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Seiten-ID: 834 Verzeichnis der schwierigen Situationen in der Mediation A) Abteilung »  04. Werkzeuge B) Inhalt »  08. Beruf »  Mediator »  Kompetenz

Herausforderungen

Über den Umgang mit schwierigen Situationen in der Mediation. Was eine schwierige Situation ist, hängt vom Einzelnen ab. Auch erfahrene Mediatoren geraten in Situationen, die nicht gerade als ein Selbstläufer zu bezeichnen sind.


Der Gesetzgeber bringt den Begriff schwierige Situationen in der Ausbildungsordnung auf und zwar im Anhang als einen Lehrinhalt. Der Mediator soll mit solchen Situationen zurechtkommen können. Was aber sind überhaupt schwierige Situationen?




Schwierig ist, was nicht leicht fällt
Was das ist, entscheidet jeder selbst.


Als Beispiele für schwierige Situationen werden genannt: Blockaden, Widerstände, Eskalationen und Machtungleichgewichte. Weil diese Phänomene nur Beispiele sind, gibt es sicherlich auch weitere Herausforderungen, wie z.B. Krankheiten, Suchterkrankungen, die Problemtrance oder schon die Begründungssemantik, die die Arbeit des Mediators erschweren. Bevor die Frage, wie mit schwierigen Situationen umzugehen ist, beantwortet werden kann, sollte zunächst geklärt werden, was eine schwierige Situation überhaupt ist und warum diese Situationen die Arbeit so schwer machen.

Was ist schwierig?

Für Anfänger ist die Mediation an und für sich schon eine Herausforderung, weil sie anders ist. Die Beispiele der ZMediatAusbV gehen darüber jedoch hinaus. Sie haben gemeinsam, dass die Verwirklichung der Mediation in Frage gestellt ist, weil der Mediand nicht macht, was er soll. Vielleicht ist es aber gerade das was er tun sollte, denn sein Verhalten hat sicherlich eine Bedeutung und trägt zum Verstehen bei. Mit dieser Erkenntnis ergibt sich bereits ein Anknüpfungspunkt und eine erste Empfehlung, wie mit schwierigen Situationen umzugehen ist.

 Merke:
Leitsatz 3864 - Schwierige Situationen helfen, den Konflikt sichtbar werden zu lassen. So gesehen sind sie eine Chance und kein Hindernis.

Bei Wiki to Yes werden die schwierigen Situationen von den Hindernissen unterschieden. Die Mediationshindernisse werden als Störungen beschrieben, die sich unmittelbar auf den Ablauf der Mediation auswirken und die Mediation behindern. Sie werden dem Kapitel Prozess zugeordnet und dort näher beschrieben.

Methodik

Wer mit der Frage einer schwierigen Situation konfrontiert wird, denkt sofort daran, was zu tun ist, damit die Situation überwunden werden kann. Die Frage: "Was tue ich nur als Nächstes?", ist jedoch die falsche Frage. Sie konzentriert sich auf eine Lösung und führt (zumindest in der Mediation) meist in die Irre. Dalai Lama wusste schon, dass es zwei Tage im Jahr gibt, an denen man nichts machen kann:

gestern und morgen


Schon weil die Frage, was als nächstes zu tun ist, nach einer Lösung sucht, passt sie nicht in die Mediation. Sie betrifft die (unmittelbare) Zukunft. Sie ist in der Sprache des Dalai Lama das Morgen. Die Mediation als Tanz mit dem Moment verstanden1 , interessiert sich für das Jetzt. Die korrekte Frage des Mediators lautet deshalb: "Was geschieht hier gerade?". Was als nächstes zu tun ist, ergibt sich aus der Antwort, die sich den Medianden als Erkenntnis erschließen muss.

Methodisch bildet der Mediator eine Hypothese. D.h. er bildet Annahmen aus, was die Situation oder das Verhalten der Partei bedeutet. Er überlegt nicht die Ursache für das Verhalten (außer, wenn es die Bedeutung erschließt). Der Zweck liefert die Antwort. Der Mediator kann ihn hinterfragen:

Beispiel 11684 - Der Mediator verbalisiert: "Ich beobachte gerade ..... Was wollen Sie damit ausdrücken?" oder "Was möchten Sie erreichen?" oder "Warum können Sie das nicht einfach sagen?"


