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Die Logik(en) der Mediation

Wissensmanagement » Sie befinden sich in der in der Wiki-Abteilung Wissen. Die Seite gehört zum Fachbuch Mediation. Sie wird dem 3. Buchabschnitt Mediation zugeordet. Das Kapitel ist das Mediationsverständnis. Das Thema ist die Mediationslogik.

Mediationsverständnis Mediationslogik Prozess Verhandlung Themen Phasen Konflikt Erkenntnis

Worum es geht: Die Mediation ist ganz sicher keine willkürliche, intuitive Verhandlung. Sie folgt ganz unterschiedlichen Logiken, die folgerichtig aufeinander abzustimmen sind. Hier soll Ihnen das logische Konzept der Mediation im Verständnis der kognitiven Mediationstheorie vorgestellt werden.

Einführung und Inhalt: Die Mediation ist ein durch und durch logisches Verfahren für einen unlogischen Vorgang und ein irrationales Konfliktverhalten. Die Mediation selbst ist dabei aber durchaus logisch. Ihre Logik beschreibt eine Denkweise, bei der die einzelnen Schritte folgerichtig aneinandergereiht werden.1 Das ist bei der Mediation nicht leicht zu erkennen. Die Mediation ist alles andere als ein linear kausaler Vorgang.2 Hinzu kommt, dass die Mediation mehrere ganz unterschiedliche Denkweisen vereinnahmt. Wenn also überhaupt von einer Mediationslogik gesprochen werden kann, besteht sie aus der Zusammenführung verschiedener gedanklicher Abläufe, die sich in dem Erkenntnisprozess der Mediation wiederfinden. Sie beschreiben einen gedanklichen Weg, der über die Mediation zusammengeführt wird. Das gilt zumindest dann, wenn Sie das Mediationsverständnis der kognitiven Mediationstheorie zugrunde legen.

 Merke:
Leitsatz 6259 - Die Mediationslogik beschreibt, wie die Verhandlungslogik, die Wegmarken, die Themenlogik, die Phasenlogik und die Konfliktdynamik zusammenzuführen sind, damit sich die Mediation verwirklichen kann

Die unterschiedlichen Denkansätze

Es ist ein faszinierendes Phänomen, dass und wie die Mediation ganz unterschiedliche Denkweisen vereinnahmen und zusammenführen kann. Dabei inkludiert sie selbst Denkweisen, die für sich gesehen gar nicht miteinander kompatibel sind. So kann sie beispielweise logisches mit dialektischem Denken, assoziatives mit deduktivem Denken, juristisches mit psychologischem Denken in einem Prozess verbinden. Diese Fähigkeit ist ein Wesensmerkmal der Mediation, dass sie von anderen Verfahren unterscheidet.

Beispiel 15204 - Es geht um eine familiäre Auseinandersetzung. Das Verfahren ist bei Gericht anhängig. Die Ehefrau fordert Unterhalt ein. In der Verhandlung kommt es zu emotionalen Ausbrüchen und Vorwürfen, die aus der Beziehung heraus resultieren. Der Richter weist die Parteien zurecht und verhindert die ausufernde Diskussion, indem er feststellt, dass solche Gedanken in dem juristischen Verfahren nichts zu suchen haben. In einer Mediation würde der Mediator darauf eingehen und eine Struktur finden, wo diese Diskussion hineinpasst.


Die Mediation vermeidet die Reduktion, indem sie den Gedanken einen Raum gibt. Dabei spielt die Struktur eine wichtige Rolle, in die sich die Gedanken einsortieren lassen und die Reihenfolge, in der sie abgearbeitet werden. Die unterschiedlichen Denkweisen werden eingeordnet und sequentiert, um sie am Ende in einem Gesamtbild wieder zusammenzuführen. Weder die Struktur, noch die Reihenfolge sind dem Zufall überlassen. Die mit der Vorgehensweise einhergehende Partialisierung geschieht also alles andere als willkürlich. Sie folgt einer inneren Logik, die als Mediationslogik bezeichnet wird. Die logische Herangehensweise ist ein wichtiger Aspekt des mediativen Denkens.

Über das Denken in der Mediation

Die logischen Systeme der Mediation

Die Mediation inkludiert mehrere ineinander verschachtelte Logiken, die in der Mediationslogik zusammengeführt werden. In ihrer Summe ergeben sie die in der Mediation zusammengeführten tragenden Denkschritte. Die einzelnen Sublogiken sind:

Verhandlungslogik

Die Mediation ist eine Verhandlung. Genauer gesagt führt sie in eine Verhandlung hinein. Schon dabei offenbart sie ihre ganz spezifische und folgerichtige Herangehensweise.

