung dafür. Alle Menschen sind Mediatoren wäre eine interessante Folgerung aber nicht unbedingt eine wahre. Aber inspirierend.


In der Mediation kommt es nicht auf richtig und falsch, logisch oder verallgemeindernd, sondern auf nutzensitftend und machbar an. Es macht also Sinn wie bei der Schwarmintelligenz Die Lösung wird nicht deduktiv vom Ziel zurück, sondern induktiv von einem Ausgangspunkt zum Ziel hin zu entwickeln. Das erfolgt in einer Art und Weise, dass die eingebrachten Informationen ausgewertet und zugeordnet werden. Die Zuordnung erfolgt im Kollektiv worüber im Konsens entscheiden wird (Windows 2 in Phase 3; Bewertung in Phase 4).

Wie bei einem Schwarm wird die Ausrichtung des Denkens nicht etwa durch den Führer vorgegeben. Sie erfolgt bottom up durch die Vernetzung der unterschiedlichen Auffassungen. Wie bei einem Schwarm werden die Extrempositionen nicht ausgeschlossen. Sie bilden stattdessen das Korrektiv. Es macht bei diesem Denkmodell keinen Sinn im Kopf des anderen zu denken. Wohl aber Informationen zu sammeln, um sie in eine Beziehung zu setzen und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, die später auf ihre „Wahrheit“ überprüft werden können.

Abduktion

Die Abduktion íst eine Stufe der aus Abduktion, Deduktion und Induktion gebildeten Erkenntnislogik. Sie dient der Hypothesenfindung und baut auf Erfahrungen auf. Auf die Mediation übertragen, wäre sie der gedanklic he Weg in die neue Lösung.

Lösungshindernisse

Die Mediation soll es den Parteien ermöglichen, selbst die Lösung zu finden. Also ist es ihre Aufgabe und mithin die des Mediators, den Parteien dabei behilflich zu sein. Um diese Aufgabe zu erfüllen, muss er wissen, was die Parteien daran hindert.15 Wenn er die Hindernisse kennt, kann er sie aus dem Weg räumen. Die Hindernisse, die sich dem Denken auf dem Weg in eine Konflikllösung in den Weg stellen, lassen sich wie folgt zusammenfassen:16

Die Strategie dominiert das Denken

Im Konflikt treffen ganz unterschiedliche Strategien zusammen. Führend dürfte die Konfliktstratregie sein. Wenn sie einen Angriffs- oder Verteidigungsmechanismus vorgibt, passt sich nicht nur das Verfahren, sondern auch das Verhalten dem Denken an. Die dominante Strategie des Nullsummenspiels verhindert eine Kooperation und ein darauf basierendes Denken. Konkret bedeutet das, dass die Parteien gegebenenfalls auch in der Mediation zur Konfrontation neigen, wenn sie noch immer (nur) an eine Lösung im Nullsummenspiel denken, bei der sie nur auf Kosten des Verlierers gewinnen können.
Auflösung in der Mediation: 1.Phase: Einrichtung eines kooperativen Suchspiels, gegebenenenfalls Festlegung der Kooperation als Strategie (Prinzipien),

Die Reflexionsfähigkeit ist eingeschränkt

Die Reflexionsfähigkeit wird eingeschränkt. Die Partei ist nicht in der Lage, das Streitsystem als solches zu betrachten. Sie sieht nur den Gegner. Die Reflexionsebene geht im Konflikt auch deshalb verloren, weil die Parteien emotional denken, weil sie positionsorientiert denken, weil sie gar nicht denken usw.
Auflösung in der Mediation: 1.Phase: Herstellung der Metaebene, Klärung der Rollen, 3.Phase: Denken in der heilen Welt, von Lösungen entkoppelt denken, Loopen, Rückmeldung geben, fragen, ... Phasenlogik: Denken aus dem Pfroblem herausholen

Die Komplexität wird nicht gesehen

Komplexität schreckt ab. Es kommt zu einem schwarz-weiß Denken.
Auflösung in der Mediation: 2.Phase: Einteilung in Themen

