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Die Emotionen

Wenn der Konflikt zu einem Zerwürfnis1 führt, wird die emotionale Komponente unübersehbar deutlich. Nur wegen der Emotionen ist es zu erklären, dass die Beziehung der Parteien zueinander wegen eines - von außen betrachtet manchmal harmlos wirkenden Streites - zerrütten kann. Wenn die Mediation Konflikte beilegen soll, spielen Emotionen also eine wichtige Rolle.




Emotionen verstehen,
weil Emotionen verstehen helfen


Es gibt Emotionen, die fühlen sich gut an. Die will man haben und andere, die fühlen sich schlecht an. Meistens führen sie zu einer Verletzung (sie tun weh). Die schlechten Gefühle braucht man nicht - oder doch? Emotionen bestimmen unser Handeln und Denken, so wie unser Handeln und Denken die Emotionen beeinflusst. Nicht immer fühlen sich Verstand und Emotionen gleichberechtigt. Je stärker die Emotionen sind, umso schwächer wird der Verstand. Der Grundsatz lautet:

 Merke:
Leitsatz 14343 - Je mehr Emotion, umso weniger Verstand.

Wenn das Bewusstsein nur einen Bruchteil der Wirklichkeit verarbeiten kann,2 ist der Mensch auf Emotionen dringend angewiesen. Sie sollen ihm helfen, den richtigen Weg durchs Leben zu finden. Sie sind ein Wegweiser. Allerdings: Emotionen können sich irren. Sie können nicht denken. Warum das so ist und wann, wie damit umzugehen ist, soll dieser Beitrag erläutern.

Wer hat hier wen im Griff?

Manche Menschen fühlen sich ihren Emotionen oder denen anderer ausgeliefert. In der Mediation bekommt man das zu spüren. Was will man tun?

Gefühle lassen sich nicht anleiten!

Auch wenn sich das nebenstehende Video mit Bob Newhard über die Therapie lustig machen will, lässt sich ihm eine Aussage abgewinnen, die durchaus eine Paralelle zur Mediation darstellt. Auch dort kommt es nicht auf eine Diagnose an.

We don't go there, sagt der Therapeut. Just stop it.

Ob die Aufforderung Erfolg hat, ist eine andere Frage. Die Aufforderung gilt übrigens nicht nur für den Patienten. Auch der Mediator sollte damit aufhören, stets an Lösungen und Ursachen zu denken. Das hilft nicht wirklich weiter.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Eintrag im Videoverzeichnis erfasst unter Stop It!

Einfach "Stop it" sagen oder gar sich sagen lassen, die Gefühle eionfach einzustellen, reicht sicher nicht. Es ist nämlich gar nicht so einfach, manche Gefühle loszuwerden. Trotzdem kann es erforderlich sein, sich von schlechten Gefühlen zu befreien, wenn sie im Wege stehen. Ds gilt erst recht, wenn sie davon abhalten, sich den Dingen zuzuwenden, die einem Freude bereiten. In der Mediation spielen Emotionen eine ganz wichtige Rolle. Es gibt ganz unterschiedliche Ansätze, damit umzugehen. Der erste Schritt besteht darin, die Emotionen zu akzeptieren, um ihre Botschaft korrekt zu verstehen. Emotionen wollen etwas sagen, etwas vielleicht, das man nicht in Worte fassen kann.

Emotionen verstehen

Wenn wir wissen wollen, WAS uns die Emotionen sagen, müssen wir zunächst verstehen wofür wir Emotionen brauchen.

Laut der auf den Zustand abstellenden Definition in Wikipedia bezeichnet die Emotion eine Gemütsbewegung im Sinne eines Affektes. Sie ist ein psychophysiologisches, auch psychisches Phänomen, das durch die bewusste oder unbewusste Wahrnehmung eines Ereignisses oder einer Situation ausgelöst wird.3 Eine umfassendere, auf den Zweck abstellende Beschreibung liefert Stangl. Danach sind Emotionen komplexe, in weiten Teilen genetisch präformierte Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben, um bestimmte Anpassungsprobleme zu lösen und dem Individuum ein schnelles und der Situation adäquates Handeln zu ermöglichen.4

Mit dieser Definition kommen wir der Bedeutung der Emotionen und der Gefühle schon etwas näher. Das folgende Video geht auf dioe Frage ein, warum es so wichtig ist, die Emotionen zu verstehen und wie damit (auch und besonders in der Mediation) umzugehen ist.

