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Fehleinschätzungen und Irrtümer

Der Wiki to Yes Mediationsreport 2019 hat nachgewisen, dass die Mediation oft falsch verstanden wird. Auf dieses Missverständnis sind viele Argumente zurückzuführen, mit denen eine Mediation abgelehnt wird. Nicht immer sind sie zutreffend. Diese Zusammenstellung der Killerargumente soll dazu beitragen, die Mediation und ihre Chancen korrekt einzuschätzen:

  1. Das macht keinen Sinn, der ändert sich ja doch nicht!
    Das Argument wird zum Alibi, die Mediation abzulehnen. Schlechte Erfahrungen und Resignation kommen zum Vorschein. Aber auch der Wunsch, sich zu schützen, das Vertrauen nicht nocheinmal zu vergeuden. Die Mediation macht trotzdem Sinn. Sie kann eine Veränderung herbeiführen. Siehe Persönlichkeit
  2. Da hilft kein Gerede, da zählen nur noch Fakten!
    Die Mediation setzt sich durchaus mit Fakten auseinander. Allerdings verhinder sie, dass Fakten zum Argumentieren missbraucht werden und konzentriert sich nur auf lösungsrelevante Fakten. Auch weiß sie Fakten von Behauptungen zu unterscheiden. Wer also wirklich meint, dass Fakten die Lösumng bringen, ist in der Mediation bestens aufgehoben.
  3. Der soll erst mal seine Schuld eingestehen, ehe ich in Verhandlungen trete!
    Um Schuld einzugestehen, bedarf es der Einsicht, nicht der Unterwerfung. Die Mediation führt diese Einsicht herbei und setzt sich mit den Verletzungen auseinander. Die Chance zu einem Schuldeingeständnis wird also eher größer als kleiner.
  4. Wieso verhandeln, ich will doch nur mein Recht!
    In einem Gerichtsverfahren wird übrigens auch verhandelt. Während sich der Verhandlungsgegenstand dort nur auf den Sachverhalt und die sich daraus ergebenden Rechtsfolgen konzentriert, umfasst die Verhandlung in der Mediation einen viel weitergehenden Rahmen, der auch die Interessen und den Konflikt umfasst.
  5. Das Weicheigelaber hilft doch nicht weiter!
    In der Mediation werden die Dinge beim Namen genannt. Man redet Tacheles. Emotionen werden kontrolliert, sodass auch schwierige Gespräche möglich werden.
  6. Nur mit einem guten Anwalt bin ich dem Gegner gewachsen!:
    Der Mediator stellt gleiche Augenhöhe her und erweitert dem Gegenstand auf nicht-juristischen Tatbestände. Die vermeintliche Stärke kann sich jetzt als kontraproduktiv erweisen.
  7. Wir zweifeln jedoch sehr an der Bereitschaft der Gegenseite, eine Einigung zu erzielen!
    Ist das ein Argument warum man selbst die Mediation ablehnt? Wie steht es mit der eigenen Einigungsbereitschaft? Offenbar wird ein Nachgeben vorausgesetzt. Ob und wer überhaupt nachgibt, ergibt sich allerdings erst aus der Mediation. Es sollte nicht vorausgesetzt werden. Siehe Startprobleme.
  8. Die Mediation ist aber teuer (kostet doch Geld)
    Ja, es ist eine Investition in den Frieden. Und ja, es könnte trotzdem zum Streit kommen. Auch wenn es bei einer professionell durchgeführte Mediation sehr unwahrscheinlich ist, bietet sie doch eine Chance, den Streit (Krieg) zu vermeiden. Jedser muss für sich entscheiden, was diese Chance wert ist.
  9. Verhandeln macht doch keinen Sinn
    Diese Einschätzung mag aus den vorausgegangenen Erfahrungen mit dem Gegner resultieren. Sie übersieht, dass die Mediation ein anderes Verhandeln ist, das bisher sicher noch nicht ausprobiert wurde. Macht es nicht Sinn erst alles zu probiere, ehe man sich für eine Eskalation entscheidet? Bei einner unkontrollierten Eskalation geht es ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch darum, ohne Gesichtsverlust aus dem Streit herauszukommen. Dann sind Verhandlumngen wieder unausweichlich. Bei den dann stattfindenden Verhandlungen geht es aber nicht mehr um eine nützliche Lösung, sondern um Schadensbegrenzung. Das sollte auch bedacht werden.
  10. Und wenn Du Dich weiter so benimmst, breche ich die Mediation ab.
    Es ist durcdhaus ok ein Verhalten des Gegners einzufordern, das ein Verhandeln möglich macht. Das wäre eine der Aufgaben des Mediators. Die Partei sollte sich jedoch vor Augen halten, dass sie die Mediation nicht zum Gefallen der Gegenseite durchfürht, sondern um eigene Interessen zu wahren. Dann ist esd eine Frage der Abwägung, die durchaus mit dem Mediator zu erörtern ist, ob die Mediation Sinn macht und welche Erwartungen befriedigt werden, wenn andere Verfahren durchgeführt werden oder Fakten geschaffen werden.

Hinweise und Fußnoten

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Bearbeitungsstand: 2021-05-29 07:46 / Version 20.
Aliase: Fehleinschätzungen
Siehe auch: Mediation, Startprobleme, Darstellungen, Mediationsmetaphern, Vorteile, FAQs, Falsche Mythen
Diese Seite wird im Mediationshindernisverzeichnis erfasst
Prüfvermerk: -

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