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Verfahrenslandkarte

Wissensmanagement » Sie befinden sich auf einer Themenseite zum Abschnitt Systematik des Mediationshandbuchs.
Hier geht es um die Frage, was Verfahren sind, welche Verfahren es gibt und was sie bewirken können. Es gibt Gemeinsamkeiten. Beachten Sie bitte auch:

Verfahren Verfahrensabgrenzungen Verfahrenverzeichnis Verfahrenslandkarte Eigenschaften Helfersystem

Abstract: Auch wenn der Fokus meist auf nur ein Verfahren gerichtet ist, sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei einem Konflikt mehrere Verfahren und Vorgänge Einfluss auf das Konfliktgeschehen nehmen. Es kommt zu sogenannten Parallelprozessen.

Einführung und Inhalt: Die selektive Wahrnehmung übersieht die Einflüsse der Parallelprozesse, den Einfluss des Helfersystems und das Phänomen der Verfahrenshäufung. Jedes Verfahren symbolisiert einen Weg. Aber verfolgen alle Prozesse entlang des Konfliktes denselben Weg? Verfolgen alle das gleiche Ziel? Wissen sie überhaupt voneinander?

Die Verfahrenshäufung

Der Begriff Verfahrenshäufung beschreibt das Phänomen, dass mehrere Verfahren und Vorgänge in Angriff genommen werden, um das Ziel zu erreichen. Der Verfahrensbegriff wird in dem Zusammenhang wieder im weitest möglichen Verständnis gesehen. Er umfasst alle Verfahren der monadischen, dyadischen und triadischen Instanz.

Innerhalb der Verfahren konzentrieren sich die Protagonisten auf das jeweils gesetzte Verfahrensziel. Sie konzentrieren sich beispielsweise entweder auf das Gerichtsverfahren oder die Mediation. Jedes Verfahren hat ein Eigenleben. Trotzdem stehen bereits diese beiden Verfahren in einem realen oder optionalen Verhältnis zueinander. Im Hintergrund laufen dann noch Beratungen (die hier ebenfalls als Verfahren betrachtet werden) und auch nicht notwendigerweise aufeinander abgestimmt werden. Möglicherweise gibt es Explorationen und natürlich die situativen Lebensprozesse, in denen sich die Parteien bewegen müssen und die Entscheidungen verlangen, die nicht immer auf ein Verfahrensergebnis warten können.

Einflüsse

Von dem Mediator wird erwartet, dass er eine systemische Sicht einnimmt und alle diese Prozesse im Blick hat.
Aus dieser Perspektive sind zu unterscheiden:

Parallelprozesse
Im Vordergrund stehen die sogenannten Parallelprozesse. Ein Gerichtsverfahren, beispielsweise, das nicht zum Ruhen gebracht oder ausgesetzt wurde, hindert die Durchführung der Mediation, weil die Ziele nicht kompatibnel sind. Das Gerichtsverfahren wird zum Damoklesschwert für die Mediation und zu einem ständigen Drohpotenzial für die Parteien.
Streitprozesse
Ähnlich wie die Parallelprozesse wirklen die neben der Mediation durchaus weriterlaufenden Streitprozesse. Zwischen den Mediationsterminen müssen die Parteien ja auch miteinander kommunizieren. Ein unbedachtes Wort mag die Bemühungen des Mediators im vorangenagnene Termin leicht wieder zunichte machen. Auch der Rat eines Anwaltes, der die Lage in der Mediation nicht korrekt einschätzen kann, führt dazu, dass die Partei wieder auf ihre Position zurückgefallen ist.
Lebensprozesse
Einfluss nehmen aber auch die Lebensprozesse. Bei einer Scheidung laufen die juristische, die wirtschaftliche, die psychologische und die soziale Scheidung nebeneinander her.

Die Prozessübersicht

Für den Mediator ist es wichtig zu wissen, welchen möglichen Einflüssen die Parteien ausgesetzt sind. Eine Verfahrenslandkarte kann ihm helfen, den Überblick zu bewahren. Es macht Sinn, wenn er eine Verfahrenslandkarte anfertigt mit deren Hilfe er die Ziele der jeweiligen Prozesse harmonisiert. Die Verfahrenslandkarte kann durchaus wie in der vorstehenden Grafik angefertigt werden.

Verfahrenslandkarte

Die nebenstehende Grafik soll ein Beispiel sein, wie eine Verfahrenslandkarte aussehen kann. Wichtig ist, dass die sich gegenseitig beeinflussenden Prozesse erfasst werden und klar gelegt wird, welchem Zweck sie verfolgen sollen.

Die grafische Darstellung kann genutzt werden, um den Parteien zu helfen, sich auf ein gemeinsames Ziel zu verständigen. Ihnen soll bewusst werden, wo die Verfahren in- oder gegeneinander laufen, dass es verschiedene Zielsetzungen gibt, die nicht unbedingt miteinander kompatibel sind und dass es letztlich auf den Nutzen (die Wirkung) ankommt, die mit dem jeweils möglichen Ergebnis erreicht werden soll.

Die Verfahrenslandkarte kann eingesetzt werden, um den Parteien zu helfen, sich bei der Konfliktlösung auf einen gemeinsamen Weg zu verständigen, mit dem sie trotzdem ihre Ziele erreichen können. Ganz nebenbei wird die Landkarte verdeutlichen, dass die Mediation als der gemeinsame Weg den maximalen Nutzen herstellt.

Bedeutung für die Mediation

Nebeneinfüsse müssen in Kauf genommen werden. Der Mediator kann ihnen zuvorkommen, indem er mit die Parteien auffordert, evtl. Parallelprozesse und Nebeneinflüsse anzuzeigen, um sie strategisch auf ein gemeinsames Ziel auszurichten.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.

Bearbeitungsstand: 2023-08-05 21:47 / Version 28.

Alias: Prozesskollisionen, Verfahrenshäufung
Siehe auch: Parallelprozesse
Prüfvermerk: -


Based on work by Bernard Sfez und anonymous contributor . Last edited by Arthur Trossen
Seite zuletzt geändert am Donnerstag Februar 22, 2024 02:02:18 CET.

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