Die Komplexität erlaubt Selektionen

Schon die Wahrnehmung führt in eine Reduktion der Komplexität, das Denken tut sein Übriges. Der Mensch neigt dazu, Komplexität zu reduzieren. Das Denken wird selektiv und verliert den Kontext aus dem Blick. Was wie eine Vereinfachung wirkt, ist zugleich eine Erschwernis, weil der Blick auf die Lösung verloren geht, je mehr man sich anstrengt, an die Lösung zu denken.
Auflösung in der Mediation: 2.Phase: Begründungssemantik unterbrechen, Phasenlogik: Denkmuster zusammenführen

Der Kontext geht verloren

Das Argumentieren unterstreicht die Selektion. Die Tilgungen der Rhetorik tun ihr Übriges dazu. Der Kontext geht aus dem Blick verloren. Der Mediator ist gehalten, den Bezug zum Kontext stets aufrechtzuerhalten.
Auflösung in der Mediation: 3.Phase: Loopen, fragen, ...

Es wird ein falscher Fokus gewählt

Wenn der Fokus auf das Problem gerichtet wird, wird das Problem stets ein Teil der Lösung sein. Dieser Effekt wird eindrucksvoll im Video von Watzlawick "Wo das Denken Lösungen verhindert" erläutert. Die Mediation setzt den Fokus hinter das Problem, indem sie den Nutzen in den Vordergrund stellt. Sie bedient sich einer scheinbaren Paradoxie. Sie führt die Lösung herbei, indem sie nicht an die Lösung denkt.1 .
Auflösung in der Mediation: 1.Phase: Fokus auf den Nutzen richten. 3.Phase: Fokus hinter das Problem (auf den Nutzen) lenken.

Das Denken wird in das Problem gelenkt

Das Denken ist linear nach vorne (also in das Problem hinein) und kontrovers (also gegeneinander) ausgerichtet. Es wird nicht in ein einheitliches Ziel gelenkt, sodass ein paralleles Denken verhindert wird.
Auflösung in der Mediation: 1.Phase: Fokus auf den Nutzen richten. 2.Phase: Begründungssemantik unterbrechen, 3.Phase: Fokus hionter das Problem (auf den Nutzen) lenken.

Das Denken wird auf die Position fixiert

Dier Position ist eine Lösung. Je sytärker sie in den Fokus des Denkens gerät umso verbissener versuchen die Parteien, diese Lösung zu verwirklichen.
Auflösung in der Mediation: 2.Phase: Position neutralisieren. 3.Phase: Windows 1.

Das Denken lehnt den Widerspruch ab

Es wird erwartet, dass der eigenen Position zugestimmt wird. Widerspruch wird nicht geduldet.
Auflösung in der Mediation: 2.Phase: Position neutralisieren. 3.Phase: Gemeinsamkeiten herausarbeiten

Das Denken wird auf gegensätzliche Ziele ausgerichtet

Das Ziel das die eine Partei verfolgt widerspricht dem Ziel das die andere Partei verfolgt. Soplange kein gemeinsames Ziuel verfolgt wird, richtet sich das Denken gegeneinander nicht aufeinander.
Auflösung in der Mediation: 1.Phase: Die Mediation legt ein gemeinsames Ziel fest, nämlich eine Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sind. 2.Phase: Position neutralisieren. 3.Phase: Gemeinsamkeiten herausarbeiten

Die Emotionen stehen im Vordergrund

Je mehr Emotionen umso weniger Verstand, lautet eine Erkenntnis. Die Emotionen verändern die Wahrnehmung, die Kommunikation und das Denken.
Auflösung in der Mediation: 3.Phase: Präzises Zuhören, Emotionen ansprechen, die Bedeutung hinterfragen,

Wahrnehmungsfehler beeinträchtigen das Denken

Was ich weiß, muss ich nicht überdenken. Die Wahrnehmungsfehler suggerieren ein Wissen. Sie festigen gegebenenfalls Fehlvorstellungen, die wiederum das Denken beeinflussen.
Auflösung in der Mediation: 3.Phase: Wahrnehmungsfehler werden mit Technicken wie das präzisen Zuhören, dem Realitätscheck, usw. aufgedeckt.

Die Interaktion bestimmt den Gedankengang

Das Denken wird duch Wahrnehmungsfehler beeinflusst, die sich auf die Kommunikation auswirken.
Auflösung in der Mediation: 1.Phase: Die Rollenverteilung legt das Kommunikationsmuster nahe. Es wird über Bande kommuniziert.