Prozesslogik

Die Prozesslogik beschreibt die Schritte und Rahmenbedingungen, unter denen erfolgreiche Verhandlungen möglich werden.

Themenlogik

Die Themenlogik beschreibt die Repräsentanz von Konflikten und legt den Streitgegenstand fest.

Phasenlogik

Die Phasenlogik beschreibt die Struktur und die Erkenntnisschritte als Etappenziele.

Konfliktlogik

Die Konfliktlogik erlaubt es mit statt gegen den Konflikt zu arbeiten.

Erkenntnislogik

Die Erkenntnislogik beschreibt welche Erkenntnisse die Parteien gewinnen müssen, damit sie eine optimale Lösung finden können.

Die logischen Strukturen der Mediation

Um das verschachtelte Denken nicht in ein Chaos zu führen, bedarf es einer Struktur. Die Denkvorgänge müssen getrennt werden damit sie sich nicht gegenseitig behindern. Sogar das §1 Mediationsgesetz weist in seiner Definition darauf hin dass die Mediation ein strukturiertes Verfahren sei. Es ist zu vermuten dass damit lediglich die Phasenstruktur angesprochen wird. Tatsächlich gibt es mehrere Strukturen, die wiederum ineinander verschachtelt sind. Die Logik braucht Operanden und Operatoren um zu einem Ergebnis zu kommen. Sie findet beides in der Mediation wieder.

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Die Operanden könnten mit den funktionalen Einheiten verglichen werden. Ihr Operator ergibt sich aus der strukturellen Logik. Die Struktur beschreibt wie die Bausteine anzuordnen sind. Die Logik erläutert ihre Verbindung. Bei genauerem hinsehen fällt auf, dass die Mediation mehrere Strukturen zur Verfügung stellt, die wiederum ineinander verschachtelt sind. Die nebenstehende Grafik mag davon einen Eindruck vermitteln. Sie weist horizontale und vertikale Strukturen auf.

Genau betrachtet ist die Mediation eine Verschachtelung von vielen ineinandergreifenden Strukturen. Ihre strukturelle Logik bewirkt, dass sich die funktionalen Einheiten oft wie von selbst zusammenfügen. Jedoch kann der Mediator erst dann virtuos mit der Mediation umgehen, wenn er die Zusammenhänge kennt.

Die funktionalen Einheiten Die Strukturen der Mediation

Das Zusammenspiel von Logik und Struktur

Die zu identifizierenden Denkschritte lassen sich noch verfeinern. Sie könnten um eine Suchlogik oder eine Verhandlungslogik erweitert werden. Weil beide jedoch in den anderen Logiken aufgehen, haben sie keine eigenständige Bedeutung. Wichtig ist lediglich die Erkenntnis, dass die hier beschriebenen Logiken der Mediation ein Zusammenspiel ergeben, wodurch die Mediation erst zur Mediation wird.

Mediationslogik

Die Grafik mag das Zusammenspiel verdeutlichen. Der mediative Effekt ergibt sich aus der Schnittmenge, die sich aus der Überlappung von Themenlogik, der Phasenlogik und der Konfliktlogik bildet, wenn sie korrekt in die Struktur eingebunden werden.

Die Verwirklichung der Mediationslogik

Weil der Prozess autopoietisch abläuft, genügt es häufig, die Informationen (Gedanken) einfach nur korrekt einzuordnen. Die Technik des Dimensionierens professionalisiert den Vorgang. Wie in dem Beitrag über das Dimensionieren näher beschrieben, werden den Informationen Eigenschaften (sogenannte Metainformationen) zugeordnet, die als Variablen der Komplexität angesehen werden. Sie verknüpfen sich mit den funktionalen Einheiten und vernetzen sich über die dafür vorgesehene Logik.

Die Dimensionen der Mediation und das Dimensionieren

 Merke:
Leitsatz 14000 - Die Mediationslogik führt die Themenlogik, die Phasenlogik und die Konfliktlogik innerhalb der durch die Mediation vorgegebenen Strukturen zusammen.

Bedeutung für die Mediation

Damit die Mediation als ein aus sich selbst heraus wirkendes und steuerbares Verfahren zur Geltung kommt, ist es außerordentlich wichtig, die Zusammenhänge zu durchschauen und zu lernen, wie sie in der Praxis umgesetzt werden können. Wenn das gelingt, erzeugt die Mediation im Idealfall einen Flow, aus dessen Sog heraus sich die Lösung wie von selbst ergibt.

Hinweise und Fußnoten
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Bearbeitungsstand: 2024-03-30 10:29 / Version 76.

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Based on work by Arthur Trossen und Bernard Sfez und anonymous contributor . Last edited by Arthur Trossen
Seite zuletzt geändert am Freitag April 19, 2024 10:13:45 CEST.

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