Dieses Video setzt sich mit der Frage auseinander, wozu wir überhaupt Emotionen brauchen.

Cornelia Droege genannt Körber interviewt Arthur Trossen. Die beiden Mediatoren unterhalten sich über Emotionen und geben Hinweise, wie man damit umgehen kann, um sich vor schlechten Gefühlen zu schützen und gute Gefühle zu erhalten oder zu bewahren. GHlöeichzeitig wird deutlich, warum Gefühle (Emotionen) in der Mediation so wichtig sind und wie sich in ihnen der Schlüssel für Lösungen finden lässt.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Eintrag im Videoverzeichnis erfasst unter Wozu brauchen wir überhaupt Emotionen?

 Merke:
Leitsatz 14444 - Die Gefühle und Emotionen helfen uns nicht nur die Welt wahrzunehmen. Sie zeigen uns auch den Weg durch's Leben und deuten auf die Konfliktursache hin. Es ist wichtig, auf die Gefühle zu achten. Gefühle können aber nicht denken. Vor allem können sie sich irren. Es ist deshalb genauso wichtig, die Gefühle zu hinterfragen.

Abgrenzungen

  • Das Gefühl wird als eine psychologische Grundfunktion beschrieben
  • Die Emotionen verstehen sich als ein psychologisches Phänomen. Sie sind als Affekt vom Gefühl zu unterscheiden.
  • Die Intuitionen erleben wir als eine Eingebung
  • Das Fühlen ist eine sinnliche Wahrnehmung (zB haptische Wahrnehmung = aktive Berührung vs. taktile Wahrnehmung = passive Berührung)
  • Die Empfindung ist im neurophysiologischen und -psychologischen Verständnis eine durch Reizeinwirkung hervorgerufene Wahrnehmung.
  • Die Stimmung beschreibt den eher athmosphärischen seelischen Zustand eines Menschen. Sie wird auch als Laune wahrgenommen.

Gemeinsam haben die Begriffe alle, dass der Bewusstseinszugang stets über ein Erfühlen oder Erleben erfolgt.

Bedeutung

Um die Bedeutung der Emotionen zu verstehen, müssen wir zunächst akzeptieren, dass unser rationales Bewusstsein nicht in der Lage ist, die Komplexität des Lebens und situativer Entscheidungen zu begreifen. Deshalb besitzt der Mensch neben dem Verstand noch andere Intelligenzzentren.

Wewetzer greift den Gedanken von Descartes auf, wenn er herausstellt, dass die Emotionen den Menschen seit Urzeiten wie ein Kompass leiten, der gegebenenfalls neu zu justieren ist. Das Gefühlsleben des Menschen basiert auf Programmen, die noch aus der Urzeit stammen und mit modernen Erfahrungen nicht immer konfliktfrei kollidieren.5 Emotionen sind ein natürliches Überlebenskonzept. Sie werden im limbischen System gesteuert und sind oft schneller als der Verstand, der erst nach den körperlichen Reaktionen in der Lage ist, das Gefühl zu identifizieren. Weil der Mensch kleine Sinnesorgane hat, mit denen er sein Inneres wahrnehmen kann, wird der Körper zum emotionalen Seismographen.

Wenn man davon ausgeht, dass das Bewusstsein nur wenige Prozent der Umweltrealität erfassen kann, sind die Gefühle eine wichtige, oft nur unbewusst wahrgenommene Entscheidungsinstanz.6 Sie stehen in einer Wechselwirkung zum Verstand. Der Verstand kann Gefühle verifizieren und auf ihre Richtigkeit kontrollieren. Er kann Gefühle hervorrufen aber keine erzeugen. Wahrnehmung, Kommunikation und Entscheidungen erfolgen in allen drei Intelligenzzentren des Menschen. Manche Menschen verstehen sich besser auf die rationale Intelligenz, andere auf die emotionale und wieder andere vertrauen auf das Bauchgefühl.

 Merke:
Leitsatz 4843 - Von einem Mediator wird erwartet, dass er mit allen Intelligenzzentren (symbolisch als Kopf, Herz, Bauch bezeichnet) kommunizieren kann.

Wie sonst sollte er die Kommunikation seines Gegenübers verstehen, wenn sie sich aus verbalen und emotionsgesteuerten non-verbalen Elementen zusammensetzt, um nur einige zu nennen. Ergänzende Ausführungen finden Sie in den Kapiteln Wahrnehmung und Bewusstsein.

