Loading...
 
page id: 560 Phase 2: Bestandsaufnahme / Themensammlung Abteilung »  Wissen Inhalt »  Mediationsprozess »  Ablauf

Phase 2: Themensammlung


Bitte lesen Sie zunächst die Beiträge zur Phasenübersicht und zur Phasenlogik. in diesem Beitrag sollen die konkreten Anforderungen und Arbeitsweisen der betreffenden Phase beschrieben sein. Die dieser Phase zugeordnete Methode ist:

Die Methode der Bestandsaufnahme Themenlogik


Die 2. Phase führt die Gedanken in die kaputte Welt.1

Bezeichnung

Die 2. Phase wird als Themensammlung oder Bestandsaufnahme bezeichnet. Schon diese Bezeichnungen legen unterschiedliche Herangehensweisen offen. Die Themensammlung ist zum Beispiel bei Meditationen mit mehreren Beteiligten angebracht. Die Bestandsaufnahme bewährt sich in Konflikten mit wenig Beteiligten. Die unterschiedlichen Herangehensweisen werden nachfolgend unter der Überschrift Gestaltung näher vorgestellt.

Um die Bedeutung der 2.Phase besser herauszustellen, wird vorgeschlagen, von einer Themenvereinbarung zu sprechen. So wird klargestellt, dass die Themenvereinbarung eine Mediationsabrede ist, die die Mediationsdurchführungsvereinbarung ergänzt und den Verfahrensgegenstand festlegt. Sie ist mit der Erlaubnis gleichzusetzen, über die vereinbarten Themen sprechen zu dürfen.

Auftrag

  1. Identifikation des Streites
    Der Auftrag der Phase zwei lautet zunächst, den Streit genau zu identifizieren. Es geht darum, die "kaputte Welt" zu erkennen, um die Positionen und Gegenpositionen herauszufiltern.
  2. Positionen herausarbeiten
    Es wird geprüft und hinterfragt, was genau die Partei von der Gegenseite verlangt.
  3. gegebenenfalls: Identifikation des Problems
    Bei Bedarf wird genau hinterfragt, was den Streit ausmacht und wo Spielräume sind.
  4. Positionen in Themen auflösen
    Die Themenlogik ist zu beachten. Wenn es keine streitigen Positionen gibt, sondern nur eine offene Frage, können Themen dennoch als ein Suchauftrag identifiziert werden.
  5. Festlegung des Mediationsgegenstandes
    Es wird herausgearbeitet, welche Themen den Konflikt ausmachen und über welche Themen zu sprechen ist.

Mediationsgegenstand Themenlogik 

Gestaltung

Es gibt 4 Varianten, wie die Phase 2 durchzuführen ist. Der Mediator stimmt mit den Parteien ab, welche die geignetste ist.

Bestandsaufnahme
Diese Vorgehensweise wird auch als Sachverhaltsmethode bezeichnet. Der Mediator fordert die Parteien auf, den Sachverhalt/das Problem zu schildern und /oder das, was ihnen auf dem Herzen liegt. Er höhrt Parteien aufmerksam zu und achtet darauf, wie selektiert wird, wo Schwerpunkte gesetzt werden und wie die emotionale Beteiligung zum Vorschein kommt. Bei Beziehungskonflikten achtet er auch auf den Umgang miteinander. Er meldet die Positionen zurück, also das, was von der Gegenseite eingefordert wird und vereinbart das übergeordnete Thema. So verfährt er bis alle Themen, Partei für Partei, gesammelt sind.
Themensammlung
Bei der Themensammlung fordert der Mediator die Parteien auf, die Themen zu nennen über die zu verhandeln ist. Erfahrungsgemäß werden die Parteien statt Themen eher Gründe und Interessen aufführen oder Lösungen. Die Themensammlung muss also in einem zweiten Schritt überarbeitet werden. Bei dieser Methode wircd der Sachverhalt in Anschluß an die Themenwahl für jedes Thema separat abgefragt.
Kärtchenmethode
Die Kärtchenmethode ist eine Themensammlung mit dem Unterschied, dass die Themen auf Kärtchen geschrieben werden. Sie ist angebracht, wenn bei Gruppen davon ausgegangen werden kann, dass Individuen sich in der Gruppe nicht offen äußern können.
Mix
Selbstverständlich können die Methoden auch sequenziell oder parallel gemischt werden.

