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Seiten-ID: 1851 Über das Verhandeln auf gleicher Augenhöhe A) Abteilung »  08. Archiv

Die gleiche Augenhöhe

Der Rahmen der Mediation muss so gestaltet sein, dass die Parteien auf gleicher Augenhöhe verhandeln können. Gleiche Augenhöhe bedeutet, dass sie den gleichen Verhandlungsrang und die gleiche Verhandlungsposition haben, mithin in etwa die gleichen Ausgangsbedingungen.

Die gleiche Augenhöhe ist eine Bedingung, damit eine eigenverantwortliche Entscheidung zustande kommt, in der jede Partei die freie Entscheidung hat, sich der Gegenseite NICHT zu unterwerfen. Dies wiederum wird als eine Bedingung dafür unterstellt, dass die zu findende Entscheidung von allen Seiten akzeptiert werden kann.

 Merke:
Leitsatz 10890 - In der Mediation gibt es kein Machtgefälle. Das bedeutet nicht, dass es außerhalb der Mediation ein Machtgefälle geben darf. Die Verhandlung in der Mediatioon erfolgt auf gleicher Augenhöhe.

Die gleiche Augenhöhe ergibt sich aus dem Grundsatz der Freiwilligkeit. Möglicherweise ist das der Grund, warum sie nicht durchgängig als ein Prinzip der Mediation gelistet wird.

Die gleiche Augenhöhe ist insoweit vorgegeben, als der Grundsatz der Freiwilligkeit jeder Partei die Möglichkeit einräumt, die Mediation abzubrechen. Anders formuliert können die Parteien gleiche Augenhöhe herstellen, indem sie die Verhandlung verweigern, wenn eine gleichen Augenhöhe nicht gegeben ist.

Symmetrie

Um auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln, muss eine symmetrische Kommunikation unter den Parteien ermöglicht werden. Schon Watzlawick hat die zwischenmenschlichen Kommunikationsabläufe nach der symmetrischen oder der komplementären Kommunikation unterschieden, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht. Entscheidend für einen konstruktiven Kommunikationsablauf ist dabei, dass die jeweiligen Verhaltensweisen sich gegenseitig bedingen und ergänzen.1 Bei einer symmetrischen Kommunikation befinden sich die Parteien auf gleichen Ebenen. Formell betrachtet ist das bei einer Mediation der Fall. Beide Parteien sind mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestattete Medianden.

Nicht immer kommt dieser formelle Status in der Mediation aus der Sicht der Parteien zum Tragen. Die Parteien kommen oft aus einer anders geprägten sozialen Beziehung. Die Kommunikation kann durch Ungleichgewichte unterschiedlichster Art geprägt werden. Sie kann auf der unterschiedlichen Verteilung von Wissen, Kompetenzen, Obligationen, Macht, Hierarchien oder Dominanzverhalten beruhen. Zwar schreibt die Mediation den Parteien eine Rolle zu, die eine symmetrtische Kommunikation nahelegt. Nicht immer ist es den Parteien jedoch möglich, die Symmetrie selbst herzustellen.

 Merke:
Leitsatz 10901 - Wenn der Mediator bemerkt, dass die Kommunikation unter den Parteien assymmetrisch verläuft, muss er Abhilfe schaffen. Es ist wichtig, dass die Parteien auf gleicher Augenhöhe verhandeln.

Der Mediator muss mit den Parteien überlegen, wie er die Symmetrie herstellt und ermöglicht, dass auf gleicher Augenhöhe verhandelt wird.

Grundsätze

Einige Prinzipien geben Hinweise, wie mit assynchronen Situationen umzugehen ist.

  • Freiwilligkeit: Die eine Partei wird ermutigt, nein zu sagen, wenn sie nicht einverstanden ist. Die andere Partei wird ermahnt so zu verhandeln, dass die eine Partei nicht weglaufen muss.
  • Allparteilichkeit: Der Mediator kann ausgleichen, indem er der weniger eloquenten Partei hilft, sich verständliuch auszudrücken.
  • Augenhöhe: Obwohl es sich bereits aus dem Grundsatz der Freiwlliogkeit ergibt, betont die integrierte Mediation den symmetrischen Verhandlungsbedarf mit dem Grundsatz des Verhandelns auf gleicher Augenhöhe.

Bedeutung für die Mediation

Es ist die Pflicht des Mediators darauf zu achten, dass eine gleiche Augenhöhe besteht und dass er alles unternimmt, um sie herzustellen. Er hat viele Möglichkeiten, die unterlegene Partei zu stärken. Er kann Coaching-Methoden anwenden (z.B. Coping-Fragen), Einzelgespräche führen oder einen Beistand zulassen. In jedem Fall sollte er das Phänom,en der Assymmetrie ansxprechen. Gegebenenfalls genpügt es, das Verfahren neu zu inistialisieren und die Parteien auf dioe Bedeutung ihrer Rolle und die damit einhergehende Verantwortung ansprechen.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2021-07-18 19:50 / Version 11.
Alias: Prinzip-Augenhöhe
Siehe auch: Ratgeber für Interventionen
Die Seite wird im Aufgabenverzeichnis erfasst als "gleiche Augenhöhe herstellen".
Prüfvermerk: -

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1 (Stangl, 2021), Stichwort: symmetrische-kommunikation, https://lexikon.stangl.eu/12298/symmetrische-kommunikation (2021-04-05)


© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Das Prinzip Augenhöhe" (2021) unter Wiki-to-Yes.org/Augenhöhe
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