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Die Bausteine der Mediation

Wissensmanagement » Diese Seite ist dem Archiv in der Wiki-Abteilung Wissen zugeordnet. Eine logische Verknüpfung erfolgt mit der Rubrik Werkzeugsystematik, die dem Mediatorenkoffer der Abteilung Werkzeuge zuzuordnen ist. Bitte beachten Sie auch:

Werkzeugsystematik Bausteine funktionale Einheiten Wirkfaktoren Mediationskompetenz

Die Mediation wird als ein komplexes System und ein dementsprechend kompliziertes Verfahren beschrieben. Ihre systemische Sicht erlaubt es, die Mediation als ein selbstregulierendes Konstrukt zu verstehen, dessen Elemente miteinander in Beziehung stehen und eine Wechselwirkung auslösen.

Das Baumaterial

Der Begriff Bausteine ist zweifellos metaphorisch gemeint. Besser wäre es vielleicht vom Baumaterial zu sprechen, denn wie bei einem Hausbau werden nicht nur Steine verwendet. Die Auseinandersetzung mit dem unterschiedlichen Baumaterial ist unerlässlich, um das Beziehungsgefüge der Mediation und das Zusammenspiel ihrer Elemente zu verstehen. Die Metapher des Hausbaus wurde bewusst gewählt. Die Mediation könnte mit dem Bau eines Gedankenhauses verglichen werden. Wie bei dem Hausbau kommt es darauf an, die Bauelemente korrekt zusammen zu setzen. Das Fundament kommt nach unten, das Dach nach oben. Die Tür- und Fensterstürze werden auf die Wandöffnungen gesetzt, die Fensterbänke darunter. Der kleinste Baustein in der Mediation ist nicht etwa der Mensch oder die Parteien. Sie sind nicht einmal der Werkgegenstand. Sie sind eher der unbewusste Kollege des Mediators. Der kleinste Baustein ist die Information.

Puzzle Zusammen

Zumindest zu Beginn der Mediation verwenden die Parteien ganz unterschiedliche, teilweise auch nicht kompatible Bausteine. Das ist der Grund,w arum sie kein gemeinsames Haus bauen können. Damit das gelingt, müssen die Bausteine (Informationen) aufeinander abgestimmt werden. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, welche Bausteine wir zu verwenden sind. Manche Bausteine (Informationen) müssen bearbeitet werden, damit das Baummaterial zu einem einheitlichen, gedanklichen Gebäude zusammengesetzt werden kann. Hierzu bedarf es der Werkzeuge, mit denen die Bausteine bearbeitet und zusammengesetzt werden können.

Die Werkzeughierarchie

Die nachfolgend aufgeführten statischen Bausteine stehen in einer hierarchischen Beziehung zueinander. Die Klassifizierung erlaubt eine Einteilung in Ordnungen. Die Ordnungen determinieren die Gewichtung der Werkzeuge. Fehler, die den Einsatz der Bausteine der ersten und zweiten Ordnung betreffen, sind immer als gravierend anzusehen. Fehler bezüglich der dritten und vierten Ordung erschweren die Mediation. Sie führen aber nicht zwingend zu einer Wesensverletzung, sind in der Regel also heilbar.

Werkzeuge der 1. Ordnung

Wesen

  1. Mediation ist anders!
  2. Das Wesen ergibt die Eigenschaften
  3. Die Mediation ist ein Kognitionsprozess, der es den Parteien ermöglicht, selbst die Lösung zu finden.
  4. Es geht um die Suche, bei der die Nutzenerwartung im Vordergrund steht.
  5. Alle Aspekte der Komplexität werden in die Lösungsfindung einbezogen.
  6. Ihre Grundlage ist keine Lösungs-, sondern eine Vermittlung.
  7. Die Mediation ist ein Meta-Prozess. Der Mediator personifiziert die Metaebene.
  8. Systemisch betrachtet steht der Mediator außerhalb des Streitsystems

Werkzeuge der 2. Ordnung

Haltung

  1. Die Haltung beschreibt die sich aus den Anforderungen der Mediation ergebende geistige Einstellung
  2. Der Mediator muß zur Mediation passende Haltungsmerkmale vorweisen.
  3. Die Vermittlung erfordert eine stabile Metaebene, die der Mediator repräsentieren muss.
  4. Die Metaebene ist neutral und wertfrei.
  5. Die Autonomie der Parteien erwartet Verantwortlichkeit.