Manchmal bedarf es einer Intervention, um die Bedeutung zu erschließen. Die Intervention soll dazu beitragen, Gedanken, die für den Fortgang der Mediation und die Verstshensvermittlung notwendig sind, den Parteien zugänglich zu machen.

Was ist eine Intervention? Interventionenverzeichnis

Sie finden Interventionsvorschläge im Ratgeber. Auch hat der Mediator die Möglichkeit, im Werkzeugverzeichnis eine geeignete Technik herauszufinden. Die einfachste und naheliegendste Vorgehensweise ist die Metakommunikation. Wenn es dem Mediator gelingt, die Partei auf das Problem anzusprechen und mit ihr zu überlegen, wie das Problem zu überwinden ist, ist die schwierige Situation überstanden.

Einschätzung

Die Metakommunikation versagt, wenn die Parteien blockiert sind, Widerstand leisten oder sich in einem hoch eskalierten Konflikt befinden. Die Parteien würden sicher keinen Widerstand leisten, wenn sie einen einfacheren Weg sähen, ihr Anliegen vorzubringen. Was also wirklich schwierig ist, ist weniger die Frage, was zu tun ist, als die Frage, wie das Verhalten der Partei oder die Situation zu verstehen ist.

 Merke:
Leitsatz 3863 - In einer "schwierigen Situation" kommt es darauf an, die Lage korrekt einzuschätzen. Der Mediator muss herausarbeiten, was die Situation / das Verhalten bedeutet und vor allem, wie es möglich ist, dass die Partei sich zu dieser Bedeutung bekennt. Wieder gilt die Regel: erst verstehen, dann entscheiden.

Die Mediation ist jetzt alles andere als ein angenehmes Gespräch. Die Parteien müssen durch die Schlangengrube. Sie müssen den Konflikt anpacken. Der Mediator muss ihnen dabei helfen, dass dies möglich wird. Ob der Mediator die Situation meistert oder nicht, hängt nicht lediglich von der Wahl der passenden Intervention ab. Sie muss im richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Art und Weise eingebracht werden. Manchmal braucht es mehrere Versuche, die richtige Intervention zu finden. Ob und wie die Interventionen eingeführt werden, ist ein Beweis für die Mediatorenfähigkeit und von ihr abhängig. Die Haltung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Verstehen

Manche Mediatoren haben im Sinn, den Medianden zu "knacken". Das ist schon deswegen eine gefährliche Metapher, weil der Mediand keine Nuss ist. Die Nuss befindet sich möglicherweise im Kopf des Mediators. Da ist der Ansatzpunkt, wo etwas geknackt werden muss. Der Mediator sollte also nicht überlegen, wie er den Widerstand einer Partei überwindet. Er sollte überlegen, wie er den Zugang zu der Partei und ihrem Verhalten finden kann.

Beispiel 11685 - Wer hoch emotionalisiert ist, handelt eher nicht verstandesgesteuert. Es macht also wenig Sinn, den Menschen dann auf einer rationalen Ebene erreichen zu wollen. Wenn Emotionen sprechen, brauchen Emotionen eine Antwort, nicht der Verstand.


Möglicherweise spricht aus der Partei eine Betroffenheit oder Hilflosigkeit. Der Anlass für das Verhalten muss nicht in der Persönlichkeit der Partei gefunden werden, auch nicht im Verhalten der Gegenpartei. Der Mediator muss bedenken, dass auch er unbemerkt den Anlass geliefert hat. Sein Blick sollte also zunächst auf sich selbst gerichtet sein und seine Haltung in Frage stellen.

Haltung des Mediators

Einzelfälle

Die Beispiele der Ausbildungsverordnung lassen sich beliebig erweitern. Es würde zu weit führen, hier alle Fälle aufzuführen. Deshalb stellt Wiki to Yes eine eigene Datenbank für den Umgang mit schwierigen Situationen zur Verfügung.

 Verwendungshinweis:
Bitte beachten Sie, dass die nachfolgende Auflistung nur die Seiten erwähnt, die den Link Herausforderung enthalten. Das Schwierigkeitenverzeichnis ist eine Datenbank, die eine direkte Suche nach Herausforderungen (und nicht nur nach den Seiten) ermöglicht.

