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Phase 2: Themensammlung

Wissensmanagement » Sie befinden sich auf einer Unterseite zum Thema Ablauf im Abschnitt Verfahren des Mediationshandbuchs.
Der Thinktank verknüpft die Ausführungen mit Beiträgen und Datenbanken. Beachten Sie die Systematik.

Phasenablauf Methodenabgleich Vorphase 1.Phase 2.Phase 3.Phase 4.Phase 5.Phase Nachphase

Phase0

Die Beiträge zur Phasenübersicht und zur Phasenlogik ergeben die Zusammenhänge. Es ist wichtig, die Phasen als Teil eines umfassenden Prozesses zu verstehen und die dahinter verborgene Mediationslogik zu verwirklichen. Jeder Schritt trägt dazu bei, den kognitiven Prozess der parteilichen Lösungssuche zu verwirklichen. Hier werden die konkreten Anforderungen und Arbeitsweisen der 2. Phase beschrieben. Die dieser Phase zugeordnete Methode ist die Bestandsaufnahme. Die 2. Phase führt die Gedanken in die kaputte Welt.1

Methodenabgleich
Die korrespondierende Methode zu dieser Phase ist die Methode der Bestandsaufnahme.
Sie beschreibt, wie der Arbeitsauftrag dieser Phase zu verwirklichen ist.

Bezeichnung

Die 2. Phase wird als Themensammlung oder Bestandsaufnahme bezeichnet. Schon diese Bezeichnungen legen unterschiedliche Herangehensweisen offen. Die Themensammlung ist zum Beispiel bei Meditationen mit mehreren Beteiligten angebracht. Die Bestandsaufnahme bewährt sich in Konflikten mit wenig Beteiligten. Die unterschiedlichen Herangehensweisen werden nachfolgend unter der Überschrift Gestaltung näher vorgestellt.

Um die Bedeutung der 2.Phase besser herauszustellen, wird vorgeschlagen, von einer Themenvereinbarung zu sprechen. So wird klargestellt, dass die Themenvereinbarung eine Mediationsabrede ist, die die Mediationsdurchführungsvereinbarung ergänzt und den Verfahrensgegenstand festlegt. Sie ist mit der Erlaubnis gleichzusetzen, über die vereinbarten Themen sprechen zu dürfen.

Arbeitsauftrag

Festlegung der zu klärenden Fragen. Im Einzelnen:


Der grobe Auftrag lautet, den Mediationsgegenstand festzulegen und die Themen herauszuarbeiten, für die eine Lösung zu finden ist. Es ist außerordentlich schwer, schon jetzt alle Aufgaben aufzuführen, die auf den Mediator im konkreten Fall zukommen. Viele Anforderungen ergeben sich aus der Situation heraus. Deshalb lohnt sich ein Blick in das Aufgabenverzeichnis.

Zusammenstellung aller Aufgaben

Phasenlogik

Die Phase 2 ist der eigentliche Beginn der Mediation.2 Nachdem zuvor der Rahmen festgelegt wurde, geht es jetzt zur Sache. Die Parteien werden aufgefordert, ihre kaputte Welt zu schildern. Das ist erforderlich, um die Themen einzugrenzen, über die später zu sprechen ist. Mit der Themenfestlegung werden die Positionen in eine Frage aufgelöst, in der sich beide Positionen wiederfinden lassen. Die Phase 2 ist also trotz des Streites oder gerade deswegen, der erste Schritt zur Harmonisierung.

Themenlogik 

Gestaltung

Es gibt 4 Varianten, wie die Phase 2 durchzuführen ist. Der Mediator stimmt mit den Parteien ab, welche die geignetste ist.

Bestandsaufnahme
Diese Vorgehensweise wird auch als Sachverhaltsmethode bezeichnet. Der Mediator fordert die Parteien auf, den Sachverhalt/das Problem zu schildern und /oder das, was ihnen auf dem Herzen liegt. Er höhrt Parteien aufmerksam zu und achtet darauf, wie selektiert wird, wo Schwerpunkte gesetzt werden und wie die emotionale Beteiligung zum Vorschein kommt. Bei Beziehungskonflikten achtet er auch auf den Umgang miteinander. Er meldet die Positionen zurück, also das, was von der Gegenseite eingefordert wird und vereinbart das übergeordnete Thema. So verfährt er bis alle Themen, Partei für Partei, gesammelt sind.
Themensammlung
Bei der Themensammlung fordert der Mediator die Parteien auf, die Themen zu nennen über die zu verhandeln ist. Erfahrungsgemäß werden die Parteien statt Themen eher Gründe und Interessen aufführen oder Lösungen. Die Themensammlung muss also in einem zweiten Schritt überarbeitet werden. Bei dieser Methode wircd der Sachverhalt in Anschluß an die Themenwahl für jedes Thema separat abgefragt.
Kärtchenmethode
Die Kärtchenmethode ist eine Themensammlung mit dem Unterschied, dass die Themen auf Kärtchen geschrieben werden. Sie ist angebracht, wenn bei Gruppen davon ausgegangen werden kann, dass Individuen sich in der Gruppe nicht offen äußern können.
Mix
Selbstverständlich können die Methoden auch sequenziell oder parallel gemischt werden.