Struktur

  1. Die Struktur ergibt sich aus der Systemik
  2. Der Ablauf ergibt sich aus der Phasenkonsistenz.
  3. Die Phasen geben dem Mediator und den Parteien den Auftrag, was zu tun ist.
  4. Die Mediation strukturiert nicht nur das Verfahren, sondern auch das Denken.
  5. Im Konfliktgeschehen bildet die Mediation eine strategische Exklave.

Prinzipien

  1. Die Prinzipien sind die Bedingung für eine korrekte Mediation.
  2. Die wichtigsten parteiseitigen Prinzipien sind: Freiwilligkeit, Eigenverantwortlichkeit, Offenheit, Informiertheit, Vertraulichkeit
  3. Die wichtigsten mediatorseitigen Prinzipien sind: Neutralität, Indetermination.
  4. Die Prinzipien sind von den Eigenschaften zu unterscheiden.

Werkzeuge der 3. Ordnung

Methodik

  1. Die Methodik ist vom Verfahren zu unterscheiden
  2. Das Verfahren ist der Container in dem die Methodik zur Anwendung kommt
  3. Die Methodik beschreibt die Ausrichtung der Techniken
  4. Die Mediation verwendet mehrere Methoden, mit denen sich die Etappenziele verwirklichen
  5. Methodenverzeichnis

Werkzeuge der 4. Ordnung

Setting

  1. Das Setting beschreibt die Arbeitsbedingungen
  2. Das Setting folgt den Rahmenbedingungen

Die Montage

Um eine Montageanleitung oder einen Bauplan für eine Mediation zu erstellen, kommt es darauf an, welche Bauelemente wo und wie zu verarbeiten sind. Die Identifikation der Bauelemente ist unerlässlich. Nur wenn sie in ihrer Funktionalität erkannt werden, lassen sie sich korrekt verbauen. Die Metapher des Hausbaus erläutert einen Gedanken, mit dem sich auch die Montage einer Mediation erklären lässt. Ähnlich wie beim Hausbau erschließt die Funktion des Bauelements seinen Standort. Wenn es sich bei dem Bauelement um einen Fenstersturz handelt, wird er über dem Fenster angebracht und nicht etwa darunter. Die Verwendung des Bausteins ist eindeutig. Leider haben wir in der Mediation keine anschaulichen Bauelemente. Bei den Bausteinen handelt es sich um Informationen. Die sehen - zumindest auf den ersten Blick - alle gleich aus. Sie gleichen weder Dachpfannen noch Fensterstürzen, woraus sich ihre funktionale Bedeutung ableiten ließe. Trotzdem gibt es Unterschiede, über die sich ihr Standort bestimmen lässt. Die Unterschiede ergeben sich aus der Metainformation, über die der Informationstyp offen gelegt wird. 1

Die Metainformation gibt Hinweise auf die funktionale Bedeutung der Information, sodass sich ihre Position im Prozess oder in dem zu lösenden Fall daraus ableiten lässt.

Beispiel 16963 - Eine Zielvereinbarung kommt sinnigerweise an den Anfang eines Prozesses (Funktion: Start und Ausrichtung). Das Ergebnis bildet sein Ende (Funktion: Manifestation). Ein Argument kommt vor die Position (Funktion: Begründung), ein Thema dahinter (Funktion: Neutralisation).


Der Prozess setzt sich aus mehreren solcher Bausteine zusammen. Wenn ihnen eine prozessrelevante Bedeutung zukommt, werden sie als funktionelle Einheit bezeichnet. Mithin stellen die funktionalen Einheiten die Schlüsselelemente der Mediation heraus, die für das Zusammenspiel und die Zusammensetzung des Mediationspuzzles erforderlich sind. Die Einheiten sind untereinander vernetzt, sodass kein (oder kaum ein) Element weggelassen werden kann, ohne dass die Mediation darunter leidet.

Ausgangspunkt, zur Identifikation der funktionalen Einheiten sind die folgenden, grundlegenden Elemente:

funktionale Einheitenbox

  1. Ziel: Die Zielfestlegung ist zunächst lediglich darauf gerichtet, eine Lösung zu finden, die den maximalen Nutzen verspricht.
  2. Rahmen: Aus der Zielfestlegung ergibt sich der Weg. Weil es um die Suche geht, ist die Kooperation die naheliegende Strategie.
  3. Konflikt: Der Konflikt bildet den Bezug. Er muss sich also in den Themen wiederfinden und in dem Mediationmodell, das die dazu erforderliche Bearbeitungstiefe festsetzt.
  4. Verstehen: Die Klärung des Konfliktes und der zur Beseitgung erforderlichen Anforderungen steht im Mittelpunkt.
  5. Lösung: Das Ziel ict erreicht, wenn eine den Anforderungen entsprechende Lösung gefunden wurde.

