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Seiten-ID: 843 Zur Prüfung der Einschlägigkeit der Mediation A) Abteilung »  03. Wissen B) Inhalt »  04. Prozess (Mediation) »  Voraussetzungen »  Geeignetheit

Die Geeignetheit der Mediation

Gerade im Hinblick auf den Abgrenzungsbedarf zu anderen Verfahren kommt es darauf an, zu erkennen, wann genau die Mediation das einschlägige Verfahren ist. Diese Frage kann nach der Prüfung der Geeignetheit beantwortet werden.




Der Eignungstest
Kann die Mediation leisten, worauf es ankommt?

Statthaftigkeit und Geeignetheit

Die Prüfung der Geeignetheit wirkt sich auf die Prüfung der Voraussetzungen zur Durchführung einer Mediation aus. Während die Voraussetzungen auch die rechtlichen Anforderungen einer Mediation i.S.d. Mediationsgesetzes erfasst, konzentriert sich die Geeignetheit auf die der Statthaftigkeit eines öff. rechtl. Verfahrens zuzuordnenden Gesichtspunkte. Eine Gesamtübersicht über die zu prüfenden Voraussetzungen finden Sie unter dem Gliederungspunkt Recht.

Voraussetzungen der Mediation 

Die Geeignetheit ist von der Durchführbarkeit zu unterscheiden. Beides wird oft miteinander verwechselt. Die Geeignetheit befasst sich lediglich mit der Frage, ob die Mediation grundsätzlich möglich und sinnvoll ist. Die Durchführbarkeit befasst sich mit der Frage, ob und unter welchen Bedingungen sie gelingen kann.

Bitte beachten Sie, dass die Prüfung der Geeignetheit immer und in jeder Verfahrenslage durchzuführen ist. Ihre Unterlassung ist ein haftungsrelevanter Mediationsfehler.

 Merke:
Leitsatz 4761 - Die Frage der Geeignetheit der Mediation ist in JEDER Mediation vorweg und in jeder Verfahrenslage zu prüfen! Die Geeignetheit ist von der Durchführbarkeit zu unterscheiden, die gegebenenfalls erst in der Mediation hergestellt wird.

Wann ist die Mediation geeignet?

Zu unterscheiden sind die objektive Geeignetheit und die subjektive Geeignetheit.
Die subjektive Geeignethei unterscheidet die parteiliche Geeignetheit, also die Frage nach der Mediationsfähigkeit (Handlungsfähigkeit der Parteien) und die professionelle Geeignetheit, also die Frage nach der Mediatorenfähigkeit. Mithin erfolgt die Prüfung der Geeignetheit in drei Schritten:

Geeignetheit (objektive Geeignetheit)

Die Prüfung der objektiven Geeignetheit der Mediation entspricht der Prüfung der Statthaftigkeit eines öff. rechtlichen Verfahrens. Zu prüfen ist, ob die Mediation das einschlägige Verfahren ist. Das ist der Fall, wenn es um die Beilegung oder Lösung eines Konfliktes geht und wenn die SUCHE nach einer (anderen oder besseren) Lösung opportun ist. Die Prüfungsfolge ist also:

  1. Handelt es sich um einen Konflikt?
    Seit dem Erlass des Mediationsgesetzes ist der Konflikt im weitesten Sinne zu verstehen. Auch ein Streit gehört dazu. Für die Frage der Geeignetheit genügt die Feststellung, ob ein Konflikt vorliegt. Mehr und mehr wird die Mediation auch zur Konfliktvermeidung eingesetzt.1 Deshalb sollte nicht das Vorliegen eines Konfliktes, sondern die Nähe zum Konflikt ausschlaggebend sein.
  2. Ist die SUCHE nach einer Lösung das approbate Mittel zur Beilegung?
    Die Sinnhaftigkeit der Suche ist aus der Sicht eines neutralen Beobachters zu entscheiden. Die Parteien selbst sind sich vor dem Beginn der Mediation über die Notwendigkeit, eine Lösung zu FINDEN oft nicht im Klaren. Der Mediator wird diese Frage routinemäßig mit der Zielvereinbarung ansprechen oder im Zusammenhang mit der Lösungsoffenheit. Die Bereitschaft zur Suche entsteht deshalb oft erst nach Beginn der Mediation. Sie betrifft also die Frage der Duchführbarkeit, nicht der Geeignetheit. Die zu findende Lösung erfolgt in der Gegenwart. Sie betrifft die Zukunft.2
 Merke:
Leitsatz 4762 - Die Mediation ist stets geeignet, wenn es um die Suche nach einer am Nutzen orientierten Lösung geht mit der ein Konflikt gelöst oder vermieden wird.

