Um die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten der und mit der Mediation zu beantworten, sollte zunächst geklärt werden, was unter Mediation überhaupt verstanden wird. Davon hängt ab, welche Kompetenz ihr zugeschrieben wird. Und davon wiederum hängt ab, welche Produkte daraus wie zu kreieren sind.

Beispiel 16912 - Das aktive Zuhören wird als eine Kernkompetenz der Mediation angesehen. Was können Sie damit anfangen, was dem Kunden nützlich ist? Wie kann diese Fähigkeit die Leistung gegenüber anderen Dienstleistungen im Ergebnis verbessern?


Wenn das aus den Fähigkeiten gebildete Produkt den Bedarf des Kunden deckt, sind die Chancen groß, damit Geld zu verdienen. Wenn die Fähigkeiten hinterfragt werden, liegt der Fokus auf den Kompetenzen, nicht auf dem Produkt. Sie fragen also, welche Kompetenzen Sie als Mediatorin oder als Mediator erworben haben, um daran die Überlegung zu knüpfen, wie sich diese Fähigkeiten auf das oder die Produkte auswirken. Achten Sie darauf, welche dieser Kompetenzen in anderen Verfahren nicht zur Verfügung stehen, damit Sie den USP herausbilden können. Wenn Ihnen nur Fähigkeiten einfallen, die auch ein Anwalt oder ein Therapeut vorhalten, wird es schwierig sein, die Mediation zu vermarkten.

Wir nähern uns den Möglichkeiten der Vermarktung mit der Überlegung, was der Kunde braucht, wenn es um den Umgang mit Konflikten geht. Prüfen Sie welche Leistungen oder Produkte dessen Bedarf vollständig decken. Kann ein Anwalt oder ein Therapeut alle diese Bedarfe decken? Falls nicht, ergeben die verbleibenden Lücken die Chance für ein lukratives Angebot.

Wenn Sie sich auf diese Überlegung einlassen, bleibt ein großer Markt zurück. Den Beweis liefert das Streitkontinuum.1 Danach gibt es kein Produkt, das alle Dimensionen des Streites abdecken kann. Nicht einmal die Mediation ist dazu von Haus aus in der Lage. Es gibt aber durchaus Mediationskonzepte, die diese Fähigkeit aufweisen.2 Hier zeigt sich ein deutlicher Vorteil der Mediation. Das Problem ist, dass die Lücke nicht nur mit dem Mediationsverfahren, sondern eher mit einem universellen Meta-Wissen gefüllt werden kann, das auch im Mediationsverfahren vorgehalten wird.3

Die Vermarktung eines Meta-Wissens

Mithin ergeben sich die Verdienstmöglichkeiten sich nicht aus dem Produkt selbst, sondern aus der hinter dem Produkt verborgenen Kompetenz. Wenn Sie die Mediation auf das Mediationsverfahren reduzieren, stoßen Sie schnell auf das Mediationsparadoxon.4 Damit wird die Diskrepanz zwischen Invesition und dem Ertrag beschrieben. Die Mediation verhält sich insofern paradox, weil sie trotz der erwiesenen Leistungsvorteile nur sehr zurückhaltend in Anspruch genommen wird. Das Mediationsparadoxon betrifft allerdings nur das Mediationsverfahren. Es belegt keinesfalls, dass es keine guten Verdienstmöglichkeiten mit der Mediation gibt.

Möglicherweise ist das Mediationsparadoxon der Grund für die Sorge vieler Interessenten bei der Frage, ob und in welchem Umfang sie sich in Mediation ausbilden lassen und wie sie sich im Markt präsentieren. Die Sorgen sind unbegründet, wenn sich die Vermarktungs- und Verdienstmöglichkeiten aus der Kompetenz ableiten und definieren über das Meta-Wissen definieren. Das Wissen des Mediators ist ein universell gültiges, aber seltenes Generalwissen. Es wird oft als „Meta-Wissen“, „interdisziplinäres Wissen“ oder „holistisches Wissen“ bezeichnet. Es umfasst grundlegende Prinzipien, Denkrahmen und Muster, die branchen- und kontextübergreifend anwendbar sind, aber über bloße Allgemeinbildung (Allgemeinwissen) hinausgehen. Nur wenige Menschen erwerben es aktiv, da es ein tiefes Verständnis und die Fähigkeit erfordert, Wissen aus verschiedenen Disziplinen zu verknüpfen. In einer qualifizierten Mediationsausbildung wird dieses Wissen vermittelt. Das sollte es wenigstens. Es ist vergleichbar, mit der Fähigkeit zu rechnen. Die Fähigkeit wird überall benötigt. Aber nur selten als ein eigenständiges Produkt.

Die Produktvarianten

Wenn sich die spezifische Fähigkeit der Mediation so weit auffächert, lassen sich mehrere Produkte daraus bilden. Im Beitrag über die Produkte der Mediation5 wurde zwischen dem Kernprodukt, den Sekundärprodukten und dem Produktbooster unterschieden, wo die Mediation zur Aufbesserung anderer Produkte herangezogen wird. Das Meta-Wissen der Mediation stellt auch einen USP dar, wenn es um die Bewerbung auf Führungsstellen geht. Mithin ist die Mediation eine universelle Fähigkeit, die in unzähligen Kontexten zur Anwendung kommt und monetarisiert werden kann. Es lohnt sich in jedem Fall, sich näher damit zu befassen.

Arthur Trossen


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