Die funktionalen Einheiten erfassen die Bausteine, die in ihrer Interaktion für das Funktionieren der Mediation verantwortlich sind. Sie beschreiben die Funktion der Bausteine und stellen Verbindungen zwischen den Navigations- oder Montagepunkten her, indem sie den inneren Zusammenhang des Mediierens oder dessen beschreiben, was eine Mediation ausmacht.

Die Montagepunkte, zwischen denen sich funktionale Beziehungen herstellen lassen, sind:

Navigationspunkt Verknüpfung Erkenntnis
Zielabstimmung 1.Phase Es gibt keine verwertbare Lösung. Eine Suche ist erforderlich
Rahmen 1.Phase Errichtung der Metaebene. Gedankenfreiheit (Offenheit) wird ermöglicht. Kontrollfähigkeit wird eingerichtet (Freiwilligkeit). Der Weg wird markiert (Prinzipien).
Streit 2.Phase Widerspruch wird akzeptiert. Parteien stellen sich der kognitiven Dissonanz, Streitbekenntnis. Das Thema neutralisiert die Positionen und wandelt sie in eine Frage um.
Themen 2.Phase Was zu regeln ist, damit der Konflikt beigelegt werden kann.
Fokus 1.Phase, 3.Phase Wird auf die Nutzenerwartung gesetzt
Dimension 1.Phase, 3.Phase, Kontinuum, Mediationsmodell Welche Dimensionen des Streitkontinuums und der Komplexität sind zu erfassen, damit eine ganzheitliche Lösung möglich wird
Reichweite Konfliktkongruenz Wie weit reicht der Konflikt?
Nutzen 3.Phase Orientiert am Nutzen werden die Kriterien für die Lösung erarbeitet.
Verstehen alle Phasen Es wird ein Gedankengang produziert, der alle Lösungshindernisse aus dem Weg räumt. Die Gedanken der Parteien können sich ungehindert in eine Lösung entwickeln.

Die Wirkfaktoren

Die Zusammenstellung der Wirkfaktoren trägt dazu bei, die Phänomene der Mediation zu verstehen und ihre Methodik zugänglich zu machen. Insofern gibt es durchaus Parallelen und Überschneidungen mit den funktionalen Einheiten, die das Zusammenspiel der Wirkfaktoren aus der Sicht der kognitiven Mediationstheorie heraus beschreiben. Laut Schmidt, sollen die Wirkfaktoren die weichen Energien der Mediation bündeln, damit der Konflikt entwirrt und eine Verständigung zwischen den Parteien herbeigeführt werden kann.2 Er führt insgesamt 10 Wirkfaktoren auf:

  1. Grundstruktur
  2. Prinzipien
  3. Phasenstruktur
  4. Psychologie
  5. Kommunikation
  6. Problembearbeitungstechnik
  7. Feldfkompetenz
  8. Rechtskompetenz
  9. Verhandlungskompetenz
  10. Persönlichkeit und Haltung

Beachten Sie bitte, dass die vorstehende Aufzählung der Wirkfaktoren die Faktoren der Mediation mit den erforderlichen Kompetenzen des Mediators vermischt. Beides ist sicherlich erforderlich, um die Mediation zur Wirkung zu bringen. Um jedoch die Wirkungsweise der Mediation selbst herauszustellen, wäre eine Differenzierung hilfreich. Wiki to Yes setzt sich an anderer Stelle ausführlich mit den Kompetenzen des Mediators auseinander.

Mediationskompetenzen

Die Kunst der Mediation besteht darin, die Elemente bedarfsgerecht einzusetzen, um dadurch die Mediation in ihrem Wesen zu verwirklichen. Es ist ein kreativer Prozess mit einer eigenen Logik. Alles muss korrekt zusammengesetzt werden, damit die Mediation ihre Wirkung entfalten kann. passen. Mit der Frage was die Mediation im innersten zusammenhält und warum sich die Lösung in dem Zusammenhang herstellt, befasst sich die kognitive Mediationstheorie.

Hinweise und Fußnoten
Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2025-04-05 13:35 / Version 125.

Aliase: Bausteine, functional Units, functionalUnits, Mediationsbausteine, Werkzeughierarchie
Siehe auch: Werkzeugsystematik, Dimensionen, Mediationslogik, funktionaleEinheiten, Wirkfaktoren
Included: funktionaleEinheiten, Wirkfaktoren
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