Für die Gestaltung der Mediation, also ihre Durchführung, bedarf es weiterer Analysen:

  1. Konfliktanalyse zur Ermittlung der beteiligten Personen
  2. Konfliktdimension zur Ermittlung des Mediationsmodells
  3. Theorie-Konflikteskalation zur Ermittlung der Intensität

Die Gegenprobe stellt die Frage, wann ein Fall objektiv nicht für eine Mediation geeignet ist. Die objektive Ungeeignetheit kann in folgenden Fällen angenommen werden:

  1. Die Suche nach einer Lösung erübrigt sich, weil es keinen Entscheidungsspielraum gibt.
  2. Es geht nicht darum, eine Lösung im Einzelfall zu finden, sondern eine nicht verhandelbare Regel einzuführen.

Mediationsfähigkeit (subjektive Geeignetheit der Partei)

Mit der Mediationsfähigkeit wird die Zulässigkeit der Beteiligung der jeweiligen Parteien geprüft. Zunächst ist die Frage zu klären, ob die Parteien die "richtigen" sind. Als Vertragsparteien müssen Sie in der Lage sein, den Mediationsvertrag abzuschließen. Als Streitparteien müssen sie über den Streitgegenstand verfügen können. Als Konfliktparteien müssen Sie in den Konflikt involviert sein. Weiterhin müssen sie intellektuell in der Lage sein, der Mediation zu folgen. Wenn von der Mediationsfähigkeit die Rede ist, liegt der Fokus meist auf dieser Frage.

Die Mediationsfähigkeit ist um die Verhandlungsfähigkeit zu erweitern. Es genügt nicht zu prüfen, ob die Partei in der Lage ist den Gedankengängen der Mediation zu folgen. Sie muss auch in der Lage sein die eigene Gedanken zu äußern und die Eigenverantwortung wahrzunehmen. Diese Frage ist mitunter abhängig von der Beziehung wie die Parteien zueinander haben. Der Mediator muss deshalb auch prüfen, ob es der Partei möglich ist auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln. Hat er Zweifel, muss er überlegen, wie er die Balance zwischen den Parteien herstellen kann.

Die Prüfungsfolge ist also:

  1. Wer hat mit wem welchen Konflikt? Es geht um die Identifikation der Parteien. Die Frage beantwortet sich nach einer Konfliktanalyse, die auf einer Konfliktlandkarte aufsetzt.
  2. In welcher Rolle treten die Parteien auf? Es geht um die Frage, ob sie Streitpartei oder Konfliktpartei sind. Die Streitparteien rechtsinhaber sein.
  3. Sind die Parteien abschlussfähig?
  4. Sind die Parteien mediationsfähig?

Mehr über diese Anforderungen lesenSie in den Beiträgen:

Abschlussfähigkeit Verhandlungsfähigkeit 

Mediatorenfähigkeit (subjektive Eignnung des Mediators)

Eine Voraussetzung zur Durchführung einer Mediation i.S.d. Mediationsgesetzes ist das Vorliegen einer Ausbildung. Der Mediator ist ohne eine Ausbildung nicht befugt, die Dienstleistung anzubieten.

Dienstleistungsbefugnis 

Die Ausbildung alleine genügt nicht, um die subjektive Geeignetheit des Mediators zu bejahen. Es gibt besipeilsweise Meinungen, die die Mediation als ungeeignet ansehen, wenn ein Machtgefälle oder eine Suchterkrankung vorliegen. Anders als dort angenommen, steht die Mediation zumindest grundsätzlich auch in solchen Fällen als Verfahren zur Verfügung. Einschränkungen wären im konkreten Fall im Zusammenhang mit der Mediationsfähigkeit (des Medianden) zu berücksichtigen. Eine andere Frage ist, ob auch der Mediator mit derart erschwerten Bedingungen umgehen kann. Damit eröffnet sich die Prüfung der Mediatorenfähigkeit.