Wahrnehmung Bewusstsein 

Aufzählung

Gefühle sind somit ein wichtiger Bestandteil des Verstehensprozesses. Also sollte man wissen, welche Gefühle es gibt und was sie bedeuten.

Leider gibt es keine eindeutige wissenschaftliche Klassifizierung.7 Es ist noch darzulegen, warum eine eindeutige Klassifizierung in der Mediation auch nicht notwendig ist. Trotzdem soll - schon um das Spektrum der Emotionalität zu beschreiben - ein Versuch der Einteilung unternommen werden.

Sinnvoll erscheint zunächst die Unterscheidung zwischen angeborenen Primärgefühlen und die im Laufe des Lebens durch Sozialisation erworbenen Sekundärgefühle. Robert Plutchik8 spricht von Basisgefühlen, zu denn er Angst, Ekel, Freude, Liebe, Trauer, Neugier und Wut rechnet. Man mag darüber diskutieren, ob Neugier ein Gefühl ist. Die anderen Gefühle sind aber als genetisch erworben anerkannt.

Die ringförmige Darstellung in Plutchiks Rad der Emotionen (Emotionsrad)9 erlaubt es, die Intensität einerseits und die emotionale Nähe andererseits festzulegen. Gefühle, die sich ähnlich sind, stehen nah beeinander, so dass die unähnlichen Gefühle sich gegenüberstehen. Die dahinter liegende und in der Mediation zu verwertende Botschaft ergibt sich aus dem Kontrast. Der Kontrast zum negativen Gefühl zeigt das positive Gefühl, das es herzustellen gilt. Das gute Gefühl verdrängt das schlechte.

Beispiel 14346 - A hat Angst. A möchte die Angst gerne loswerden. Der Mediator fragt nicht, warum A Angst hat. Das würde die Gedanken in die Angst hineinführen und könnte die Angst sogar noch verstärken und manifestieren. Er fragt stattdessen: "Was brauchen Sie, um keine Angst zu habe (die Angst loszuwerden)?". Es geht um die Gefühle. Das Gefühl, das die Angst meist beseitigt ist das Gefühl von Sicherheit. Das Gefühl, das Hilflosigkeit beseitigt ist das Gefühl von Kontrolle. Letztlich muss die Partei jedoch selbst erkennen und entscheioden, welches das Kontrastgefühl ist.

Aufkommen

Gefühle entstehen aus einem Anlass heraus. Sie verbinden die Außenwelt mit der Innenwelt. Es ist ein komplexer Prozess, bei dem die eigenen Wirklichkeitskonstrukte, die Wahrnehmung, die Prägung, das Wertesystem, die Stimmung, die Befindlichkeit, die Hormone, usw. eine entscheidende Rolle spielen. Egal was die Gefühle auslöst, sie finden immer im jeweiligen Menschen selbst statt. Es ist also fatal, andere dafür verantwortlich zu machen. Sie können für den Anlass verantwortlich sein, nicht jedoch für das dadurch ausgelöste Gefühl.

Beispiel 14344 - A beleidigt B. B wird wütend. Das Gefühl von Wut entsteht in ihm, nicht in der Person von A. A gibt mit der Beleidigung den Anlass dafür, dass das Gefühl von Wut in B aufkommt. Trotzdem ist es nicht A, der das Gefühl auslöst. Der Auslöser findet sich in B, der auf die Beleidigung auch anders reagieren könnte. Wie wäre es mit einem Gefühl des Bedauerns, dass A zu solchen Mitteln greifen muss oder einem Gefühl des Stolzes oder der Bestätigung? Schon Jackie Chan sagte: Nur wer den Ball hat wird angegriffen!"


Gefühle entstehen im Menschen selbst. Deshalb sollte man in sich hineinschauen, um die Gefühlsbotschaften zu verstehen. Die Gefühle sind auch wichtig, um den Konflikt zu übewinden.10 Sie finden sich nicht im Gegner. Wenn das so wäre, könnte man sich wie der Samurai einfach davon befreien.11 Man muss sie nicht annehmen.

Auch wenn die Gefühle ihren Grund nicht im Gegenüber, sondern in jedem Menschen selbst finden, brauchen sie keine Rechtfertigung. Sie können auch nicht hinweg argumentiert werden. Auch die Selbsttäuschung, die ungewünschten Gefühle nicht zu haben oder die Beschwörung, dass sie aufhören sollen, erreichen oft das Gegenteil. Die Gefühle werden dadurch bestätigt und nicht hinterfragt. Gefühle wollen verstanxden sein. Nur so erfüllen sie ihren Zweck. Um sie zu verstehen, müssen sie akzeptiert werden. Es macht wenig Sinn, ihnen aus dem Weg zu gehen. Erst wenn man sich ihnen stellt, wird eine Verarbeitung möglich.

