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Interventionen in der Mediation

Der Begriff Intervention stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie dazwischentreten. Demzufolge beschreibt eine Intervention das Eingreifen einer bisher unbeteiligten Partei in einen Konflikt1


Auf die Mediation bezogen lassen sich Interventionen als Aktionen begreifen, die in den Prozess eingreifen, um ein bestimmtes prozessförderndes Ergebnis zu erzielen. Das prozessfördernde Ergebnis kann dabei nur darin bestehen, den Flow der Mediation, also die Etappenziele der Phasen zu ermöglichen und die Parteien in den Rhythmus der Mediation einzubinden. Wenn Sie der kognitiven Mediationstheorie folgen, soll die Intervention dazu beitragen, die Partei gegebenenfalls für den Erkenntnisprozess der Mediation bzw. die im Rahmen der Mediation zu erlangenden Erkenntnisse empfänglich zu machen.

 Merke:
Leitsatz 6120 - Eine Intervention ist nur dann und insoweit erforderlich, wo die Mediation den Gedankengang der Parteien nicht aus eigener Kraft herstellen kann. Wenn eine Intervention in Betracht kommt, richtet sich das Aktionsziel lediglich auf den Prozess und niemals auf das Ergebnis!

Die Qual der Wahl

Der Mediator arbeitet mit den Menschen, nicht am Fall. Das macht die Mediation ebenso spannend wie unvorhersehbar. Der Mensch folgt keiner mathematischen Formel aus der sich ableiten ließe, wie er zu funktionieren hat. Er ist zu komplex um seine Reaktionen genau planen und einschätzen zu können. Der Mediator hat also, wenn er beispielsweise zu Interventionen greift keine andere Wahl, als die Trial and Error Methode anzuwenden. Das bedeutet:

 Merke:
Leitsatz 6126 - Der Mediator versucht, die wirksamste Intervention herauszufinden. Zeigt sie nicht die gewünschte Wirkung, wertet er die Reaktion darauf aus, um Erkenntnisse für eine wirkungsvollere Intervention zu gewinnen. Aus diesen Erkenntnissen heraus wählt er ein anderes, besser greifendes Werkzeug (Intervention) aus.

Das Trial and Error-Prinzip

Verhältnis zu Techniken und Methoden

In der hier verwendeten Terminologie und Systematik sind Interventionen Werkzeuge im engen Sinn. Die Intervention bedient sich der Techniken überall dort, wo ein Eingreifen des Mediators erforderlich ist, um den Gedankengang der Mediation herzustellen. Die Mediation selbst hat schon eine große Wirkung, weil sie den gedanklichen Weg aus dem Problem heraus vorgibt. Der Mediator verwendet mediative Techniken, um den Weg zu unterstützen. Besonders bei höher eskalierten Konflikten genügen die Standardtechniken nicht, um die Mediation zu vollziehen. Jetzt muss der Mediator eingreifen, indem er interveniert.

Die Mediation übernimmt die Interventionen, wie sie im Bereich der Psychologie, der Pädagogik und anderen Disziplinen beschrieben werden, bindet diese jedoch in das Konzept der Mediation ein. Dadurch verändert sich die Zweckausrichtung der Intervention. Der Mediator muss entscheiden, wann welche Intervention angebracht ist, um Hindernisse im Prozess oder in einem prozessunkonformen Verhalten der Partei zu überwinden.

Anwendungsfälle

Der wichtigste Fall für ein Eingreifen (also die Verwendung von Interventionen) ergibt sich aus den sogenannten schwierigen Situationen. Der Begriff wird in der ZMediatAusbV verwendet. Es handelt sich dabei um Situationen, die eine Intervention nahelegen, um Störungen vorzubeugen oder um sie zu überwinden. Hier werden die schwierigen Situationen als Herausforderungen archiviert. Die Anwendungsfälle ergeben sich letztlich aus der Praxis und oft aus Detailfragen. Um besonders auch diese Fälle zu erfassen, finden Sie unter den Fachbeiträgen typische, auf das Thema des Beitrags abgestimmte Problemlagen mit Handlungsempfehlungen. Achten Sie auf jeder Seite also bitte auf das Kapitel:

!!Was tun wenn ...
* [item000|xxx]
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* Weitere Empfehlungen im ((Fehlerverzeichnis)) oder im ((Interventionenverzeichnis))

Die Einträge beziehen sich auf die Datenbanken Fehlerverzeichnis, Interventionenverzeichnis, Technikenverzeichnis und das Schwierigkeiten. Sie können also auch in diesen Verzeichnissen direkt nach möglichen Handlungsempfehlungen Ausschau halten. Weitere Hinweise auf den Bedarf und die Verwendung von Interventionen finden Sie im Ratgeber.

Vorschläge für den Einsatz von Interventionen

Verzeichnis der Interventionen

Während der Ratgeber Vorschläge unterbreitet, wann und in welcher Situation welche Intervention angemessen ist, stellt das Verzeichnis der Techniken die Interventionen vor, die in der Mediation zur Anwendung kommen. Weil die Interventionen mit den Techniken verknüpft sind, finden Sie die Zusammenstellung im Technikenverzeichnis. Dort können Sie die Techniken nach der Werkzeugart "Intervention" filtern.

Auflistung der Techniken und Interventionen

Ansage von Interventionen

Die Mediation ist ein konsensuales Verfahren. Das bedeutet, alle Entscheidungen müssen im Konsens getroffen werden. Es gilt der Transparenzgrundsatz. Bei Techniken und besonders bei Interventionen kann ihre vorherige Ansage aber das Gegenteil bewirken. Sie könnte die Intervention ad Absurdum führen.

Beispiel 13805 - Die Parteien streiten. Der Mediator überlegt eine paradoxe Intervention, indem er einfach rausgeht und die Parteien alleine lässt. Wenn er sie unterbricht und seine Intervention ankündigt ist sie nicht mehr paradox und verliert ihre Wirkung.


Ob die Intervention angekündigt wird oder nicht hängt von ihrem Charakter ab. Es gibt durchasus Interventionen, die angekündigt werden müssen, damit sie möglich sind und ihre Wirkung entfalten können. Ein Beispiel dafür sind Einzelgespräche.

Bedeutung für die Mediation

Die ZMediatAusbV führt auf, dass die Ausbildung den Umgang mit schwierigen Situationen wie z.B. Blockaden, Widerständen, Eskalationen, Machtungleichgewichten umfassen soll. Dabei kann es nicht nur darum gehen, die Interventionen zu kennen. Viel wichtiger ist es, zu lernen, wie die Situation einzuschätzen ist, die eine Intervention erfordert. Der Mediator ist dabei der Komplexität der Situation ausgeliefert. Sein Vorteil ist, dass er lediglich ein Spiegel der Parteien und des Streitsystems darstellt. Er muss also gar nichts diagnostizieren, sondern lediglich aufdecken. Wenn er also über Interventionen nachdenkt, konzentriert er sich auf die Frage:

Was ist zu tun, damit die Parteien sich auf die zu bewertende Situation einlassen und die zu klärende Frage an sich heranlassen können?

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2022-04-06 21:36 / Version 88.

Alias: Eingreifen, Interventionstechnik, Intervention, Interventionsansage
Siehe auch: Mediatorenkoffer, Ratgeber für Interventionen
Prüfvermerk: -


Zuletzt bearbeitet von Arthur Trossen , basierend auf der Arbeit von ArthurTrossen und Bernard Sfez .
Seite zuletzt geändert am Mittwoch April 6, 2022 21:36:31 CEST.
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