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Intermediation Über das Zusammenspiel von Cross Border, internationaler und interkultureller Mediation:

Inter-Mediation Cross Border Mediation Interkulturelle Mediation Internationale Mediation

Kultursynergetische Mediation

Genau gesagt handelt es sich um das von Claude-Hélène Mayer eingeführte "kultursynergetische Modell interkultureller Mediation". Der Begriff des Modells wird abweichend von dem hier verwendeten Begriff der Mediationsmodelle verwendet und sollte damit auch nicht verwechselt werden. Gemeint sind Erscheinungsformen der Mediation, weshalb die von Mayer beschriebene Herangehensweise in der Mediationsdatenbank als kultursynergetische Mediation erfasst wird.

Verfahrensbeschreibung

Die kultursynergetische Mediation ist eine Kombination aus Elementen der interkulturellen Mediation mit denen der Ethno-Mediation. Im Vordergrund steht ein transkultureller Ansatz. Mayer beschreibt die interkulturelle Mediation als eine spezifische Variante der Mediation, in der die Mediation an den westlichen Konzepten der Mediation ausgerichtet wird. Die Sicht auf die Mediation wird also beispielsweise durch das Harvard-Konzept geprägt. Mayer erkennt in dieser Herangehensweise einen Nachteil, wenn die Mediation in kulturen durchgeführt wird, denen diese Verhandlungskonzepte fremd sind. Besonders wenn die Medianden aus mehreren Kulturen stammen, kann eine Verhandlung nicht unter der Voraussetzung gleicher oder ähnlicher kulturell bedingter Wertorientierungen stattfinden. Auch wenn die Ethno-Mediation auf einer nicht-westlichen, kulturabhängigen Herangehensweise aufsetzen kann, würde sie sich in einer Mediation nicht ideal an die Kulturunterschiede anpassen können, wenn die Medianden aus unterschiedlichen Kulturen stammen.

Die von Mayer eingeführte kultursynergetische Mediation versucht die Schnittstellen zwischen den Kulturen sowohl auf der prozessualen wie auf der inhaltlichen Ebene auf einen transkulturellen Ansatz zurückzuführen. In diesem Ansatz finden sich beide (alle beteiligten) Kulturen wieder. Die Mediation passt sich den eingeübten (gewohnten) Herangehensweisen und Vorstellungen an, um daraus eine optimierte, kultursensitive Herangehensweise zu entwickeln, bei denen die kulturellen Gemeinsamkeiten im Vordergrund stehen. Wie die nachfolgende Skizze1 ausweist, werden zunächst die Synergieeffekte zwischen den verschiedenen, traditionellen Streitvermittlungen herausgearbeitet. Darauf setzt dann die interkulturelle Kompetenz auf, die sich auf die kulturspezifischen Kontexte der Beteiligten einlassen kann.

Mayer-interkulturell
Graphik: Modell interkultureller Mediation nach Mayer


Dem Mediator oder der Mediatorin gelingt es zusammen mit den Parteien, die Werte, Bedürfnisse und Gefühle herauszuarbeiten und kulturübergreifend zu vermitteln. Mayer stellt heraus:2

Dabei geht es nicht nur um die Einbeziehung der kulturellenWerte und Identitäten der Konfliktparteien geht, sondern um eine vollständige und flexible Rekonstruktion des Mediationssettings, des Rollenverständnisses, der Methoden, Techniken und Kompetenzen des kulturspezifisch angenommenen Mediationsprozesses. Diese Rekonstruktion vollzieht sich dann kulturspezifisch im Spannungsfeld der anwesenden Personen und ihrer kulturellen Identitätenund Werte. Mediation bedeutet somit nicht mehr ausschließlich "Mediation in interkulturellen Kontexten", sondern kultur-synergetische Mediation, die zu einem eigenständigen, flexibel handhabbaren Verfahren wird, das sich an kulturspezifischen Ausrichtungen auf unterschiedlichen Ebenen manifestiert und fortlaufend neuer kreativer Formen bedarf.

Bedeutung für die Mediation

In Zeiten der kulturellen Vermischung von Gesellschaften sind flexible Herangehensweisen auch bei der Konfliktbeilegung sinnvoll und erforderlich, damit sich die Mediation dem Streitverhalten der Kulturen angleichen kann. Es macht sicher wenig Sinn, eine Mediation mit den direkt betroffenen Individuen durchzuführen, wenn sie etwa wegen ihrer eher solidarisch konzipierten kulturellen Herkunft nicht ohne das Plazet der Familie entscheiden können. Es hilft nicht nur dem Mediator oder der Mediatorin, sondern auch den Parteien, wenn die Verstehensvermittlung dort ansetzt, wo die kulturellen Codices ein Verstehen ermöglichen. Ob und inwieweit die kulturellen Vorgaben einer Streitvermittlung aber den Anforderungen einer Mediation im fachlichen Sinne entsprechen, mag im Einzelfall hinterfragt werden, wenn am Ende eine Mediation herauskommen soll. Damit wird die Auseinandersetzung über das weltweite Mediationsverständnis geschürt, aber auch die Frage der Qualitätsanforderungen, denen sich die Mediation zu stellen hat, damit sie nicht beliebig ausfällt. Die kultursynergetische Mediation verlangt also viel vom Mediator. Er oder sie muss eine klare Vorastellung davon haben, was eine Mediation ausmacht und davon, was die Kulturen darüber wissen und wie sie die Mediation adaptieren können.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2021-11-03 21:25 / Version 10.

Siehe auch: interkulturelle Mediation, Verzeichnis-Mediation, Mediationsverständnis, Mediation-Systematik
Prüfvermerk: -

1 Mayer C-H, Interkulturelle Mediation im Spannungsfeld westlicher und afrikanischer Perspektiven. In: {trackerautoritem trackerId="16" fieldId="103" fieldId2="622" itemId="12191"}
2 Siehe {trackerautoritem trackerId="16" fieldId="103" fieldId2="622" itemId="12185"} S. 6


Based on work by Arthur Trossen . Last edited by anonymous contributor
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