Erkennbarkeit

Wenn Gefühle so viel über einen Menschen sagen, sollten Sie wissen, woran Sie die Gefühle der Menschen erkennen können. Fangen Sie doch mit Ihren eigenen Gefühlen an. Woher wissen Sie, was Sie fühlen? Können Sie die Frage (Klick auf das Icon rechts) beantworten?


Vielen Menschen fällt es schwer, diese Frage zu beantworten. "Gefühle hat man", "Das hat mir die Erfahrung", "Die spürt man eben", sind klassische Antworten. Ja, man spürt sie, zumindest bei sich selbst. Es sind körperliche Reaktionen, die sich im Blutdruck, im Pulsschlag usw. bemerkbar machen. Das Gehirn erfasst die Reaktionen und interpretiert das Gefühl. So erkennen wir die eigenen Gefühle.

Woran erkennen wir aber die Gefühle der Mitmenschen? Auch bei den Mitmenschen sind es die körperlichen Reaktionen, die Rückschlüsse auf die Gefühle zulassen. Das Gesicht des Anderen ist die ideale Landkarte dafür. Ärger, Trauer, Freude, Verachtung, Überraschung, Ekel und Angst - das sind die 7 Basisemotionen der Menschen, die übrigens alle Menschen, gleich welcher Nation und Herkunft, gemeinsam haben. Im folgenden Video werden sie als Mikroexpression - also nur ganz kurz - sichtbar12 .

Bei diesem Video geht es um Microexpressions. Sie können einmal testen, ob Sie das jeweils nur für einen sehr kurzen Moment angezeigte Gefühl identifizieren können.

Der Mensch kann der vom limbischen System veranlassten Mimik zwar nicht entgehen. Sie dauert aber nur einen Bruchteil von einer Sekunde und ist sinnlich kaum wahrnehmbar. Die Fernsehserie 'Lie to me' hat die Erkenntnis im Krimi verarbeitet. Dort wurden die Verhöre mit einer Kamera aufgezeichnet und in Zeitlupe angesehen. Es ist also kaum möglich, sie in Echtzeit wahrzunehmen.

Die 7 vorgestellten Basisgefühle sind: Überraschung, Ekel, Verachtung, Freude, Trauer, Ärger und Angst.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Eintrag im Videoverzeichnis erfasst unter 7 Basisemotionen als Microexpressions

Die Mimik verrät das Gefühl. Ja natürlich, Sie haben die Mimik im Griff, denn auch die Gesichtsmuskeln lassen sich steuern. Lächeln Sie doch mal :). Dr. Paul Ekman13 hat sich (unter anderem) mit der Gesichtslandkarte auseinandergesetzt. Er hat festgestellt, dass die Gesichtsmuskeln den Bruchteil einer Sekunde lang - völlig unkontrollierbar - die Gefühle eines jeden Menschen verraten. Der Grund liegt darin, dass die Gesichtsmusukatur unmittelbar mit dem limbischen System verbunden ist. Das limibsche System ist in unserem Gehirn für die Verabeitung der Gefühle zuständig. Sogenannte Microexpessions (die Mikromimik) verraten sie in flüchtigen Momenten, die nur ein geübter Beobachter wahrnehmen kann. Aber Vorsicht:

 Merke:
Leitsatz 4844 - Der flüchtige Hinweis der Microexpressions ergibt einen Ausdruck des Gefühls. Warum das Gefühl in dem Gegenüber jedoch aufkommt, erklärt der Gesichtsausdruck nicht.

Das Gesicht ist natürlich nicht das einzige Körperteil, das Gefühle ausdrückt. Der ganze Körper steht zur Verfügung. Das ist ein weiterer Grund, warum die Körpersprache so wichtig und ausdrucksvoll ist.