Phasenablauf

Es gibt zwei oder je nach Zählweise bis zu vier unterschiedliche Herangehensweisen. Grundlegend zu unterscheiden sind die Sachverhaltsmethode und die Themensammlung. Die Kärtchenmethode ist eine Variante der Themensammlung.

Ablauf bei der Sachverhaltsmethode

Arbeitsschritt Hilfestellung siehe ...
Erläuterung der Phase Beschreibung der Phase 2
Aufforderung zur Problemschilderung Bestandsaufnahme
Gegebenenfalls: Wer fängt an – Spiel Besonderheiten bei der Gesprächsaufforderung
Positionen herausarbeiten Positionen, Themen, Techniken: Zusammenfassung, Themenbildung
dto mit allen anderen Parteien
Vergewissern, ob es weitere Themen gibt
Themenfolge festlegen Priorisierung
Zusammenfassen Zusammenfassung der Ergebnisse


Alternativ: Ablauf bei Themensammlung und Kärtchenmethode

Arbeitsschritt Hilfestellung siehe ...
Erläuterung der Phase Beschreibung der Phase 2
Aufforderung Themen zu nennen
Themen clustern herausarbeiten und zusammenstellen
Themenfolge festlegen Priorisierung
Zusammenfassen Zusammenfassung der Ergebnisse

Herausforderungen

Es ist eine Stilfrage wie der Mediator mit dieser Phase umgeht. Manche halten den Ball flach, indem sie den Streit verbietenh, andere lassen laufen, indem sie den Streit zulassen. Theoretisch ist es die letzte Phase, wo die Parteien Gelegenheit zum Streiten haben. Wenn die Parteien streiten, informieren sie über die Art, wie sie miteinander umgehen und wie das Problem zu gewichten ist.

Positionen
Der Mediator achtet auf die Positionen, um sie einem Thema zuzuführen. Positionen im Sinne der Mediation sind die Forderungen (oder Erwartungen) an die Geegnseite. Das Thema beinhaltet die Position ebenso wie die Gegenposition und neutralisiert den Widerspruch zwischen Position und Gegenposition3 .
Themen
Für die Navigation durch die Mediation und das Verständnis der zu erörternden Konflikte ist es geschickt, wenn der Mediator darauf achtet, dass jedes Thema mit einem Konflikt verknüpft wird und diesen repräsentiert. So kann er die Themenlogik der Mediation verwirklichen4 .
Erlaubnis
Die Themen stellen den Verfahrensgegenstand her. Sie müssen abgestimmt (vereinbart) sein, weil sich daraus die Erlaubnis über das Thema zu sprechen ableitet. Wer über ein anderes Thema spircht bewegt sich aus dem Verfahren heraus. Es ist deshalb wichtig, die Themen auf die Konflikte zu beziehen und Argumente, Positionen und Motive nicht mit Themen zu verwechseln!5
Widerspruch
Mitunter verweigern es die Parteien, über ein Thema zu reden. Es ist schon ein Fortschritt, wenn sie das Thema, über das zu reden ist, eingestehen. Das ist hilfreich bei der Identifikation der Konflikte. Ob über das Thema gesprochen wird oder nicht ist eine andere Frage. Die Verweigerung bedeutet nicht immer das über das Thema nicht gesprochen wird, sondern dass man der damit verbundenen Lösung nicht zustimmen will. Man will aber, dass der eigene Standpunkt akzeptiert wird. Das beste Mittel, um dies zu erreichen, ist über das Thema zu reden. In jedem Fall sollte der Mediator herausfinden, worauf die Aversion beruht6 .
Visualisierung
Bei einem Streit über Themen ist es geschickt, die vorgeschlagenen Themen auf einem Flipchart für jede Partei sichtbar und gesondert zu visualisieren. Die Visualisierung dient dem Nachzuweis, wie groß der Konflikt ist und wo Übereinstimmung über die anzusprechenden Themen (Konfliktgegenstände) besteht oder nicht. Hinsichtlich der nicht zugestandenen Themen sollte deren Relevanz erörtert werden und der mögliche Lösungsrahmen falls diese Themen unangesprochen bleiben.7 Die nebenstehende Skizze zeigt, dass nur ein Thema des Konfliktes angesprochen werden darf. Es zeigt aber auch, dass der Konflikt wesentlich größer ist und sicher nicht beigelegt werden kann, wenn nur über das eine Thema gesprochen wird.
Priorisierung
Es geht um die Festlegung der Themenfolge, wenn mehrere Themen angegeben werden. Die Festlegung der Themenfolge kann herausfordernd sein, wenn mehrere Themen angegeben werden. Wenn die Themen Konflikte repräsentieren, spiegeln sie die Konfliktdimensionen, sodass sich aus der Themenstellung die Unterscheidung zwischenProblem (Sachkonflikt) und den tiefergehenden Konflikten mit Konflikten (Beziehungskonflikt, Wertekonflikt) ergeben. Sie bilden meist den Kontext, in dem das Problem aufkommt, sodass es sinnvoll ist, mit diesen Themen zu beginnen. In der Praxis ist jedoch anzuraten, mit dem Thema zu beginnen, mit dem die leichteste Lösung möglich ist und wo die Parteien den leichtesten Zugang finden.