Ablauf

Der schematisierte Ablauf einer Phase 2 könnte wie folgt verlaufen:

Ablauf bei Sachverhaltsmethode:

  1. Erläuterung der Phase
  2. Aufforderung, das Problem / den Fall zu schildern
  3. Wer fängt an - Spiel
  4. Zusammenfassung, Positionen herausarbeiten, Themen dazu bilden.
  5. dto mit Gegenpartei
  6. Vergewissern, ob es weitere Themen gibt
  7. Themenfolge festlegen (Priorisierung)
  8. Zusammenfassen

Alternativ: Ablauf bei Themensammlung und Kärtchenmethode:

  1. Erläuterung der Phase
  2. Aufforderung, Themen zu nennen
  3. Themen clustern (herausarbeiten und zusammenstellen)
  4. Themenfolge festlegen (Priorisierung)
  5. Zusammenfassen

Werkzeuge

Was die Verwendung der Werkzeuge anbelangt, mag auf die Methodik und das Verzeichnis der Techniken verwiesen sein. Eine Zusammenstellung der in Phase 2 zu verwendenden Werkzeuge finden Sie unter der Zuordnung zur Methoder der Bestandsaufnahme. Die wichtigste Technik ist die Zusammenfassung, bei der die Positionen herausgearbeitet und als Themen vereinbart werden.


Bestandsaufnahme: Methoden und Techniken der zweiten Phase Checkliste: Phasenablauf

Etappenziel

Das Etappenziel der 2.Phase ist erreicht, wenn der Streit genau identifiziert ist. Die zur Lösung führenden (die klärenden Fragen) sind festgelegt und vereinbart. Ideal ist es, wenn die Themen jeweils einen Konflikt repräsentieren.2 Der Widerspruch (das Dilemma oder die gegensätzlichen Positionen und die kognitive Dissonanz) wird von den Parteien akzeptiert. Die Position kan in eine (lösungsoffene) Frage umgewandelt werden. In diesem Prozessstadium kann ein Streitbekenntnis erwartet werden, aber noch kein Konfliktbekenntnis.

Herausforderungen

Es ist eine Stilfrage wie der Mediator mit dieser Phase umgeht. Manche halten den Ball flach, indem sie den Streit verbietenh, andere lassen laufen, indem sie den Streit zulassen. Theoretisch ist es die letzte Phase, wo die Parteien Gelegenheit zum Streiten haben. Wenn die Parteien streiten, informieren sie über die Art, wie sie miteinander umgehen und wie das Problem zu gewichten ist.