Veränderung

Gefühle sind weder gut noch schlecht. Das Gefühl selbst bewirkt gar nichts! Wohl aber das, was man daraus macht. Auch wenn sich ein Gefühl gut oder schlecht anfühlt, ist das Gefühl selbst nur ein Hinweis. Demzufolge ist nicht das Gefühl gut oder schlecht, sondern die sich daraus ergebende Herangehensweise. In der Sprache der Mediation ist das die Lösung. Emotionen sind nicht verhandelbare Tatsachen, lautet ein Grundsatz der Mediation. Daraus ergibt sich eine Pararllele zu den Tatsachen. Auch Fakten sind, an und für sich betrachtet, weder gut noch schecht. Ihre Bewertung entsteht erst aus der Bedeutungszuschreibung. Genau so verhalten sich auch die Emotionen. Es kommt also darauf an, welche Bedeutung ihnen zugeschrieben wird. Die Bedeutung erschließt sich aus dem Verständnis der Emotion.

Es gibt zahlreiche Situationen, die eine Veränderung der Gefühle erfordern. Jede transformative Mediation, die eine Sichtveränderung erwirken will, muss sich damit auseinandersetzen. Schlechte Gefühle sind kaum in der Lage, gute Gedanken zu produzieren. Deshalb ist die Veränderung der Gefühlswelt (der emotionalen Wahrnehmung) durchaus auch ein Thema in der Mediation.

Wie werde ich schlechte Gefühle los?

Emotionen in der Mediation

Emotionen sind Teil der Kommunikation. Meist bewegen sie sich auf den analogen Kommunikationsebene. Mit der Technik des Verbalisierens werden sie ansprechbar. Emotionen drücken die Befindlichkeit eines Menschen aus. Sie geben der Sachinformation eine Bedeutung. Schließlich geben Sie die Richtung vor, in der die Lösung zu suchen ist.

Bei einem schlechten Gefühl findet sich die Lösung in ihrem Kontrast, wenn davon auszugehen ist, dass der Mensch ein gutes Gefühl haben möchte. Der Mediator muss also das schlechte Gefühl erkennen, um der Partei zu helfen, das gute Gefühl zu finden.

Beispiel 11598 - Angst ist das erlebte Gefühl. Angst will man nicht haben. Der Kontrast ist Sicherheit. Um die Angst zu überwinden, muss Sicherheit angestrebt werden. Sicherheit ist, was die Partei für sich herstellen muss. Der Mediator kann die Partei fragen, was sie braucht, um sich sicher zu fühlen.


Aber Vorsicht: Das gute Gefühl ist nicht die Lösung, es ist immer noch nur ein Gefühl! Erst wenn das gute (gewünschte) Gefühl identifiziert ist, ist der Zeitpunkt gekommen, über den Weg dorthin (also die Lösung) nachzudenken. Der Weg besteht nicht darin, das schlechte Gefühl wegzubekommen,14 sondern darin, das gute Gefühl herzustellen.

Grundsätzlich lässt sich die Mediation auf Gefühle ein. Die Art und Weise wie sie bzw. der Mediator damit umgehen, unterscheidet sich jedoch. Eine Möglichkeit ist es, die Gefühle zu identifizieren und zu akzeptieren, um dann zu sagen, dass Gefühle woanders als in der Mediation zu bereinigen seien, sodass man sich hier auf die Sachfragen konzentrieren kann. Eine solche Vorgehensweise würde zur facilitativen Mediation oder zur evaluativen Mediation passen. Eine transformative oder eine integrierte Mediation hingegen würde erwarten, dass der Mediator mit den Gefühlen umzugehen weiß. Immerhin geht es bei der Transformation auch darum, die Gefühle zu verändern.

Was tun wenn ...?

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2022-05-17 10:18 / Version 114.

Alias: Gefühle, Mikromimik
Siehe auch: Emotionen loswerden, Intelligenzzentren
Prüfvermerk:

1 Siehe die Definition in Konflikt, bei dem das mögliche Zerwürfnis (die Zerrüttung) ein Wesensmerkmal ist.
2 Siehe Wahrheit
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6 Siehe Wahrnehmung
9 Grafik aus https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3APlutchik-wheel_de.svg, By Machine Elf 1735, Metoaster (Own work; File:Plutchik-wheel.svg) Public domain, via Wikimedia Commons
10 Siehe Rumpelstilzcheneffekt. Der wahre Name des Konfliktes ergibt seine Auflösung.
14 Damit würde ja das schlechte Gefühl wieder in den Fokus kommen und man würde daran festhalten.

Last edited by Arthur Trossen , based on work by Bernard Sfez and ArthurTrossen .
Page last modified on Tuesday May 17, 2022 10:18:15 CEST.
Durchschnittliche Lesedauer: 12 Minuten