Herausforderungen und Schwierigkeiten in der Mediation

Phasenziel

Das Etappenziel der 2.Phase ist erreicht, wenn der Streit genau identifiziert ist. Die zur Lösung führenden (die klärenden Fragen) sind festgelegt und vereinbart. Ideal ist es, wenn die Themen jeweils einen Konflikt repräsentieren.8 Der Widerspruch (das Dilemma oder die gegensätzlichen Positionen und die kognitive Dissonanz) wird von den Parteien akzeptiert. Die Position kann in eine (lösungsoffene) Frage umgewandelt werden. In diesem Prozessstadium kann ein Streitbekenntnis erwartet werden, aber noch kein Konfliktbekenntnis. Neben dem psychologischen Ziel verfolgt die Phase zwei auch ein juristisches Ziel. Anders als beispielsweise in einem Gerichtsverfahren ist der Streitgegenstand in der Mediation nicht von vorneherein bestimmt. Die Zielvereinbarung der Phase eins ist noch sehr grob und lässt Raum für alles mögliche. Der Gegenstand konkretisiert sich also erst über die Themen in der Phase zwei und zwar auch nur über die Themen, die von beiden Seiten akzeptiert werden. Die Themenauswahl definiert somit den Mediationsgegenstand. Die explizit einzuholende Themenzustimmung ist die Erlaubnis, darüber zu sprechen.

Mediationsgegenstand

Phasenabschluss

Die Phase kann abgeschlossen werden, wenn das Etappenziel erreicht ist. Dann sollte der "Krieg" bekannt sein und eingestanden werden. Der Mediator und die Parteien wissen, ob und gegebenenfalls welche Themen (Konflikte) außer den genannten noch im Raume stehen. Diese Information wird auch dann abgefragt, wenn über einzelne Themen nicht gesprochen werden soll. Die 2. Phase endet mit einer Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.

Werkzeuge

Was die Verwendung der Werkzeuge anbelangt, mag auf die Methode der Initialisierung und das Verzeichnis der Techniken verwiesen sein. Dort finden Sie eine Zusammenstellung aller in Phase 2 zu verwendenden Werkzeuge und den methodischen Zugang.


Bestandsaufnahme: Methoden und Techniken der zweiten Phase Checkliste: Phasenablauf

Bedeutung für die Mediation

In der 2.Phase darf und soll gestritten werden. Es ist wichtig, dass die Parteien ihre Argumente anbringen können. Die streitigen Positionen werden herausgearbeitet, damit sie zunächst in Themen und dann in Motiven aufgelöst werden können. So werden die Gedanken der Parteien aus dem Problem herausgeführt.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2023-07-04 06:48 / Version 105.

Alias: Phase 2, Themensammlung, Bestandsaufnahme, Themenvereinbarung
Siehe auch: Phasenlogik, Ablauf, Struktur
Hinweis: Auf dieser Seite wird eine Aufgabe beschrieben, die im Beitrag Aufgabenverzeichnis erfasst und gelistet wird.
Prüfvermerk:

1 Das ist die aus der kognitiven Mediationstheorie abgeleitete Metapher
2 So zumindest nach der kognitiven Mediationstheorie
3 Weitere Ausführungen unter Positionen
4 Weitere Ausführungen unter Themenlogik
6 Weitere Ausführungen unter Widerspruch
7 Weitere Ausführungen unter Visualisierung


Based on work by anonymous contributor und anonymous contributor und Bernard Sfez und anonymous contributor . Last edited by Arthur Trossen
Seite zuletzt geändert am Dienstag Februar 27, 2024 08:56:25 CET.

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