Ratgeber für den Umgang mit schwierigen Situationen Schwierigkeitenverzeichnis

Verzeichnis der Seiten, die auf Herausforderungen hinweisen

62 Seitenverweise auf Herausforderung

Seite Treffer Benutzer
Ausbildungsinhalte 6197 admin
Blockade 8316 admin
Coping 4604 admin
Deeskalation 4062 admin
Emotionen loswerden 879 admin
Erbschaftsangelegenheiten 694 admin
Erfahrungsdatenbank 1206 admin
Eskalation 11846 admin
Faktenklärung 1588 admin
Gesprächsregeln 3096 admin
Gruppen 802 admin
Herausforderung 10216 admin
Hindernis 2832 admin
Inner Game 3890 admin
innerbetriebliche Mediation 9990 admin
integrierteMediationModell 455 admin
Interventionen 17409 admin
intuitivesVerhandeln 2096 ArthurTrossen
Konfliktevolution 10810 admin
Konflikthindernis 3153 ArthurTrossen
Konstrukt 1650 admin
Krankheit 3514 admin
leereSeiten 1764 admin
Machtgefälle 7791 admin
Mediation-Durchführung 1350 admin
MediationAllgemein 709 admin
Mediationsgegenstand 3690 admin
Mediationsverbot 1128 admin
Mediatorenkoffer 16248 admin
Mediatorenpflicht 1623 admin
Nachbarschaftsmediation 1260 admin
NIMBY-Strategie 4329 admin
Peergroups 1530 admin
Persönlichkeit 4660 admin
Presse 196 ArthurTrossen
Projekt.Mediationsversicherung 1978 admin
Prozessstoerungen 2675 admin
Quellen 1375 admin
Querulanten 3457 ArthurTrossen
Scheidung 14464 admin
Schnittstellen 1920 ArthurTrossen
Schuld 4391 admin
Schwierigkeitenverzeichnis 1423 admin
Sieger-und-Gewinner 189 admin
Start 3937584 admin
Support 5512 admin
Theorienzuordnung 418 admin
Therapie 2859 admin
Umfrage-Konfliktanalyse 651 admin
Umfragen-Auswertung 2219 admin
Unterstützung 1386 admin
Versicherungspflicht 644 admin
Versöhnung 153 admin
Verstehen 13492 admin
Vielredner 2813 admin
Vorgesetzte 642 ArthurTrossen
Vorlage-Archiv 1481 admin
Vorlage-WikiSeiten 4384 admin
Vorwurf 4276 admin
Widerstand 4225 admin
Zusammenarbeit 1037 admin
Zusammenfassen 2727 admin

Bedeutung für die Mediation

Der Mediator darf nicht aus dem Blick verlieren, dass die Intervention (also die Maßnahme zur Überwindung des Hindernisses) ausschließlich dazu führt, die Mediation zu ermöglichen. Wer die Mediation als einen Kognitionsprozess versteht, erkennt schnell, welche Erkenntnis erforderlich ist und was dem Erkenntnisgewinn der Parteien im Wege steht. Die Benchmarks helfen dem Mediator zu erkennen, ob die Mediation auf dem richtigen Weg ist. Sie tragen dazu bei, dass methodische Fehler ausgeschlossen werden.

Um eine wissenschaftliche Arbeit mit schwierigen Situationen zu ermöglichen und um Ihnen einen leichten Zugang zu solchen Herausforderungen zu gewähren, werden die schwierigen Situationen in einer Datenbank erfasst, die als das Schwierigkeitenverzeichnis zugänglich ist. Die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen erlaubt eine Verknüpfung mit den Aufgaben. Sie werden im Aufgabenverzeichnis erfasst, wo die Herleitung der Herangehensweise nachgewiesen wird.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2021-08-18 07:07 / Version 71
Alias: schwierige Situationen, schwierige Situation, Herausforderungen
Siehe auch: Anlage zur ZMediatAusbV
Diese Seite wird im Hindernis erfasst
Prüfvermerk:

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1 Die Metapher wurde von Werner Schieferstein geprägt
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Schwierige Situationen in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Herausforderung
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator und Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Mittwoch August 18, 2021 07:07:05 CEST von Administrator.