Positionen
Der Mediator achtet auf die Positionen, um sie einem Thema zuzuführen. Positionen im Sinne der Mediation sind die Forderungen (oder Erwartungen) an die Geegnseite. Das Thema beinhaltet die Position ebenso wie die Gegenposition und neutralisiert den Widerspruch zwischen Position und Gegenposition3 .
Themen
Für die Navigation durch die Mediation und das Verständnis der zu erörternden Konflikte ist es geschickt, wenn der Mediator darauf achtet, dass jedes Thema mit einem Konflikt verknüpft wird und diesen repräsentiert. So kann er die Themenlogik der Mediation verwirklichen4 .
Erlaubnis
Die Themen stellen den Verfahrensgegenstand her. Sie müssen abgestimmt (vereinbart) sein, weil sich daraus die Erlaubnis über das Thema zu sprechen ableitet. Wer über ein anderes Thema spircht bewegt sich aus dem Verfahren heraus. Es ist deshalb wichtig, die Themen auf die Konflikte zu beziehen und Argumente, Positionen und Motive nicht mit Themen zu verwechseln!5
Widerspruch
Mitunter verweigern es die Parteien, über ein Thema zu reden. Es ist schon ein Fortschritt, wenn sie das Thema, über das zu reden ist, eingestehen. Das ist hilfreich bei der Identifikation der Konflikte. Ob über das Thema gesprochen wird oder nicht ist eine andere Frage. Die Verweigerung bedeutet nicht immer das über das Thema nicht gesprochen wird, sondern dass man der damit verbundenen Lösung nicht zustimmen will. Man will aber, dass der eigene Standpunkt akzeptiert wird. Das beste Mittel, um dies zu erreichen, ist über das Thema zu reden. In jedem Fall sollte der Mediator herausfinden, worauf die Aversion beruht6 .
Visualisierung
Bei einem Streit über Themen ist es geschickt, die vorgeschlagenen Themen auf einem Flipchart für jede Partei sichtbar und gesondert zu visualisieren. Die Visualisierung dient dem Nachzuweis, wie groß der Konflikt ist und wo Übereinstimmung über die anzusprechenden Themen (Konfliktgegenstände) besteht oder nicht. Hinsichtlich der nicht zugestandenen Themen sollte deren Relevanz erörtert werden und der mögliche Lösungsrahmen falls diese Themen unangesprochen bleiben.7 Die nebenstehende Skizze zeigt, dass nur ein Thema des Konfliktes angesprochen werden darf. Es zeigt aber auch, dass der Konflikt wesentlich größer ist und sicher nicht beigelegt werden kann, wenn nur über das eine Thema gesprochen wird.
Priorisierung
Auch die Festlegung der Themenfolge kann herausfordernd sein, wenn mehrere Themen angegeben werden. Wenn die Themen Konflikte repräsentieren, spiegeln sie die Konfliktdimensionen, sodass sich aus der Themenstellung die Unterscheidung zwischenProblem (Sachkonflikt) und den tiefergehenden Konflikten mit Konflikten (Beziehungskonflikt, Wertekonflikt) ergeben. Sie bilden meist den Kontext, in dem das Problem aufkommt, sodass es sinnvoll ist, mit diesen Themen zu beginnen. In der Praxis ist jedoch anzuraten, mit dem Thema zu beginnen, mit dem die leichteste Lösung möglich ist und wo die Parteien den leichtesten Zugang finden.

Phasenabschluss

Die Phase kann abgeschlossen werden, wenn das Etappenziel erreicht ist. Dann sollte der "Krieg" bekannt sein und eingestanden werden. Der Mediator und die Parteien wissen, ob und gegebenenfalls welche Themen (Konflikte) außer den genannten noch im Raume stehen. Diese Information wird auch dann abgefragt, wenn über einzelne Themen nicht gesprochen werden soll.

Bedeutung für die Mediation

In der 2.Phase darf und soll gestritten werden. Es ist wichtig, dass die Parteien ihre Argumente anbringen können. Die streitigen Positionen werden herausgearbeitet, damit sie zunächst in Themen und dann in Motiven aufgelöst werden können. So werden die Gedanken der Parteien aus dem Problem herausgeführt.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2022-11-08 13:43 / Version 84.

Alias: Phase 2, Themensammlung, Bestandsaufnahme, Themenvereinbarung
Siehe auch: Phasenlogik, Ablauf, Struktur
Hinweis: Auf dieser Seite wird eine Aufgabe beschrieben, die im Beitrag Aufgabenverzeichnis erfasst und gelistet wird.
Prüfvermerk:

1 Das ist die aus der kognitiven Mediationstheorie abgeleitete Metapher
3 Weitere Ausführungen unter Positionen
4 Weitere Ausführungen unter Themenlogik
6 Weitere Ausführungen unter Widerspruch
7 Weitere Ausführungen unter Visualisierung

Last edited by Arthur Trossen , based on work by Administrator , ArthurTrossen , Bernard Sfez and MartinR .
Page last modified on Tuesday November 8, 2022 13:43:27 CET.
Durchschnittliche Lesedauer: 7 Minuten