Stress führt zur Kompetenz-Amnesie

Die Resilienz wird durch den Stress beeinträchtigt, den der Konflikt auslöst. Es kommt zur Reduktion der Denkfähigkeit. Der Frontallappen im Gehirn wird ausgeschaltet.
Auflösung in der Mediation: 1.Phase, Setting wird so eingerichtet, dass eine maximale Entspannung möglich ist. 3.Phase: Es kommt zur Entschleunigung. Die Resilienzfaktoren werden auf die Schutzfaktoren ausgerichtet.

sonstige Einflüsse

Alles, was das Denken beeinflusst. Kukltur, Wertesysteme usw.
Auflösung in der Mediation: 2.Phase: Themen entsprechen der Konfliktanalyse. Konfliktdimensionen werden herausgearbeitet


Wie die Mediation Hindernisse aus dem Weg räumt

Bedeutung für die Mediation

Eine zentrale Aufgabe des Mediators oder der Mediatorin besteht also darin, Denkhindernisse aus dem Weg zu räumen und den Gedankengang der Mediation zu ermöglichen.17 Wenn und weil die Mediation ein verstehensorientiertes Verfahren ist, spielt der Verstand und damit das Denken eine entscheidende Rolle. Die Mediation ist ein anderes Denken!18 Die Mediation unterstützt den komplexen Denkvorgang, indem ihre Phasenlogik das Denken der Parteien partialisiert. So kann die Mediation verschiedene Arten des Denkens vereinnahmen. Selbst nicht kompatible Denkweisen können zusammengeführt werden, indem sie einer sequenziellen Logik folgen. Jede Phase wird mit einem ihr eigenen Denkvorgang verknüpft. So wird die Logik beispielsweise in der 2.Phase in eine Dialektik überführt. Das logisch juristische Denken wechselt mit dem assoziativ psychologischen Denken in der 3.Phase ab. Die Mediation beschreibt einen in sich stimmigen Gedankengang, der die Gedanken der Parteien in eine Späre führt, wo Lösungen zu finden sind.

Der Gedankengang der Mediation

Der mediative Gedankengang ist uns nicht fremd, aber ungewohnt. Das lineare Denken wird unterbrochen. Die Phasenlogik führt zu einer bewussten Partialisierung des Gedankenganges, wo das Denken an Motive strikt vom Denken an Lösungen abgetrennt wird. Die Trennung erlaubt eine Erweiterung der Wahrnehmung. Das reflexive Denken wechselt in der 4.Phase kurzfristig in ein kreatives Denken, um weitere Lösungsoptionen zu erkennen. Erst danach wird das Denken in ein bewertendes und später in ein subsummierendes Denken überführt.

Das Denken in der Mediation kann auch die Komplexität bewältigen. Dazu trägt die vorgegebene Struktur der Mediation bei. Das Dimensionieren trägt nicht nur dazu bei, die Gedanken zu ordnen, sondern auch dazu, dass sie miteinander verglichen werden können.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

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Bearbeitungsstand: 2022-05-08 09:14 / Version 120.

Alias: logisches Denken, dialektisches Denken, assoziatives Denken, Denkfehler
Siehe auch: Kognitionsprozess, Phasenlogik, Loopen, Gedankengang, Denkfehler, Bias-Faktoren, Denkhindernisse
Prüfvermerk:

2 Siehe Beck (Die Logik des Irrtums) - 2022-04-23
3 Was ein Mediator als Gestalter eines nutzerorientierten Verfahrens allerdings sollte
4 Siehe unten und Lösungshindernisse
6 Siehe die Ausführungen über das Gehirn
7 BR(Was ist ein Gedanke) - 2022-04-23
9 Siehe Komplexität
10 Internetgestützte Überflutung mit negativen Nachrichten
12 Siehe Haltung
13 Menges (2005) - No value for 'tracker_field_downloaddatum'
14 PISA (kreatives Denken) - 2022-04-25 Siehe auch Kreativität
15 Die Aufgabe wird im Aufgabenverzeichnis erfasst als Denkhindernisse aus dem Weg räumen (Relevanz: erforderlich)

Last edited by Arthur Trossen , based on work by Bernard Sfez and ArthurTrossen .
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