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Die Konflikteskalation nach Friedrich Glasl

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Die Verhandlungstheorie hat eine grundlegende Bedeutung für die Mediation. Was hat es damit auf sich?

Theorien zur Mediation Konflikt Konflikteskalationstheorie Eskalation Deeskalation Konfliktevolution Konfliktdynamik

Die Konflikteskalation ist eine Theorie im wissenschaftlichen Verständnis. Sie wurde von Friedrich Glasl entwickelt und basiert auf der Annahme, dass Konflikte in verschiedenen Eskalationsstufen verlaufen. Die Theorie beschreibt, wie sich Konflikte von anfänglich harmlosen Auseinandersetzungen zu immer intensiveren und gewalttätigeren Auseinandersetzungen entwickeln können. Die Theorie von Friedrich Glasl wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Kontexten diskutiert und angewendet, insbesondere im Bereich der Konfliktforschung und -management. Sie dient als Analyseinstrument, um den Verlauf und die Dynamik von Konflikten besser zu verstehen und Interventionsstrategien zu entwickeln.1 Anders als das Modell von Spillmann, der nur von 5 Eskalationsstufen ausging, oder Sommer's Eskalation vom Vorurteil zum Feindbild,2 legt Glasl 9 Eskalationsstufen in drei als Ebenen beschriebenen Abschnitten vor, die einen antroposophischen Bezug aufweisen.3

Die Eskalationsstufen

Die Art und Weise, wie sich ein Streit - oder genauer gesagt das menschliche Verhalten im Streit - verschärft hat Glasl zusammengefasst. Er teilt die Streiteskalation in insgesamt 9 Schritten ein, die sich in drei Hauptschritte unterteilen lassen4

1. Hauptschritt: sachbezogen-kooperativ

  • Verhärtung: Standpunkte verhärten zuweilen, prallen aufeinander zeitweilige Ausrutscher und Verkrampfung Bewusstsein der bestehenden Spannung erzeugt Krampf Überzeugung: Spannungen durch Gespräch lösbar noch keine starren Parteien oder Lager!
  • Debatte, Polemik: Polarisation im Denken, Fühlen und Wollen, Schwarz-Weiss- Denken Taktiken: quasirational, verbale Gewalt, Reden zur Tribüne, über Dritte „scores“ gewinnen, zeitliche Subgruppen um Standpunkte, Diskrepanz „Oberton und Unterton“, Überlegener gegenüber Unterlegenem, gegenseitige Abwertungen
  • Taten statt Worte: „Reden hilft nichts mehr“ also: Taten! Strategie der vollendeten Tatsachen, Diskrepanz verbales, non-verbales Verhalten; noverbales dominiert, Gefahr: Fehlinterpretationen, „pessimistische Antizipation“: Misstrauen, Akzeleration, Gruppenhaut, Kohäsion, Rollen-Kristallisation, Drohgebärde, Empathie verloren

2. Hauptschritt: beziehungsbezogen-kompetativ

  • Images und Koalitionen: Stereotypen, Klischees, Image-Kampagnen, Gerüchte: auf Wissen und Können! einander in negative Rollen manövrieren und bekämpfen Werben um Anhänger, symbolische Koalitionen, self-fulfilling prophecy durch Perzeptionsfixierung, demontierbares Strafverhalten, doppelte Bindungen durch paradoxe Aufträge
  • Gesichtsverlust: öffentlich und direkt: Gesichtsangriffe!, Vorwurf des Ehrverlustes, Verrats, Verbrechens, inszenierte „Demaskierungsaktion“, Ritual Demasqué: „Enttäuschung“, Aha-Erlebnis rückwirkend, Engel-Teufel als Bild, Doppelgänger, Ausstossen, Verbannen, Isolation, Echo-Höhle, sozialer Autismus, Ekel, Ideologie, Werte, Prinzipien Rehabilitierung!
  • Drohstragetien: Erpressung, Drohung und Gegendrohung: Dreieck aus Forderung, Sanktion, Sanktionspotential; Glaubwürdigkeit: Proportionalität Selbstbindungsaktivitäten, Stolperdrähte „second move“ Stress Akzeleration durch Ultimata, Scherenwirkung

3. Hauptschritt: gewaltbezogen-destruktiv

  • Begrenzte Vernichtungsschläge: Denken in „Dingkategorie“, keine menschliche Qualität mehr, begrenzte Vernichtungsschläge als „passende Antwort“, Umkehren der Werte ins Gegenteil: relativ kleinerer eigener Schaden wird als Gewinn betrachtet
  • Zersplitterung: Paralysieren und Desintegrieren des feindlichen Systems, Abschnüren der Exponenten vom Hinterland, vitale System-Faktoren zerstören, dadurch das Gegnersystem unsteuerbar, zerfällt gänzlich
  • Gemeinsam in den Abgrund: kein Weg mehr zurück! totale Konfrontation, Vernichtung zum Preis der Selbstvernichtung, Lust am Selbstmord, wenn auch der Feind zugrunde geht!

Verwertbarkeit in der Mediation

Glasl's Eskalationstheorie findet eine universelle Verwendung und ist nicht für die Mediation entwickelt worden. Der Gedanke, dass und wie der Umgang mit den Eskalationsstufen zu Erkenntnissen der Parteien in der Mediation führen, erschließt sich daraus nicht. Bemerkenswert ist auch die Zuweisung zu sogenannten Strategiemodellen, die nichts anderes sind als Verfahrenszuordnungen. In diesem System kommt die Mediation lediglich für die Stufen 5-7 in Betracht. Die praktische Realität wendet die Mediation aber bereits ind en vorangehenden Stufen an. Systematisch konsequenter ist die Behandlung der Eskalation nach Konfliktdimensionen, wie im 6. Buch unter Kapitel Eskalation beschrieben.

Alias

Glasl-Konflikteskalation

4 Glasl (Konfliktmanagement) Figur 9.2: Die 9 Stufen der Konflikteskalation: S. 236-237 sowie Kapitel 11, S. 313-347 (Auszüge).
7 Winfried Berner: Konflikteskalation: Wie die Unversöhnlichkeit stufenweise wächst in http://www.umsetzungsberatung.de/konflikte/konflikteskalation.php
8 By Benutzer:Sampi (Quelle: Glasl, 1994, S. 216, 218-219) http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)" rel="external nofollow">CC BY-SA 2.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en), via Wikimedia Commons


Based on work by anonymous contributor . Last edited by Arthur Trossen
Seite zuletzt geändert am Mittwoch Februar 21, 2024 20:15:44 CET.

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