Die Mediatorenfähigkeit ist ein Fall der subjektiven Geeignetheit3 . Sie erwartet, dass der Mediator die Materie beherrscht und die Mediation in dem geeigneten Mediationsmodell durchführen kann. Die Mediatorenfähigkeit entscheidet, ob und inwieweit der Mediator mit dem Konflikt zurecht kommt.

Wann kann die Mediation durchgeführt werden?

Von der Geeignetheit ist die Durchführbarkeit der Mediation zu unterscheiden. Die Geeignetheit hinterfragt die Verwendbarkeit der Mediation und ihre Gestaltung. Die Durchführbarkeit betrifft die Frage ihrer Realisierung. Beides wird oft miteinander vermischt.

Freiwilligkeit ist kein Kriterium: Der Fall beschreibt eine partei die gerne eine Mediation durchf+hren möchte. Sie schildert, dass der Gegner nicht teilnehmen will. Auf die Frage, ob der Fall für eine Mediation geeignet ist, antworten die Schüler: QNein, weil der Gegner nicht freiwillig teilnimmt". Eichtig wäre die Antwort: "Ja, der Fall ist für die Mediation geeignet. Allerdings ist zu fragen, ob die Mediation durchgeführt werden kann".


Die Trennung der Fragen nach der Geeignetheit von denen nach der Durchführbarkeit erlaubt es dem Mediator, die Mediation nicht von vorneherein abzulehnen, sondern darüber nachzudenken, wie er sie verwirklichen kann. Im Beispiel Freiwilligkeit ist kein Kriterium würde er also die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, die durchaus bekannten Startprobleme zu überwinden.

Machtgefälle: In manchen Anleitungen ist zu lesen, dass Mediation bei Machtgefällen nicht geeignet sei.


Auch diese Einschätzung, dass die Mediation bei Machgefällen nicht geeignet sei, erweist sich als inkorrekt. Wenn Sie dem hier vorgeschlagenen Prüfungsschema der objektiven und subjektiven Geeignetheit folgen, ist die Machtfrage kein Kriterium. Bei korrekter, professioneller Durchführung ist es dem Mediator zuzutrauen, dass es ihm gelingt, innerhalb der Mediation ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe zu verwirklichen. Außerhalb der Mediation sind Machtgefälle keineswegs ungewöhnlich. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er bewegt sich stets in einem Macht- oder Hierarchiegefälle. Das Machtgefälle ist also kein Problem, wohl der Machtmissbrauch. Wenn die Mediation zu einer Einsicht führt, hat sie auch gute Chancen, den Missbrauch abzuwenden.

Suchterkrankung: In manchen Anleitungen ist auch zu lesen, dass Mediation bei Suchterkrankung nicht geeignet sei.


Auch hier wird die Geeignetheit mit der Sinnhaftigkeit oder der Durchführung verwechselt. Die Mediation kann durchaus mit Suchtkranken arbeiten. 4 wenn der Mediator damit umgehen kann. Die Mediation kann zur Krankheitseinsicht beitragen. Fraglich ist jedoch, ob sich die suchtkranke Person an die Vereinbarung halten kann. Diese Frage ist in der Mediation zu thematisieren. Gegebenenfalls bietet sich eine Kombination mit einer Therapie an.

Prüfungsschema

Die Prüfungsvoraussetzungen für die Geeignetheit stellt Wiki to Yes als Checkliste zur Verfügung:

Check-Geeignetheit 

 Merke:
Leitsatz 9171 - Die Prüfung der Geeignetheit in der Mediation umfasst stets ein Clearing mit der Notwendigkeit, die Mediation von anderen Dienstleistungen und Verfahren abzugrenzen. Die Medianden müssen sich darüber im klaren sein, welchen Nutzen sie von der Mediation oder anderen Verfahren für ihre Konfliktbeilegung erwarten können.

Bedeutung für die Mediation

Es ist eine Frage der Professionalität, ob und wie der Mediator die Vorüberlegungen zur Mediation durchführt oder nicht. Die Prüfung der Geeignetheit hilft, die richtigen Weichen zu stellen und das Verfahren korrekt aufzubauen.

Was tun wenn...

Hinweise und Fußnoten

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Bearbeitungsstand: 2021-05-29 07:46 / Version 57.
Alias: Statthaftigkeit, Durchführbarkeit
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Prüfvermerk: -

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Seite zuletzt geändert: am Samstag Mai 29, 2021 07:46:46 CEST von Administrator.